Katholische Hochschulgemeinde in München feiert 80-jähriges Bestehen

Kardinal Wetter: Wissenschaft braucht Ethos und Bindung an das Gute

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MÜNCHEN, 10. Dezember 2007 (ZENIT.org).- „Was hat die Universität mit der Hochschulgemeinde zu tun?“, fragte Kardinal Friedrich Wetter am Samstag beim Festgottesdienst zum 80-jährigen Bestehen der Katholischen Hochschulgemeinde an der Ludwig-Maximilians-Universität München.



Angesichts des „atemberaubenden Fortschritts der Naturwissenschaften“, der ein volles Ja verdiene und alle menschlichen Kräfte in Anspruch nehmen dürfe, sei es unverzichtbar, „dass der Fortschritt ein menschliches Gesicht bekommt; dass er ein Ethos hat und die Bindung an das Gute“.

Mit Blick auf die großen Gestalten des Advents, die Gottesmutter Maria und Johannes den Täufer, der besonders in der Ikonographie des Isenheimer Altares sichtlich entschieden mit großem Zeigefinger auf Christus verweist, bestimmte der Kardinal das Wesen der Hochschulpastoral: „Es geht um Christus. Er ist die Mitte… Ihn suchen die Studenten an der Universität im Grunde ihres Herzens. Er ist die Mitte.“

Die Katholische Hochschulseelsorge war am 15. Dezember 1927 vom damaligen Erzbischof von München und Freising, Kardinal Michael Faulhaber, gegründet worden, und ihre Leitung wurde damals dem Jesuitenorden anvertraut. Im Jahr 1948 kam es zur endgültigen Namensgebung: Katholische Hochschulgemeinde.

Den festlichen Gottesdienst in der Universitätskirche St. Ludwig feierte Kardinal Wetter zusammen mit dem Provinzial der Jesuitenprovinz, Stefan Dartmann; dem Leiter des für die Hochschulseelsorge verantwortlichen Katholischen Schulkommissariates in Bayern, Domkapitular Erich Pfanzelt; dem Pfarrer der Universitätskirche, Dr. Ulrich Babinsky, und dem derzeitigen Hochschulseelsorger P. Dominik Terstriep SJ. Der Münchener Oberhirte verwies auf das Vorbild der studentischen Gruppe „Weiße Rose“, die sich inmitten der Nazidiktatur erhoben hatte, was sie „mit Klarsicht, Mut und einer in Freiheit vollzogenen Entscheidung mit dem Leben bezahlt hat“.

Die Universität reagierte nach Worten des Kardinals „mit einer Versammlung im Audimax, in der sie diese jungen Menschen als Verräter postulierte. Wie ist das möglich, dass eine geistige Elite sich so verirrt?“, fragte Kardinal Wetter weiter.

„Das Licht der Vernunft war schwach geworden. So konnten sie sich nicht mehr für die Freiheit entscheiden.“ Das drastische Beispiel mache deutlich, wie die Vernunft Hilfe nötig habe. Eine Tatsache, die Papst Benedikt XVI. ausführlich in seiner jüngsten Enzyklika Spe salvi darlege.

Sobald sich die Vernunft von Glaube und Ethos löst, komme es zu einer Form von Fortschritt, der die Grenzen von Gut und Böse verkennt und in seinem Machbarkeitswahn die Wahrheit verleugnet.

Bei der Hochschulpastoral gehe es somit um ein „Licht, das in ihr ganzes Leben geworfen wird“. Denn gerade während des Studiums würden „Weichen für das ganze Leben gestellt“.
Abschließend erinnerte der Kardinal daran, dass die Jesuiten seit nunmehr 80 Jahren in der Hochschulgemeinde arbeiten und dass sie damit „den Studenten einen unbezahlbaren Dienst“ erweisen.

Beim folgenden Festakt in der Ludwig-Maximilians-Universität hielt der Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse, die Festrede. Grußworte zum Jubiläum sprachen der Rektor der Universität, Professor Bernd Huber, und der bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Thomas Goppel.