Katholische Bischofskonferenz: Die Gewaltherrschaft in Simbawe ist inakzeptabel!

Hass, Einschüchterung und Gewalt dürfen in unserer Gesellschaft nicht das letzte Wort haben

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ROM, 13. Juni 2008 (ZENIT.org).- „Die Gewaltherrschaf, die sich im Land ausbreitet, vor allem in den ländlichen Gebieten und auf ehemaligen landwirtschaftlich genutzten Flächen, ist inakzeptabel“: Einen flammenden Appell richtete die katholische Bischofskonferenz von Simbabwe jetzt angesichts der unerträglichen Gewalt und des diktatorischen Mugabe-Regimes an die Weltöffentlichkeit.

Seit Wochen hatten Vertreter aller Kirchen die internationale Gemeinschaft aufgerufen (Vgl. ZENIT vom 23. April), einzuschreiten und zu helfen, die Gewalt, die völkermordähnliche Ausmaße annehmen könne, zu beenden.

Papst Benedikt XVI. hatte Ende April nach dem Mariengebet des Regina Caeli auf die dramatische Situation in vielen afrikanischen Staaten hingewiesen. Aus Sorge um die Menschen in Simbabwe riefen der Erzbischof von Johannesburg, Buti Tlhagale, und die übrigen Hirten in Südafrika Mitte Mai gemeinsam dazu auf, den internationalen und regionalen Druck zu verstärken, um ein Ende der systematischen Einschüchterung, Gewalt und Tortur in Simbabwe zu erreichen.

Wir veröffentlichen das gestern auf Englisch veröffentlichte Mahnschreiben der Hirten in Simbabwe.

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Erklärung der katholischen Bischofskonferenz von Simbabwe zur gegenwärtigen Krise unseres Landes; Donnerstag, 12. Juni 2008

In unserem Hirtenbrief zum Thema "Simbabwe Wahlen 2008", der im Dezember 2007 veröffentlicht wurde, haben wir einige Leitlinien für einen glaubwürdigen Wahlprozess aufgestellt. Wir wiesen darauf hin, dass die Atmosphäre vor, während und nach den Wahlen viel zur Beurteilung beizutragen hat, ob eine bestimmte Wahl frei und fair abläuft. Unsere Erfahrung vor den Wahlen am 29. März 2008 und am Wahltag selbst war ermutigend. Es war die Zeit nach den Wahlen, die den gesamten Prozess diskreditiert hat. Was wir jetzt erleben, ist, dass die Glaubwürdigkeit der Präsidentschaftsstichwahlen am 27. Juni 2008 in Frage gestellt wird.

Die Gewaltherrschaft, die sich im Land ausbreitet, vor allem in den ländlichen Gebieten und auf ehemaligen landwirtschaftlich genutzten Flächen, ist inakzeptabel. Basis-Camps, von wo aus Milizen die wehrlose Landbevölkerung terrorisieren, müssen dringend aufgelöst werden. Menschen werden durch Zwangssitzungen zur politischen Neuorientierung zusammengetrieben, und es wird ihnen gesagt, dass sie bei den Präsidentschaftswahlen am 29. März 2008 "falsch" gestimmt hätten und dass ihnen am 27. Juni 2008 die letzte Gelegenheit gegeben werde, um "ihren Fehler zu korrigieren". Anderenfalls werde der Schussgefechtskrieg der 1970er-Jahre wieder aufflammen. In diesem Kontext werden von den Mitgliedern beider im Wahlkampf stehenden Parteien, der ZANU PF und der MDC, verabscheuungswürdige Gräueltaten begangen. Die Worte der Genesis 4,10 kommen uns in den Sinn: „Deines Bruders Blut schreit zu mir von der Erde." Das Blut Unschuldiger wird vergossen.

Die Täter sind bekannt. Wir appellieren an die politischen Parteien, Zurückhaltung zu üben. Es ist traurig, Christen, auch Katholiken, unter den Tätern solcher Gewalt zu sehen. Wo sind unsere christlichen Prinzipien und Werte? Die vorherrschende Feindseligkeit wird nach den Wahlen Versöhnung, Einheit und Heilung erschweren.

Wir fordern eine günstige Atmosphäre, die es den Menschen ermöglicht, nach ihrem Gewissen zu wählen. Hass, Einschüchterung und Gewalt dürfen in unserer Gesellschaft nicht das letzte Wort haben. Da die Stichwahlen am 27. Juni 2008 näher rücken, bestehen wir auf die Grundsätze für glaubwürdige Wahlen. Menschen, denen möglicherweise durch Verlust oder Entzug ihres Personalausweises das Wahlrecht entzogen wurde, müssen berechtigt werden, ihr Stimmrecht auszuüben.

Wir fordern alle staatlichen Sicherheitsorgane auf, das Leben und die Menschenrechte eines jeden Individuums zu schätzen und zu schützen. Wir rufen zur Entpolitisierung der uniformierten und bewaffneten Kräfte und der traditionellen Führer auf.

Wir fordern eine sofortige Einstellung der Gewalt und aller provokativen Erklärungen und Handlungen. Wir appellieren an den sofortigen Einsatz der SADC, AU und unabhängiger Beobachter im ganzen Land, vor allem in den ländlichen Gebieten.

Wir fordern eine ausgewogene Berichterstattung über die beiden konkurrierenden Parteien und Kandidaten in den staatlichen Medien, die mit öffentlichen Mitteln finanziert werden.

Wir fordern die ZEC zur Erfüllung ihres konstitutionellen Mandats als wirklich unabhängige und unparteiische Behörde für die Stichwahl auf. Schließlich bekräftigen wir den Aufruf zum Gebet für alle unsere Nöte, die eine glaubwürdige Wahl, Lebensmittel und Vorsorge für unsere Familien, Bildungsmöglichkeiten für unsere Kinder, Medikamente für die Kranken und Respekt für jedes menschliche Leben und die Menschenwürde einschließen. „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" (Mt 22,39).

Der Wahlprozess und seine Ergebnisse sind keine Entschuldigung für den Verstoß gegen Gottes Gebote. Die Sonne wird auch nach den Wahlen am 28. Juni 2008 noch aufgehen. Möge unser jetziges Handeln Simbabwe dazu verhelfen, zu dem ihm gebührenden Platz unter den Nationen der Welt aufzusteigen. „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen“ (2 Kor 13,13).

+ Robert C. Ndlovu, Erzbischof von Harare (ZCBC Präsident)

+ Angel Floro, Bischof von Gokwe (ZCBC Vize Präsident)

+ Alexio Churu Muchabaiwa, Bischof von Mutare (ZCBC Sekretär/Geschäfsführer)

+ Michael D. Bhasera, Bischof von Masvingo

+ Martin Munyanyi, Bischof von Gweru

+ Dieter B. Scholz SJ, Bischof von Chinhoyi

+ Albert Serrano, Bischof von Hwange

+ Patrick M. Mutume, Hilfsbischof von Mutare

Very Rev. Msgr Martin Schupp, Päpstlicher Administrator der Erzdiözese Bulawayo

[ZENIT-Übersetzung des englischen von der Bischofskonferenz veröffentlichten Originals]