Kein Gemeinwohl ohne Kultur des Lebens

Ansprache von Kardinal Martino während der 45. Sozialen Woche der italienischen Katholiken

| 1547 klicks

PISA, 22. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Zur Lösung der sozialen Frage ist es nach Worten von Kardinal Renato Martino unerlässlich, „die volle Wahrheit über den Menschen, über seinen Platz in Universum und Geschichte, über seine metaphysische Natur und seine anthropologische Identität wiederzuerlangen“.



Der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden wies am 19. Oktober im Rahmen der 45. Sozialen Woche der italienischen Katholiken in Pisa darauf hin, dass die „Achtung des personalistischen Prinzips“ dem Gemeinwohl vorausgehe und dieses bedinge. Da das Gemeinwohl von der sozialen und der anthropologischen Frage gleichermaßen berührt wird, sei es offensichtlich, „dass die Themen Leben und Bioethik keine Randthemen sind, sondern von grundlegender sozialer Bedeutung“. Deshalb könne man nicht wirklich dem Gemeinwohl dienen, wenn man sich nicht um eine „Erweiterung der Kultur des Lebens“ bemühe. „Die Annahme des Lebens öffnet uns für das, was wir nicht beherrschen können, und begründet somit eher eine Kultur der Berufung und nicht so sehr eine Kultur der Macht.“

Der Kurienkardinal bekräftigte, dass Rückschritte in dem, was das Leben angeht, in keinem anderen Bereich des Gemeinwohls wieder wettgemacht werden könnten.

Mit Blick auf das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Mensch bekräftigte der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden: „Die Wirtschaft ist nicht alles in der Gesellschaft, denn sie ist nicht alles in der menschlichen Person.“ Mit einem Verweis auf die Enzyklika „Laborem Exercens“ von Papst Johannes Paul II. warnte Kardinal Martino vor der Versuchung, die Wirtschaft nicht mehr nur als ein Teil des Ganzen anzusehen, sondern als das Ganze selbst.

„Die Wirtschaft ist nur ein Aspekt der menschlichen Dimension und der sozialen Aktion“, fuhr Kardinal Martino fort. „Sie erklärt sich nicht aus sich selbst heraus, sondern sie ist für etwas bestimmt, was außerhalb von ihr liegt, nämlich das Gemeinwohl, das es jedem Bürger gestattet, seine eigene Vervollkommnung und sein letztes Ziel zu erreichen“.

Abschließend forderte der Kardinal seine Zuhörer auf, sich bei den europaweiten Sozialen Wochen zu engagieren.