Keine intellektuelle Erfindung, sondern Lehre der Bischöfe: Benedikt XVI. über den wahren Glauben

Generalaudienz im Zeichen der Lehre des heiligen Irenäus von Lyon

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ROM, 28. März 2007 (ZENIT.org).- Der wahre Glaube ist nach Benedikt XVI. keine Erfindung von Intellektuellen, sondern die Lehre der Bischöfe.



Die Generalaudienz des Heiligen Vaters auf dem Petersplatz in Rom, an der etwas mehr als 20.000 Pilger teilnahmen, stand diesmal ganz im Zeichen der Gestalt des heiligen Irenäus von Lyon, der den Glauben der Kirche im zweiten Jahrhundert gegen die Gnosis erfolgreich verteidigte und deshalb als „Meister im Kampf gegen die Häresien“ zu betrachten ist sowie als „erster großer Theologe der Kirche, der die systematische Theologie geschaffen hat“. Der Heilige selbst spreche in diesem Zusammenhang „vom System der Theologie, das heißt von der inneren Stimmigkeit des ganzen Glaubens. Im Mittelpunkt seiner Lehre steht die Frage nach der ‚Glaubensregel‘ und ihrer Überlieferung“, erläuterte Papst Benedikt.

Irenäus, der im Jahr 202 oder 203 möglicherweise als Märtyrer gestorben ist, war Schüler des Bischofs Polykarp von Smyrna (dem heutigen Izmir in der Türkei), der seinerseits Schüler des Apostels Johannes gewesen war. Nachdem Irenäus nach der Christenverfolgung unter Kaiser Mark Aurel nach Lyon gekommen war, wurde er Bischof dieser Stadt.

Die Gnosis, die der Heilige bekämpfte, war nach Worten Benedikts XVI. eine Lehre, „die behauptete, dass der in der Kirche gelehrte Glaube nur ein Symbolismus für die einfachen Gemüter wäre, die die schwierigen Dinge nicht verstehen könnten; diejenigen, die eingeführt worden waren, die Intellektuellen – ‚Gnostiker‘ hießen sie – hätten verstanden, was hinter diesen Symbolen steht, und so ein elitäres, intellektualistisches Christentum gebildet.“

Dieses „intellektualistische Christentum“ habe sich in verschiedene Strömungen gespalten, allerdings „mit oft merkwürdigen und extravaganten Gedanken, die aber für viele anziehend waren“.

Bei Irenäus, der gegen diese Irrlehren aufgetreten ist, falle die „Glaubensregel praktisch mit dem Credo der Apostel zusammen und gibt uns den Schlüssel für die Interpretation des Evangeliums, für die Interpretation des Credos im Licht des Evangeliums. Das Apostolische Glaubensbekenntnis, das eine Art Synthese des Evangeliums ist, hilft uns zu verstehen, was das Evangelium selbst sagen will, wie wir es lesen müssen.“

Irenäus habe das Evangelium, das er predigte, direkt von Polykarp, dem Bischof von Smyrna, empfangen, „und dieses Evangelium des Polykarp geht auf den Apostel Johannes zurück, dessen Jünger Polykarp war“.

Dadurch werde sichtbar, so Benedikt XVI., dass die wahre Lehre nicht jene sei, „die von den Intellektuellen jenseits des einfachen Glaubens der Kirche erfunden wird. Das wahre Evangelium ist jenes, das die Bischöfe lehren, die es in einer ununterbrochenen Kette von den Aposteln empfangen haben.“ Und die Apostel hätten ihrerseits „nichts anderes gelehrt als gerade diesen einfachen Glauben, der auch die wahre Tiefe der Offenbarung Gottes ist.

Es steht also keine Geheimlehre hinter dem gemeinsamen Credo der Kirche, sagt uns Irenäus. Es gibt kein höheres Christentum für Intellektuelle. Der öffentlich von der Kirche bekannte Glaube ist der gemeinsame Glaube aller. Nur dieser Glaube ist apostolisch, kommt von den Aposteln, das heißt von Jesus und von Gott.“

Als der Papst die Lehre des heiligen Irenäus darlegte, wies er darauf hin, dass die Christen, die diesem Glauben treu sein wollen, dem folgen müssten, „was die Bischöfe sagen; sie müssen vor allem die Lehre der herausragenden und sehr antiken Kirche Roms beachten“.

Die Kirche in Rom habe „aufgrund ihres Alters die höchste Apostolizität; sie hat ihren Ursprung in der Tat in den Säulen des Apostelkollegiums, Petrus und Paulus. Mit der Kirche Roms müssen sich alle Kirchen verständigen und in ihr das Maß der wahren apostolischen Tradition anerkennen, des einzigen gemeinsamen Glaubens der Kirche.“

Die „ununterbrochene Tradition“, die der heilige Irenäus lehre, „ist kein Traditionalismus“, betonte der Bischof von Rom am Ende seiner Ansprache. Die Tradition des Glaubens werde vom Heiligen Geist unentwegt von innen her neu belebt.