Katholische Familie leben bedeutet, dem Zeitgeist zu widerstehen

P. Heinrich Walter (Schönstatt-Bewegung) bei der Bischofssynode im Vatikan

| 1315 klicks

VATIKANSTADT, 15. Oktober 2012 (ZENIT.org). – In der neunten Generalkongregation der Bischofssynode für die Neuevangelisierung hat P. Heinrich Walter, seit 2003 Generaloberer der Schönstatt-Bewegung, einen Vortrag über die Familie als Ort der Neuevangelisierung gehalten.

[Wir dokumentieren die Ansprache im Wortlaut:]

***

Familie als Ort und Träger der Neuevangelisierung

Die Apostelgeschichte berichtet uns, wie der Glaube am Anfang in den Häusern gelebt wurde. Man traf sich zum Beten und zum Brechen des Brotes. Immer wieder heißt es, dass ein ganzes Haus den Glauben annahm. Die Geschichte des Glaubens beginnt im privaten Raum und setzte sich gegen das öffentliche Bewusstsein durch.

Wir sprechen von einer neuen Evangelisierung und schauen auf den Anfang. Es gibt viele ermutigende Erfahrungen, dass diese Erneuerung mit den Familien zu tun hat. Wenn wir langfristig denken, dass hat die Kirche in der westlichen Welt keine Zukunft ohne eine Erneuerung der Familie. Wer Kinder hat, der hat Ho9ffnung und Zukunft. Kinderreiche Welter gelten statistisch als die glücklichsten Menschen in der Gesellschaft. Die Völker Europas werden kleiner. Sie tragen in sich einen Virus der Zukunftsangst. Viele wollen deshalb keine Kinder haben. Ehe und Familie sind dem gender mainstreaming ausgesetzt. Sie müssen sich überall verteidigen und rechtfertigen. Die Familie als Keimzelle der Gesellschaft hat im Westen ihre Selbstverständlichkeit verloren.

Es wird immer deutlicher, dass man heute die Familie als eine Berufung erkennen muss. Eine christliche Familie zu gründen, das bedeutet, sich abzusetzen von der Gesellschaft und den Weg der Nachfolge Jesu zu gehen. In dem Gewicht der Entscheidung ist kaum ein Unterschied zu sehen zwischen der zölibatären Lebensform und den Familien. In der Vorbereitung sind sie allerdings im Vergleich zum geweihten Leben alleine gelassen. Deshalb ist eine intensive Begleitung nötig für alle, die eine solche Familie gründen wollen. Sie müssen nicht nur gut darauf vorbereiten, sondern danach begleitet werden. Das Sakrament der Ehe ist heilig und sehr kostbar. Das Scheitern der Ehe hat oft tragische Konsequenzen für praktizierende Christen. Wir müssen uns deutlicher fragen, unter welchen Bedingungen das Sakrament der Ehe zustande kommt. Hier ist eine gute Unterscheidung für die Zukunft der Familien nötig.

Die Familie bleibt das Fundament für die Einübung des Glaubens. Viele Familien gehen bewusst diesen Weg und verstehen ihr Haus als Haus Gottes. Vor allem gehen die Kinder zusammen mit den Eltern einen langen Weg der Einübung des Lebens und des Glaubens. Familien suchen Geleichgesinnte und bilden Gruppen, um sich gegenseitig zu begleiten und zu stärken. Wir müssen Wege finden, wie Ehepaare als Multiplikatoren für diese Arbeit ausgebildet werden. Wenn eine Gemeinde vieler solcher christlichen Häuser hat, wird sie mehr Vitalität haben.

Familien sind nicht nur ein bevorzugter Ort der Evangelisierung, sie sind als Laien auch Träger der Evangelisierung. In Südamerika ist mir das Projekt der „Familienmisiones“ begegnet. Einige Familie tun sich zusammen und gehen in den Ferien eine Woche in eine Gemeinde. Sie leben dort in einfachsten Verhältnissen und gehen als Familie von Haus zu Haus um Zeugnis über den Glauben abzulegen. So werden Dörfer und Statteile evangelisiert. Es ist für mich als Kleriker beschämend und bewegend, diese Familien zu erleben, die ihre Berufung in der Öffentlichkeit so bezeugen. Die Eltern sagen, dass diese Woche die schönste Woche des Jahres ist, denn sie erleben sonst nie so tief den Sinn ihrer Familie. Wer Zeugnis gibt, vertieft seinen eigenen Glauben.