Katholische Christen müssen sich hedonistischer Mentalität und Kultur des Todes widersetzen

Redebeitrag von Marko Semren OFM, Titularbischof von Abaradira, Bosnien und Herzegowina.

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VATIKANSTADT, 16. Oktober 2012 (ZENIT.org). - Im Folgen veröffentlichen wir den zusammengefassten Redebeitrag bei der Generalkongregation am 15. Oktober 2012 von Marko Semren OFM, Titularbischof von Abaradira, Weihbischof in Banja Luka Bosnien und Herzegowina in einer Arbeitsübersetzung des Heiligen Stuhls.

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Aus der Erfahrung, die Bosnien-Herzegowina gemacht hat, zielt die neue Evangelisierung auf die Selbstevangelisierung der Kirche und die Evangelisierung der Welt ab, in der wir leben. Da Bosnien-Herzegowina ein Missionsland ist und die Katholiken in der Minderheit sind, ist es notwendig, den missionarischen Elan der Verkünder des Evangeliums zu erneuern, um offen zu sein für das Gnadenwerk des Heiligen Geistes. Es ist also notwendig, dass wir mit unserem Leben Zeugnis ablegen für die Frohbotschaft, damit der Heilige Geist die Herzen der Zuhörer öffnet, auf dass sie das Evangelium annehmen und leben. Der Zweck der Evangelisierung ist die „metanoia“ und die grundlegende Entscheidung für das Wort Gottes.

Wie viele Länder, die im Umbruch sind, hat auch Bosnien-Herzegowina seit dem Zusammenbruch des Kommunismus bis zur Entstehung der neuen Staaten die Erfahrung des Krieges und der schwierigen Nachkriegszeit gemacht. Die Schwierigkeiten, mit denen die Bevölkerung zu kämpfen hatte, treten hier deutlich zutage, und das gilt vor allem für die katholischen Kroaten, deren Zahl drastisch dezimiert wurde. Die Zahl der Flüchtlinge in Bosnien-Herzegowina belief sich auf mehr als 1.200.000. Von den 830.000 Katholiken sahen sich 465.000 im Zuge der „ethnischen und religiösen Säuberungen” gezwungen, ihre Häuser und Heimatorte zu verlassen. Heute, sechzehn Jahre nach dem Krieg, beläuft sich die Zahl der Katholiken in ganz Bosnien-Herzegowina auf 463.000, was bedeutet, dass die 367.000 im Exil lebenden Katholiken nicht nach Bosnien-Herzegowina zurückgekehrt sind. Es ist zu Krisen der Moral und der Ethik gekommen; nicht nur die Infrastruktur, sondern auch Häuser und Kirchen wurden zerstört; wir können das Phänomen des Säkularismus beobachten; es gibt sehr viel Arbeitslosigkeit, Armut, Ungleichheit vor dem Gesetz, Unruhen, ja der Staat selbst funktioniert schlecht. Es werden Bemühungen unternommen, das Vertrauen unter den Bevölkerungsteilen und den verschiedenen Religionen wieder aufzubauen und den Dialog mit dem Ökumenismus neu zu beginnen, aber man kommt nur schleppend voran, es ist ein langwieriger Prozess. Besonders dringlich ist auch eine verstärkte Evangelisierung der Familie, in die eine hedonistische Mentalität eindringen konnte, die Kultur des Todes: Drogensucht und die Abhängigkeit von anderen Suchtstoffen.

Ausgangspunkt der neuen Evangelisierung muss die Rückkehr zu den Quellen sein. Wir müssen das Erbe der Völker und des Landes neu entdecken, und uns besonders dafür einsetzen, die ethischen und moralischen Werte wieder fest in der Gesellschaft zu verankern - jene Werte, die von den totalitären Systemen der Vergangenheit und der neuen Kriegsgewalt in Mitleidenschaft gezogen wurden.