Katholische Bischöfe tagten erstmals in Vietnam

Menschenrechtler beklagen regelmäßig Übergriffe auf Christen

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Michaela Koller

HO-CHI-MINH-STADT, 27. Oktober 2009 (ZENIT.org).- Erstmals hat die Föderation der Asiatischen Bischofskonferenzen (FABC) in der Sozialistischen Republik Vietnam getagt. Am Montag ging eine fünftägige Versammlung von 40 katholischen Oberhirten aus zwölf Ländern in Ho-Chi-Minh-Stadt, dem früheren Saigon, zu Ende. Die Teilnehmer befassten sich mit dem Thema „Katholische Schulen und Katechese-Zentren als Orte eucharistischer Glaubensbildung in Asien". Bislang waren jegliche Treffen der Vereinigung asiatischer Bischöfe auf dem Boden Vietnams unerwünscht.

Bei der jüngsten Begegnung ging es laut Asianews um den Austausch von Ideen und Informationen über Neuerungen in der Verwaltung, strategischen Leitung und in den sozialen Aktivitäten katholischer Schulen. Davon dürften vor allem die vietnamesischen Teilnehmer profitiert haben, die im Norden des Landes seit 1954 und im Süden seit 1975 durch das staatliche Erziehungsmonopol wenig Erfahrungen auf dem Bildungssektor sammeln konnten.

Dabei benötigt Vietnam durchaus die Unterstützung privater Träger in diesem Bereich: In der Sozialistischen Republik leben 24 Millionen Menschen in extremer Armut. Immer weniger Eltern können sich deshalb Schulbildung für ihre Kinder leisten, zumal sich Lehrer ihr mageres Gehalt mit dem Angebot von Nachhilfestunden aufbessern, ohne die die Jugendlichen den Unterrichtsstoff meist nicht bewältigen können.

Zudem vermischen die Lehrpläne in dem Land noch immer Bildung, Propaganda und Indoktrination miteinander. Die Schülerinnen und Schüler lernen Marxismus-Leninismus und beschweren sich darüber, dass die Lehrinhalte wenig mit dem praktischen Leben zu tun haben. Ungeachtet ihres Glaubens werden sie gezwungen, sich in Organisationen der Kommunistischen Partei einzubringen und zumindest deren Veranstaltungen zu besuchen.

Kardinal Jean Baptiste Pham Minh Man, Erzbischof von Saigon, hielt bei der Versammlung einen Vortrag über die „Bildung für Christen, um im Geheimnis der Heiligen Eucharistie zu leben, im aktuellen sozio-ökonomischen Kontext Vietnams". Der sperrige Titel war wohl der anhaltend starken Kontrolle des religiösen Lebens durch das Regime geschuldet. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt am Main meldet regelmäßig Übergriffe auf Christen in Vietnam, deren Drahtzieher ihren Erkenntnissen zufolge unter den Parteikadern zu suchen sind. Diese tarnen die Gewaltakte als Taten aus der Mitte einer „empörten Bevölkerung".

Davon sind zwar vorwiegend evangelische Hausgemeinden betroffen, aber auch zugelassene Religionsgemeinschaften, wie die katholische Kirche und die Buddhisten. Im Dezember 2007 und Januar 2008 protestierten Tausende katholische Christen, darunter Angehörige der örtlichen Ordensgemeinschaft der Redemptoristen, in einer Dauermahnwache und mit Prozessionen für die Rückgabe von Kirchengelände und Religionsfreiheit. Bei dem späteren Großeinsatz gingen Polizei und Milizenmit Gewalt gegen die Gläubigen, aber auch gegen westliche Journalisten vor.