Kein Ausschluss der Religion aus dem öffentlichen Leben: Patriarch Alexeij II. vor dem Europarat

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PARIS, 3. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Während seines Besuchs in Frankreich begab sich der orthodoxe Patriarch von Moskau und ganz Russland, Alexeij II., nach Straßburg, um vor den Mitgliedern des Europarats auf den positiven Beitrag der Religion für das öffentliche Leben hinzuweisen. Gleichzeitig würdigte er die Bemühungen der Versammlung zur Annäherung der religiösen Gemeinschaften.



„Der Europarat hat in der letzten Zeit einige neue, einmalige Schritte unternommen, um Brücken zwischen den religiösen Gemeinschaften zu schlagen. Für uns ist dies die lang ersehnte Antwort auf viele Aufrufe religiöser Führer“, sagte Patriarch Alexeij II. vor der Parlamentarischen Versammlung des Europarates.

Bei einer Begegnung mit Präsident René van der Linden dankte er diesem für seine Bemühungen, die Parlamentarische Versammlung zu einem wichtigen Forum zu machen, bei dem nicht nur führende weltliche Vertreter zu den Abgeordneten sprechen können, sondern auch religiöse Führer. „Dadurch haben Sie ein neues und wichtiges Kapitel in der Geschichte dieser Organisation aufgeschlagen.“

Um Konflikte zwischen unterschiedlichen Weltanschauungen zu verhindern, ist nach den Worten von Patriarch Alexeij II. „ein ernsthafter Dialog der Kulturen notwendig, an dem sich sowohl Vertreter der traditionellen Religionen als auch der weltlichen Traditionen so aktiv wie möglich beteiligen sollten. Ich glaube, dass der Europarat, der als Ort für den Dialog über die europäischen Werte über Potential und Erfahrung verfügt, ein gutes Forum für einen solchen Dialog werden könnte.“

Van der Linden erklärte, dass die Versammlung „aus demokratisch gewählten Vertretern aus allen Völkern, Kulturen und Religionen unseres Kontinents besteht, die dieselben Werte teilen“, und fügte hinzu. „Dadurch sind wir von Natur aus ein Forum für den interkulturellen und interreligiösen Dialog, eine der wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit. Ich bin zuversichtlich, dass dieses neue Kapitel in der Geschichte dieses Hauses der Demokratie wichtige Erfolge hervorbringen wird.“ Er dankte dem Patriarchen dafür, dass er erstmals vor einer internationalen politischen Einrichtung gesprochen hat.

Die Verbannung der Religion aus dem öffentlichen Leben sei inakzeptabel, hatte Alexeij II. in seiner Ansprache hervorgehoben. „Es ist an der Zeit anzuerkennen, dass die religiöse Motivation überall Existenzrecht besitzt, die öffentliche Sphäre mit eingeschlossen.“

Der Patriarch betonte, dass sich der Begriff der Menschenrechte – „die erhabenste politische Idee Europas“ – dank der christlichen Lehre über die Würde, die Freiheit und den moralischen Charakter des Menschseins bilden konnte. „Und dennoch stehen wir vor einem Bruch zwischen Recht und Moral, und dieser Bruch stellt eine Bedrohung für die europäische Zivilisation dar.“

Am 1. Oktober begegnete der Patriarch dem Straßburger Erzbischof Jean-Pierre Grallet und Vertretern der protestantischen Gemeinschaften. Erzbischof Grallet begeleitete Alexeij II. anschließend in die Kathedrale, wo der russisch-orthodoxe Patriarch von mehr als 1.000 Menschen zu einem gemeinsamen Gebet und einem Konzert russischer religiöser Musik erwartet wurde.

In seiner Grußadresse erklärte der Ehrengast: „In der heutigen Welt hat jeder Gläubige eine sehr große Verantwortung und eine schwierige Mission: seinen Glauben zu bezeugen. Es ist gut, dass Katholiken und Orthodoxe ihre Kräfte vereinen und zusammenarbeiten können. Angesichts der Verweigerung und der Gleichgültigkeit können und müssen wir gemeinsam für die Bewahrung der christlichen Werte eintreten.“

Alexeij II. brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass sein Aufenthalt in Frankreich und seine Begegnung mit den Bischöfen und Gläubigen der katholischen Kirche des Landes Fürchte hervorbringen möge und zum Dialog zwischen den Orthodoxen und den Katholiken in Europa und weltweit beitragen werde.

Am Dienstag reiste der Patriarch nach Paris weiter, wo er von Erzbischof André Vingt-Trois und vom Vorsitzenden der französischen Bischofskonferenz, Kardinal Jean-Pierre Ricard, empfangen wurde.