Katholische Ärzte zum Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen

"Das grundlegende 'reproduktive Recht' ist das Recht, geboren zu werden"

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NEW YORK, 25. August 2006 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen eine Erklärung des Weltverband der Katholischen Medizinischen Vereinigungen ("Fédération Internationale des Associations Médicales Catholiques", FIAMC) zum Internationalen Abkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, die in der vergangenen Woche bei den Vereinten Nationen in New York eingereicht wurde. Mit dem geplanten Übereinkommen wollen die Vereinten Nationen eigenen Angaben zufolge der weit verbreiteten Diskriminierung von weltweit rund 650 Millionen Menschen mit Behinderungen begegnen.



"Menschen mit Behinderungen gehören zu den am stärksten benachteiligten Bevölkerungsgruppen und werden von einer ganzen Reihe technischer, rechtlicher und sozialer Barrieren davon abgehalten, ihr volles Potenzial zu verwirklichen. Dieses Übereinkommen jedoch könnte zur Verabschiedung neuer Gesetze führen, die die Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung durch die Öffentlichkeit ändern könnten – und dies in allen Bereichen, angefangen bei Städteplanung und Bauwesen bis hin zu öffentlichen Verkehrsmitteln, Bildung, Arbeit und Freizeit", heißt in einer öffiziellen Presseerklärung.

Die Verhandlungen über das Übereinkommen sind im Jahr 2002 aufgenommen worden und könnten noch in diesem Monat zum Abschluss kommen.

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Herr Vorsitzender, der Weltverband der Katholischen Medizinischen Vereinigungen, FIAMC, ist die herausragendste Organisation von römisch-katholischen Ärzten, die klinisch, in der Forschung, in der Lehrtätigkeit und in der Bioethik tätig sind.

FIAMC unterstützt alle Bemühungen, um sowohl das Leiden der Behinderten zu lindern, als auch die medizinischen, sozialen und unmittelbaren Ursachen von Behinderung zu behandeln. Der gute Zweck dieser Arbeit sollte niemals aus falscher Empfindsamkeit angestrebt werden, die eher das Opfer als die Ursachen beseitigt.

Herr Vorsitzender, voller Hochachtung stimmen wir nicht damit überein, dass das Abkommen keine neuen Rechte artikuliert. Hinsichtlich Artikel 25a und den reproduktiven Rechten handelt es sich nicht um eine Frage neuer Rechte, sondern um eine Frage neuer Möglichkeiten aufgrund neuer Technologien. Wir können beispielsweise einen drei Tage alten Embryo auf chromosomale Translokationen oder Polysomie untersuchen und diese zur Termination markieren.

Wir stimmen mit der Delegation des Heiligen Stuhls darin überein, dass es sich hier um eine Konvention über Rechte und Behinderungen handelt und auch, dass der Begriff "reproduktive Rechte" sehr weitläufig (und widersprüchlich) ist. Das Gesetz ist hier nicht verordnend, sondern die maßgebende Wirklichkeit ist eher medizinisch und biologisch. Reproduktive Rechte werden sich auch künftig ausweiten, gemäß den neuen technologischen Möglichkeiten.

Deshalb ist FIAMC gegen eine Verknüpfung der so genannten "reproduktiven Rechte" mit der Prävention, der ärztlichen Behandlung oder der Politisierung von Behinderungen. Ebenso ist FIAMC gegen jegliche und alle Definitionen von Schwangerschaft, die diese mit einer mütterlichen Behinderung verbinden würden. Das grundlegende "reproduktive Recht" ist das Recht, geboren zu werden. Das Leben ist über jenseits aller Zufälligkeiten und Umstände das hervorragendste Gut, denn "zum Dasein hat er alles geschaffen" (Weish 1,14).

Wir erheben besondere Bedenken gegen jede Art von intra- oder extrauterinem Screening, das dazu dient, das werdende menschliche Leben zu verwerfen. Es handelt sich hierbei um einen abscheulichen Verstoß gegen die Menschheit, das werdende Leben und alle Behinderten, die – selbst angesichts von Leiden – heldenhaft und voller Freude leben, und all jene, die sich mit Barmherzigkeit und Liebe um sie kümmern. Alle diese Techniken und Eingriffe sollen im Auftrag des werdenden Lebens genutzt werden und nicht seiner Zerstörung dienen.

Eine Gesellschaft, die das Leiden durch Abtreibung oder Euthanasie behinderter Neugeborener – oder zu einem späteren Zeitpunkt – zu vermindern sucht, wird sich selbst zerstören. In Wahrheit ist die menschliche Beschaffenheit im Letzten derart, dass ein jeder von uns behindert ist – körperlich, emotional oder psychisch.

Wir müssen zuerst dem Leben "der am wenigsten Fähigen" dienen und dann ihr Leben bewahren, weil weder Leben noch Liebe, weder Nutzen noch Zweck der Behinderung verwehrt sind.

Joseph Mauceri
Delegierter von FIAMC
Vereinte Nationen, New York
Mit der Unterstützung des Vorsitzenden von FIAMC, José-Maria Simon

[ZENIT-Übersetzung des englischen von FIAMC zur Verfügung gestellten Originals]