Katholische Erwartungen an die Priesterbruderschaft St. Pius X.

Bischöfe sind zwar nicht mehr exkommuniziert, aber sie wurden auch nicht rehabilitiert

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FREIBURG/MANNHEIM/WIEN, 30. Januar 2009 (ZENIT.org).- „Weder für Antisemitismus noch für die Leugnung des Holocaust gibt es Platz in der katholischen Kirche!“ Diese klaren Worte fand gestern, Donnerstag, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch vor seinem Besuch der jüdischen Synagoge und des Gemeindezentrums in Mannheim. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz distanzierte sich somit noch deutlicher als bisher von den Äußerungen des Bischofs Richard Williamson von der Priesterbruderschaft St. Pius X., die noch nicht wieder in die Gemeinschaft mit der katholischen Kirche zurückgekehrt ist. Neben zahlreichen katholischen Würdenträgern wie etwa Bischof Kurt Koch im Namen der Schweizer Bischofskonferenz (vgl. Leugnung des Holocaust kann nicht hingenommen werden) hatten auch Angehörige der Bruderschaft die Aussagen des Briten scharf zurückgewiesen.



Papst Benedikt XVI. hatte am Mittwoch bei der Generalaudienz des nationalsozialistischen Völkermords an Millionen von Juden gedacht und die Pius-Bruderschaft aufgefordert, die Autorität des Papstes, die Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils und vor allem auch das Konzilsdokument „Nostra aetate“ über die Beziehungen der Kirche zu den anderen Religionen anzuerkennen (vgl. Video Nachlass der Exkommunikation ist ein Akt der Barmherzigkeit auf dem neuen Youtube-Kanal des Vatikans).

Der Wiener Erzbischof und Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Christoph Kardinal Schönborn, wies gestern Abend in der TV-Nachrichtensendung ZIB 2 (ORF 2) nachdrücklich darauf hin, dass die Exkommunikation der vier Bischöfe der Pius-Bruderschaft zwar nachgelassen sei, dass das aber nicht ihre Rehabilitierung bedeute.

„Die Absicht des Papstes ist klar. Er will eine Versöhnung mit dieser Gruppe, die sich vor 20 Jahren von der katholischen Kirche abgetrennt hat und die seither in einem Schisma, in einer Trennung lebt. Das, was er gemacht hat, war einfach eine ausgestreckte Hand. Ob jetzt diese Hand ergriffen wird oder nicht, dass wird sich zeigen.“

Die vier Bischöfe „wurden nicht rehabilitiert“, stellte Kardinal Schönborn klar, was von der Informationspolitik des Vatikans bisher zu wenig klar erklärt worden sei. „Es wurde einseitig – sozusagen als Geste des Entgegenkommens – die Exkommunikation aufgehoben, aber die Bischöfe sind noch nicht in Amt und Würden. Sie müssen jetzt erst zeigen, ob sie bereit sind, die ausgestreckte Hand des Papstes auch zu ergreifen.“

Solange die Bischöfe der Pius-Bruderschaft die Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht vollständig anerkennen würden, werde es auch keine Versöhnung geben. Ihre bisherigen Reaktionen seien jedenfalls unzureichend gewesen.

In Mannheim unterstrich Erzbischof Zollitsch ebenfalls, dass die Pius-Bruderschaft die Lehre der Kirche öffentlich anerkennen müsse, zu der auch das Zweite Vatikanische Konzil gehöre. „Es kann nicht sein, dass die Pius-Bruderschaft sich nur aussucht, was sie als zur Lehre der Kirche gehörig definiert“, unterstrich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

Sowohl der Erzbischof von Freiburg als auch der Erzbischof von Wien bekräftigten, dass es im Dialog mit dem Judentum keine Eiszeit gebe und auch nicht geben dürfe. „Ich bemühe mich, dass es schon bald zu einem Gespräch mit Vertretern des Zentralrats der Juden in Deutschland kommt“, versicherte Zollitsch.

Beim Besuch der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem am 8. November 2007 hatte  Kardinal Christoph Schönborn das unermessliche Leid des jüdischen Volkes in Erinnerung gerufen. Am Ende seiner Ansprache sagte er: „Wenn wir nun das ‚Denkmal für die Kinder‘ besucht haben - gewidmet jenen eineinhalb Millionen ermordeten jüdischen Kindern -, dann erleben wir auf eine kaum beschreibbare Weise Trauer und Entsetzen, aber auch - so widersprüchlich das scheinen mag - Freude und Dankbarkeit. Es ist ein Sternenhimmel der Unendlichkeit - unter verbrecherischer Hand erloschen und doch nicht für immer der Dunkelheit und der Macht des Bösen preisgegeben. Wir sind aus dem Dunkel des Denkmals wieder ans helle Tageslicht gekommen. Am Ende dieses Denkmals steht der Blick auf Jerusalem.

Wir glauben als Christen mit unseren älteren Brüdern und Schwestern an die Auferstehung. Wir glauben, dass kein Verbrechen das letzte Wort haben wird - und auch nicht der Tod. Denn die verbrecherische Vision, das Volk des Ersten Bundes auszulöschen, ist nicht aufgegangen: ‚Am Israel ha‘, das Volk Israel lebt.“

Von Dominik Hartig