„Kehrt um!“ Johannes der Täufer lädt die Christen zur Umkehr ein

Angelus-Ansprache Benedikts XVI. am zweiten Adventsonntag

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ROM, 10. Dezember 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am zweiten Adventsonntag zum Angelus gehalten hat.



Der Heilige Vater erinnerte die Gläubigen an die Aktualität der Botschaft des Johannes des Täufers, der mit BLick auf das Kommen Christi zu Buße und Bekehrung aufgerufen hatte.

„Er warnte vor allem vor der Heuchelei dessen, der sich allein aufgrund der Tatsache in Sicherheit wiegt, dass er zum auserwählten Volk gehört. Vor Gott – so sagte er – hat keiner Ansprüche geltend zu machen; vielmehr muss jeder Früchte hervorbringen, die von seiner Umkehr zeugen.“

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Liebe Brüder und Schwestern!

Am gestrigen Hochfest der Unbefleckten Empfängnis hat uns die Liturgie dazu eingeladen, den Blick auf Maria zu richten, die Mutter Jesu und unsere Mutter; Stern der Hoffnung für alle Menschen. Heute, am zweiten Adventssonntag, stellt sie uns die strenge Gestalt des Wegbereiters vor, die der Evangelist Matthäus so einführt: „In jenen Tagen trat Johannes der Täufer auf und verkündete in der Wüste von Judäa: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe“ (Mt 3,1-2). Seine Sendung bestand darin, dem Messias den Weg zu bereiten und zu ebnen, indem er das Volk Israel dazu aufrief, seine Sünden zu bereuen und alle bösen Taten zu berichtigen. Mit anspruchsvollen Worten kündigte Johannes der Täufer das bevorstehende Gericht an: „Jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen“ (Mt 3,10). Er warnte vor allem vor der Heuchelei dessen, der sich allein aufgrund der Tatsache in Sicherheit wiegt, dass er zum auserwählten Volk gehört. Vor Gott – so sagte er – hat keiner Ansprüche geltend zu machen; vielmehr muss jeder Früchte hervorbringen, die von seiner Umkehr zeugen (Mt 3,8).

Während der Gang des Advents fortschreitet; während wir uns auf die Feier der Geburt Christi vorbereiten, erklingt in unseren Gemeinden dieser Aufruf des Johannes des Täufers zur Umkehr. Es ist dies die dringliche Aufforderung, das Herz zu öffnen und den Sohn Gottes aufzunehmen, der in unsere Mitte kommt, um das göttliche Antlitz zu offenbaren. Der Vater – so schreibt der Evangelist Johannes – richtet niemanden, sondern er hat die Macht des Gerichts dem Sohn übertragen, weil dieser der Menschensohn ist (vgl. Joh 5,22.27). Und es ist heute, in der Gegenwart, in der über unser zukünftiges Schicksal entschieden wird; mit dem konkreten Verhalten, das wir in diesem Leben einnehmen, entscheiden wir über unser ewiges Los.

Wenn unsere Tage auf Erden zu Ende gehen, im Augenblick des Todes, werden wir nach unserer Ähnlichkeit oder Unähnlichkeit mit dem Kind bemessen werden, das in der armen Grotte von Bethlehem geboren werden wird, da es der Maßstab ist, den Gott der Menschheit gegeben hat. Der himmlische Vater, der uns in der Geburt seines eingeborenen Sohnes seine barmherzige Liebe sichtbar gemacht hat, ruft uns auf, seinen Spuren zu folgen und wie er aus unserem Dasein ein Geschenk der Liebe zu machen. Und die Früchte der Liebe sind jene „würdigen Früchte der Umkehr“, die Johannes der Täufer nennt, als er sich mit geißelnden Worten an die Pharisäer und Sadduzäer wendet, die zusammen mit der Menschenmenge zu seiner Taufe gekommen sind.

Durch das Evangelium spricht Johannes der Täufer durch die Jahrhunderte hindurch zu jeder Generation. Seine klaren und harten Worte sind mehr denn je zuträglich für uns, Männer und Frauen unserer Zeit, in der auch die Art, das Weihnachtsfest zu leben und zu erfahren, bedauerlicherweise sehr oft durch eine materialistische Mentalität beeinträchtigt ist.

Die „Stimme“ des großen Propheten fordert uns auf, dem Herrn, der kommt, den Weg zu bereiten: in den Wüsten von heute, den äußeren und inneren Wüsten, die nach dem lebendigen Wasser dürsten, das Christus ist. Die Jungfrau Maria führe uns zu einer wahren Umkehr der Herzens, auf dass wir die notwendigen Entscheidungen treffen können, um unsere Geisteshaltung mit dem Evangelium in Einklang zu bringen.

[Nach dem Angelus erklärte der Heilige Vater:]

Am Nachmittag des kommenden Donnerstags, 13. Dezember, werde ich den Studenten der römischen Athenäen am Ende der Heiligen Messe begegnen, der Kardinal Camillo Ruini vorstehen wird. Ich erwarte euch zahlreich, liebe jungen Freunde. Wir wollen uns auf das Weihnachtsfest vorbereiten, indem wir um das Geschenk des Geistes der Weisheit für die ganze Universitätsgemeinschaft bitten.

[Auf Deutsch sagte Benedikt XVI.:]

Frohen Herzens begrüße ich an diesem zweiten Adventssonntag alle deutschsprachigen Pilger und Besucher. „Bereitet dem Herrn den Weg!“, ruft uns Johannes der Täufer heute zu; denn Christus will zu Weihnachten auch in unseren Herzen Wohnung nehmen.

Die Liturgie des Advents lädt uns immer wieder zur Umkehr ein. Besinnung, persönliches und gemeinschaftliches Gebet sowie der Empfang des Bußsakraments sollen deshalb in diesen Wochen der Vorbereitung auf Weihnachten einen festen Platz haben. Der Herr, der kommen wird, segne euch und eure Familien.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Orginals; © Copyright 2007 – Libreria Editrice Vaticana]