Katholiken und orthodoxen Christen stehen vor den gleichen Herausforderungen

Benedikt XVI. sendet anlässlich des Festtages des hl. Andreas eine Botschaft an den Patriarchen von Konstantinopel

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VATIKANSTADT, 1. Dezember 2011 (ZENIT.org). - Einen Monat nach dem ökumenischen Treffen in Assisi hat Papst Benedikt XVI. anlässlich des liturgischen Festes des heiligen Andreas besondere Glückwunsche an den Erzbischof von Konstantinopel, Bartholomäus I. gesandt.

Tatsächlich ist der hl. Andreas der Schutzpatron des Patriarchats von Konstantinopel, und die Tradition will, dass am Festtag dieses Apostels sowie am St. Peter und Paul-Tag die Kirchen Roms und Konstantinopels ihre Delegierten zum jeweiligen Sitz des anderen entsenden, um sich gegenseitig Ehrerbietungen zu erweisen.

Heute wurde in Konstantinopel, wo auch der zwanzigste Jahrestag der Wahl BartholomäusI. zum Erzbischof und Ökumenischen Patriarchen gefeiert wird, die vatikanische Delegation von Kardinal Kurt Koch, dem Vorsitzenden des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, angeführt.

Der Kardinal wurde von Msgr. Brian Farrell, Sekretär des Dikasteriums, und von Hochwürden Andrea Palmieri, dem Beauftragten der östlichen Abteilung desselben Dikasteriums, begleitet. In Istanbul schloss sich der päpstliche Nuntius in der Türkei, Msgr. Antonio Lucibello, der Delegation an.

Die Delegation des Heiligen Stuhls nahm an der feierlichen Liturgie, die von Bartholomäus I. in der Patriarchatskirche im Phanar zelebriert wurde, teil und kam in einem Treffen mit dem Patriarchen und der Kommission der Synode, die für die Beziehungen mit der katholischen Kirche verantwortlich ist, zu Gesprächen zusammen.

Kardinal Koch überreichte dem Ökumenischen Patriarchen zusammen mit einem Geschenk die eigehändig von Heiligen Vater geschriebene Nachricht, die er öffentlich zum Abschluss der Göttlichen Liturgie verlas. Der Kardinal traf sich auch mit Vertretern der örtlichen katholischen Gemeinde und führte mit in der Stadt anwesenden Geistlichen ein langes Gespräch zum Thema Ökumenismus.

„Ich trage immer noch sehr lebendig die Erinnerung an unser letztes Treffen im Herzen - schrieb der Papst in seiner Botschaft - als wir gemeinsam als Pilger des Friedens in der Stadt Assisi zusammenkamen, um über die tiefe Beziehung nachzudenken, die uns in unserer aufrichtigen Suche nach Gott, der Wahrheit sowie dem Frieden und der Gerechtigkeit in der Welt vereint.“

In seinen Überlegungen hat der Heilige Vater auch aktuelle Themen angespochen. Die aktuellen politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Umstände, sagte Benedikt XVI., „stellen Katholiken und Orthodoxe vor genau dieselbe Herausforderung“, die darin besteht, das Evangelium zu verkünden, vor allem in Regionen, „die heute unter den Folgen einer Säkularisierung leiden, welche den Menschen in seinem Innersten schwächt.“

Katholiken und Orthodoxe müssen also beweisen, dass sie einen „gereiften Glauben“ erlangt haben, der sie zu einen vermag „auf der gemeinsamen Suche nach Wahrheit, im Bewusstsein, dass die Zukunft der Evangelisierung vom gemeinschaftlichen Zeugnis der Kirche und von der Eigenschaft der Nächstenliebe abhängig ist“, fuhr der Papst fort.

In Bezug auf den zwanzigsten Jahrestag des Patriarchats von Bartholomäus I. äußerte der Bischof Roms „großen Zuspruch“, insofern als dass das höchste Amt der Kirche in Konstantinopel in den letzten zwanzig Jahren „immer das Thema des Zeugnisses der Kirche und ihrer Heiligkeit in der gegenwärtigen Welt am Herzen gehabt habe.“

Sich der eigenen Gebete und der Gebete der gesamten Kirche Roms, insbesondere für „den Frieden in der Welt, das Wohlergehen der Kirche und die Einheit aller Gläubigen in Christus“, versichernd, hat Benedikt XVI. den Wunsch ausgesprochen, der Herr „möge es uns ermöglichen, auf dem Weg des Friedens und der Versöhnung fort zu schreiten.“ [jb]