Keine Gewalt im Namen Gottes! Benedikt XVI. begegnet Führern und Hirten der Weltreligionen

Der „Geist von Assisi“, Auftrag für heute

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NEAPEL, 22. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Während seines Pastoralbesuchs in Neapel traf Papst Benedikt XVI. mit den Leitern der Delegationen zusammen, die an der von der Gemeinschaft Sant’Egidio organisierten Internationalen Begegnung für den Frieden teilnahmen. Die Begegnung stand unter dem Motto „Für eine Welt ohne Gewalt – Religionen und Kulturen im Dialog“.



In seiner kurzen Ansprache vor den Delegierten betonte der Heilige Vater: „Das, was Sie repräsentieren, drückt in gewisser Weise die verschiedenen Welten und religiösen Traditionen der Menschheit aus, auf die die Kirche mit aufrichtigem Respekt und herzlicher Aufmerksamkeit blickt“.

Anschließend blicke er auf das erste Friedenstreffen zurück und sagte:„Das heutige Treffen versetzt uns im Geiste in das Jahr 1986, als mein verehrter Vorgänger Johannes Paul II. auf den Hügel des heiligen Franziskus hohe Religionsvertreter einlud, um für den Frieden zu beten.“ Damals habe Johannes Paul II. die inneren Bande hervorgehoben, die eine wahre religiöse Haltung mit der lebendigen Sensibilität für dieses grundlegende Gut der Menschheit vereine.

Auch nach den tragischen Ereignissen des 11. September 2001 habe Johannes Paul II. im Jahr 2002 die Hirten und Führer der Religionen erneut nach Assisi zusammengerufen, um Gott zu bitten, der schweren Bedrohung Einhalt zu gebieten, die über der Menschheit lagen, dies insbesondere durch den Terrorismus. „In Achtung der Unterschiede der verschiedenen Religionen sind wir alle dazu aufgerufen, für den Frieden zu arbeiten und uns wirkungsvoll für die Förderung der Versöhnung unter den Völkern einzusetzen“, so Benedikt XVI. Darin bestehe der „wahre Geist von Assisi“. Dieser Geist widersetze sich jeglicher Form von Gewalt und dem Missbrauch der Religion als Vorwand für Gewalt.

Angesichts einer von Konflikten zerrissenen Welt, in der die Gewalt manchmal im Namen Gottes gerechtfertigt wird, war es dem Heiligen Vater wichtig festzuhalten, dass die Religionen nie zum „Vermittler des Hasses“ werden dürfen. „Nie darf es unter Anrufung des Namens Gottes dazu kommen, das Übel der Gewalt zu rechtfertigen.“ Die Religionen können und müssen im Gegenteil „wertvolle Ressourcen zum Aufbau einer friedlichen Menschheit bieten, da sie zum Herzen des Menschen über den Frieden sprechen“.

Abschließend bekräftigte Benedikt XVI.: „Die katholische Kirche beabsichtigt, weiterhin auf dem Weg des Dialogs fortzufahren, um das Einvernehmen unter den verschiedenen Kulturen, Traditionen und religiösen Weisheiten zu fördern. Ich bringe den lebhaften Wunsch zum Ausdruck, dass dieser Geist immer mehr Verbreitung finde, vor allem an den Orten, wo die Spannungen am höchsten sind: dort, wo die Freiheit und die Achtung des anderen geleugnet werden und Männer und Frauen an den Folgen von Intoleranz und Unverständnis leiden.“