Katholische Diözesen leiten Gerichtsverfahren gegen die Obama-Administration ein

Kraftprobe mit der Bundesregierung der USA in Fragen der Religionsfreiheit

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WASHINGTON, 22. Mai 2012 (ZENIT.org). - Im Rahmen des anhaltenden Streits mit der Bundesregierung um der Entscheidung des HHS (das amerikanische Ministerium für Gesundheitspflege und Soziale Dienste), katholische Organisationen zur Bezahlung von Verhütungsmitteln und schwangerschaftsunterbrechenden Arzneimitteln zu verpflichten, wurden 12 Klagen in verschiedenen Gerichten der Vereinigten Staaten von insgesamt 43 Diözesen, Krankenhäusern, Schulen und kirchlichen Organen eingereicht.

In einer Stellungnahme vom 21. Mai 2012 äußerte sich Kardinal Timothy Dolan von New York, Präsident der US-amerikanischen Bischofskonferenz (USCCB), dazu folgendermaßen: „Die Zeit wird knapp und unsere kostbaren Ämter und Grundrechte hängen am seidenen Faden. Wir müssen uns jetzt daher an den Gerichtshof wenden“.

Aufgrund der vom HHS getroffenen Bestimmungen werden katholische Organisationen und Arbeitgeber dazu verpflichtet, für kostenlose abtreibungsinduzierende Arzneimittel, Sterilisierung und Verhütungsmittel für ihre Arbeitnehmer aufzukommen.

Der Kardinal betonte, dass Verhandlungen mit der Administration und das Beschreiten des Rechtsweges über den Kongress versucht worden seien und man nicht aufgeben werde. Dennoch zeichne sich noch keine Lösung ab.

Kardinal Dolan bezeichnete das koordinierte gerichtliche Vorgehen als einen „starkes Signal für die Einheit der Kirche zur Verteidigung der religiösen Freiheit“.

Er fügte folgendes hinzu: „Es zeigt ebenso auf beeindruckende Weise die große Vielfalt der kirchlichen Ämter, deren gemeinsames Ziel ein Beitrag zum Guten ist, und für die das Mandat eine Gefahr darstellt; Ämter, die sich dem Dienst an den Armen, den Kranken, an Menschen mit niedrigem Bildungsniveau, Menschen jedes Glaubens oder ohne Glauben widmen.

Laut Gregory Erlandson, dem Chefredakteur der US-amerikanischen Sonntagszeitung „Our Sunday Visitor" beinhalte die vorgebrachte Klage folgende zwei Fragestellungen: Kann die Regierung eine Bestimmung der Religiosität einer Organisation anhand derartiger Kriterien vornehmen? Und  können religiöse Institutionen und Einzelpersonen von der Regierung zur Bereitstellung und Unterstützung von Dienstleistungen gezwungen werden, die gegen ihre religiösen Überzeugungen verstoßen?

Den Worten des Kardinals Donald Wuerl, dem Erzbischof von Washington, zufolge, seien gemäß der neuen Definition religiöser Institutionen der Regierung manche der den Glauben praktizierenden Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser und Wohlfahrtseinrichtungen, erstmals in der Geschichte Amerikas nun nicht mehr „religiös genug“.

Der Becket Fonds für die Religiöse Freiheit ist in einige der Klagen involviert. Er vertritt das Belmont Abbey College, eine von den Benediktinermönchen gegründete, katholische geisteswissenschaftliche Hochschule, sowie für die Colorado Christian University, eine evangelische Hochschule außerhalb von Denver, Colorado.

Im Februar hatte der Becket Fonds Klage zugunsten des weltweit größten religiösen Fernsehsenders Eternal Word Television Network (EWTN) und die katholische Privatuniversität Ave Maria University in Naples, Florida, eingereicht.

[Übersetzung des englischen Originals von Sarah Fleissner]