Katholische Theologie ist notwendigerweise ökumenisch

Tagung zur Vorbereitung der Weltbischofssynode 2008 mit Kardinal Martínez Sistach

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BARCELONA, 19. Dezember 2007 (ZENIT.org).-  Katholische Theologie ist notwendigerweise ökumenisch. Das betonte der Erzbischof von Barcelona am Samstag auf einer Vorbreitungstagung für die im Herbst 2008 angesetzte Weltbischofssynode über „Das Wort Gottes im Leben der Kirche“. Der dreitägige Kongress wurde von der Theologischen Fakultät der Universität Kataloniens ausgerichtet.



Wenn in der dogmatischen Konstitution „Dei Verbum“ Gott als jemand dargestellt werde, der selbst mit den Menschen kommunizieren will, „sich selbst offenbart und sein Zelt unter den Menschen aufschlägt und mit ihnen als Freund lebt“, dann ist nach Worten von Kardinal Luis Martínez Sistach darin die Frucht der Rückbesinnung auf die Quellen und eine neue Proklamation der Heiligen Schrift als „Mittelpunkt des Lebens der Kirche“ zu erkennen.

„Das ist die Grundlage für jeden christlichen Diskurs über Gott und sein Geheimnis“, betonte er in seinen Überlegungen über die Bedeutung des Zweiten Vatikanischen Konzils. „Die Bibel ist ein Werk, das von vier Händen geschrieben worden ist: von Gott und den Menschen, die zusammengearbeitet haben.“

In der Bibel, so der Kardinal, „werden Sie keine archaischen Worte finden, die sich in der literarischen Archäologie der antiken Zeiten verbergen, sondern ein Wort, das immer lebendig und wirksam ist, das gleich einem zweischneidigen Schwert in das menschliche Herz eindringt, es durchdringt und erneuert, und das dazu einlädt hinzuhören und den Glaubensgehorsam zu leben“.

Heute Theologie zu betreiben bedeute, „die Herausforderung der Einheit der christlichen Kirchen und Konfessionen ernst zu nehmen“, fuhr der 70 Jahre alte Kardinal fort. Katholische Theologie ist in seinen Augen „unbedingt ökumenisch“. Dieser „Traum“ eines Christentums, das sich als volle Einheit gestaltet, werde von vielen geteilt.

„Die Existenz des Wortes im täglichen Leben der Kirche und eines jeden Christen verweist auf eine unauslotbare Tatsache: Gott hat gesprochen; er hat mit der Stille gebrochen, die viele als typisch für ihn erachten. Und er hat sich persönlich in einer Menschlichkeit kundgetan, die immer das Gefühl der Sehnsucht nach dem Paradies sowie für den engen und freundschaftlichen Dialog mit Gott in sich trägt“.
 
Das Wunder der Menschwerdung des Wortes, das zu Weihnachten gefeiert wird, berühre die Menschen immer wieder neu; Menschen, „die jetzt Zeugen für die Höhe und Tiefe der Liebe Gottes sind. Seit Jesus Christus ist nichts mehr wie vorher: Das Wort hat mit dem Alleinsein der Menschen gebrochen, sie zu Nachbarn des jeweils anderen gemacht, ihnen das Gefühl für Geschwisterlichkeit geschenkt, als Folge ihrer Gotteskindschaft.“

[Von Nieves San Martín; Übersetzung aus dem Spanischen von Angela Reddemann]