Katholikentagspreis steht im Zeichen von Ökologie, gesellschaftlichem Engagement und Interkultur

98. Katholikentag unter dem Leitwort: Einen neuen Aufbruch wagen

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MANNHEIM, 16. Mai  2012 (ZENIT.org). – Der vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZDK) und der jeweils gastgebenden Diözese, diesmal der Erzdiözese Freiburg, ausgerichtete 98. Katholikentag beginnt am heutigen Abend mit seiner Eröffnungs-Veranstaltung auf dem Mannheimer Marktplatz.

Bis zum 20. Mai  sind rund 1.200 Einzelveranstaltungen geplant, von Gottesdiensten über Bibelarbeiten, Vorträgen, Podiumsdiskussionen bis hin zu Kulturangeboten. Teilnehmen werden auch die höchsten Regierungsvertreter Deutschlands: Bundeskanzlerin Angela Merkel wird einen Vortrag zu den Herausforderungen des demografischen Wandels halten; Bundespräsident Joachim Gauck nimmt am Abschlussgottesdienst teil. Aus dem kirchlichen Bereich haben neben dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, zahlreiche Bischöfe und Kardinäle ihre Teilnahme angekündigt.

Vier Themenbereiche sollen in diesem Jahr im Vordergrund stehen: Wege zu einer zukunftsfähigen Kirche, Wege zu einer Kultur der Gerechtigkeit, Wege zu einer Kultur des Lebens, Wege zu einer Kultur der Verantwortung für das Gemeinwohl. Zwölf Zentren in Schulen in der Mannheimer Innenstadt widmen sich einzelnen Schwerpunktthemen oder richten sich an besondere Gruppen: 

Zentrum Generationen und Familien, Zentrum Frauen und Männer, Zentrum Jugend, Biblisch-Geistliches Zentrum, Zentrum Ökumene, Zentrum Christlich-Jüdischer Dialog, Zentrum Christlich-Islamischer Dialog, Zentrum Kirche vor Ort, Zentrum Globale Verantwortung, Zentrum Dialog mit den Wissenschaften, Zentrum Integration und Begegnung der Kulturen, Zentrum Kirche, Wirtschaft, Arbeitswelt.

Auf einer „Kirchenmeile" in der Mannheimer Innenstadt zeigen 250 katholische Verbände, diözesane Laiengremien, Orden, Gemeinschaften und kirchliche Institutionen die Vielfalt des kirchlichen Lebens und Engagements.

Erstmals wird im Rahmen einer Konzilsgala der vom ZDK gestiftete Preis der Deutschen Katholikentage, der „Aggiornamento-Preis“ verliehen. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) erhält den 1. Preis der Deutschen Katholikentage - Aggiornamento-Preis für seine bundesweite „72-Stunden-Aktion". Mit der „72-Stunden-Aktion" fordert der BDKJ junge Menschen heraus, innerhalb von 72 Stunden eine gemeinnützige soziale, ökologische, interkulturelle oder politische Aufgabe zu lösen. Die Aktion fand 2009 erstmals in 16 von 27 deutschen Diözesen statt und wird 2013 bundesweit durchgeführt. Die „72-Stunden-Aktion" erhält 5.000 Euro Preisgeld. 

Außerdem ausgezeichnet wurde das Projekt „Kulturmittlerin" der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd). Hier erarbeiten Frauen mit und ohne Migrationshintergrund in den kfd-Diözesanverbänden gemeinsam Modelle für den interkulturellen und interreligiösen Dialog. Das Projekt erhält 3.000 Euro Preisgeld. 

Ausgezeichnet wurde auch die Initiative „JUNA (Jugend und Naturschutz)" von Ministranten und Ministrantinnen aus dem Norden der Erzdiözese Freiburgs. 

Die Reihe der 80 Gottesdienste wird am Donnerstag, dem 17. Mai, mit der Eucharistiefeier zum Hochfest Christi Himmelfahrt eröffnet. Die Veranstalter sprechen von sehr unterschiedlichen, „themenbezogenen" Gottesdiensten vom klassischen Morgen- und Abendgebet über Segensfeiern „für (fast) alle Lebensumstände" bis hin zu einer Liturgie, in deren Mittelpunkt der Tango steht; darunter auch unter der Leitung von Mitgliedern einer Initiative für Geschiedene und Wiederverheiratete im Dekanat Wiesental ein Wortgottesdienst mit dem Titel „Wo Liebe ist, da blüht ein Fest“ für alle, die nach Scheidung in einer neuen Beziehung leben, oder auch ein ökumenischer Gottesdienst mit dem Titel „Wir wollten niemals auseinandergehen“ für Menschen in Trennung und Scheidung. Am Sonntag findet dann der Hauptgottesdienst auf dem Ehrenhof des Mannheimer Schlosses statt, bei dem das Katholikentagslied  „Leben ist Aufbruch" zur Aufführung kommen wird.

Die Kosten des Großereignisses liegen laut Radio Vatikan bei rund 8,5 Millionen Euro. Davon trägt das Erzbistum Freiburg 1,1 Millionen, die Deutsche Bischofskonferenz 1,0 Million, Teilnehmerbeiträge und Fundraising erzielen 2,65 Millionen. Die Stadt Mannheim beteiligt sich mit 1,5 Millionen, das Land Baden-Württemberg mit 1,6 Millionen, der Bund mit 0,4 Millionen. 0,25 Millionen stammen aus sonstigen Einnahmen wie etwa Projektzuschüssen für einzelne Veranstaltungen.

Zum ersten Katholikentag trafen sich 1848 in Mainz Vertreter von katholischen Vereinen. In nationalsozialistischer Zeit gab es keine Katholikentreffen, weil die Organisatoren die geforderte „Treueerklärung für Führer und Reich“ ablehnten. Der erste Katholikentag nach dem Zweiten Weltkrieg fand 1948 in Mainz statt.

Katholikentage werden vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken in der Regel alle zwei Jahre an wechselnden Orten veranstaltet.[jb]