Katholikentag: Bischof Bode und Kanzlerin Merkel ermutigen zu Ökumene und Mitgestaltung

Bundeskanzlerin bezeugt: Wir haben Jesus, und das gibt mir Kraft als Politikerin

| 596 klicks

OSNABRÜCK, 23. Mai 2008 (ZENIT.org).- „Lassen wir uns alle den Blick und das Herz weiten für Gott, für die Menschen, für die Welt, für die Zukunft“ - dann werde die Frage nach Gott von einer leidenschaftlichen und zugleich nüchternen Glaubensgewissheit übermächtigt, erklärte der Osnabrücker Bischof Josef Bode gestern bei der großen Eucharistiefeier im Osnabrücker Schlossgarten zur Eröffnung des 97. Deutschen Katholikentags.

Der Oberhirte des gastgebenden Bistums Osnabrück feierte bei strahlendem frühsommerlichen Wetter zusammen mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, und dem Apostolischen Nuntius in Deutschland, Jean-Claude Perisset, die heilige Messe, an der rund 15.000 Gläubige teilnahmen. Aus der Politik waren Bundeskanzlerin Angela Merkel, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (beide CDU) und der SPD-Vorsitzende Kurt Beck anwesend.

Bode rief in seiner Predigt zu mehr Zuversicht und Optimismus im Glauben auf. Der Bischof beklagte auch fehlende Fortschritte in der Ökumene. Dies sei ein „Stachel im Fleisch der Christenheit“. Es dürfe jedoch nicht vergessen werden, „wie sehr wir durch die Taufe und den Glauben an den dreifaltigen Gott geeint sind“, betonte Bode.

Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte nach dem Gottesdienst, sie beziehe aus ihrem Glauben Kraft für ihre Politik. „Wir haben einen Gott, wir haben Jesus, und das, sage ich jetzt auch persönlich, gibt mir Kraft als Politikerin“, betonte sie bei der Eröffnung des Jugendzentrums auf dem Katholikentag in Osnabrück. Die CDU-Vorsitzende äußerte sich bei ihrem Gang über das Katholikentagsgelände auch zur Situation von Jugendlichen in Deutschland und rief sie zu gesellschaftlichem Engagement auf.

Zwar könne man heute im Internet „vieles in Sekundenschnelle in Erfahrung bringen“, aber auf der anderen Seite mache allein die Information nicht schlau, so die Kanzlerin. „Das Schwerste ist, sich als junger Mensch zu entscheiden: Was mache ich? Was will ich eigentlich mit meinem Leben?“ Es gebe viele Möglichkeiten, sich zu engagieren, etwa in der Hilfe für Migranten, im Umweltschutz oder in der sozialen Arbeit.

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode dankte der Bundeskanzlerin für ihre persönlichen Worte: „Wenn eine Politikerin das so klar ausspricht, ist das gerade für Jugendliche ein gutes Zeugnis!“ In der Jugendarbeit seien „nicht die Events, sondern die alltägliche Arbeit“ das Wichtigste, unterstrich der Jugendbischof der Deutschen Bischofskonferenz. „Jugendliche sind die Garanten der Zukunft“, fügte er hinzu, ehe er sich mit einem Zitat von Papst Johannes Paul II. direkt an sie wandte: „Ihr seid Baumeisterinnen und Baumeister einer Zivilisation der Liebe!“

Die Protestantin Merkel hatte am Morgen am Fronleichnamsgottesdienst teilgenommen und machte anschließend einen Rundgang zu mehreren Ständen des Katholikentags. Dabei wurde sie am Stand des Erzbistums Hamburg vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, seinem Hamburger Amtsbruder Werner Thissen und dem Osnabrücker Bischof begrüßt. Die Kanzlerin stimmte dabei auch in den Kanon „Lobet und preiset ihr Völker den Herrn“ mit ein.

Besonderes Lob verteilte Merkel für das ökumenische Engagement des Katholikentags. „Der Glaube an Gott trägt uns gemeinsam, sage ich als Protestantin“, betonte die CDU-Vorsitzende.