Keine Liberalisierung der Stichtagsregelung für das Stammzellgesetz!

Bischof Algermissen: Katholiken im Bistum Fulda sehen die ethische Trennlinie überschritten

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FULDA, 31. Januar 2008 (ZENIT.org).- In einem Schreiben an Bundeskanzlerin Merkel, die Berliner Kabinettsmitglieder und die aus Hessen stammenden Bundestagsmitglieder weisen Bischof Algermissen und Richard Pfeifer darauf hin, dass „menschliches Leben unverfügbar und unantastbar bleiben muss“. Der Bischof und der Vorsitzende des diözesanen Katholikenrates sehen die ethische Trennlinie überschritten, sobald Stammzellen für Forschungs- und medizinische Zwecke aus Embryonen gewonnen werden. Menschliche Embryonen seien unverfügbar und dürften einer alles vereinnahmenden Forschungsfreiheit nicht geopfert werden.

ZENIT veröffentlicht den Originaltext des Briefes:

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Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel, sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung, sehr geehrte Bundestagsabgeordnete,

eine Veränderung der Stichtagsregelung im Rahmen des Stammzellgesetzes und der damit verbundenen Liberalisierung lehnen die Katholiken im Bistum Fulda kategorisch ab. Die verbrauchende Forschung an embryonalen Stammzellen darf in keiner Weise zugelassen werden. Die Artikel 1 und 2 des Grundgesetzes schreiben Lebensrecht und Lebenswürdeschutz allen Menschen gleichermaßen zu. Sie unterscheiden weder zwischen geborenem und ungeborenem Leben, noch kennen sie Kategorien wie Krankheit, Behinderung oder Alter. Die Grundorientierung aller politischen Entscheidung muss nach wie vor sein, dass unsere Gesetze die menschliche Existenz, insbesondere in Phasen eigener Hilflosigkeit, uneingeschränkt schützen. Wir wenden uns an Sie, weil wir befürchten, dass dem tief greifenden Schutz menschlicher Embryonen zugunsten einer alles vereinnahmende Forschungsfreiheit nachgegeben wird. Die Katholiken im Bistum Fulda sehen die ethische Trennlinie überschritten, sobald Stammzellen für Forschungs- und medizinische Zwecke aus Embryonen gewonnen werden.

Wenn es schon bisher nicht hinnehmbar war, dass „alte“ Stammzell-Linien, die vor dem 1. Januar 2002 gewonnen worden waren, für verbrauchende Forschung benutzt werden durften, so stellt die Verschiebung oder gar Aufhebung der Stichtagsregelung eine neue Qualität der Überschreitung moralischer Grundprinzipien dar. Die Grundsätzlichkeit dieser Entscheidung darf nicht verkannt werden: Wer das Leben in seinem Anfangsstadium preisgibt, tritt eine Lawine der Unmenschlichkeit los. Menschliches Leben - in welchem Stadium auch immer - ist unverfügbar und muss unantastbar bleiben. Das ist die zentrale Forderung, die jede weitere Liberalisierung des Stammzellgesetzes grundsätzlich verbietet.

Als Mitglied des Deutschen Bundestages tragen Sie bei dieser Entscheidung große Verantwortung. Wir appellieren an Ihr Gewissen: Entscheiden Sie sich für den Schutz der hilflosen menschlichen Existenz! Seien Sie sich bewusst, dass der Embryo, der bei solcher Art „Spitzenforschung“ mit Stammzellen getötet wird, ein wirklicher Mensch ist.

Mit freundlichen Grüßen und in großer Sorge!

Heinz Josef Algermissen
Bischof von Fulda

Richard Pfeifer
Vorsitzender des Katholikenrates

[Vom Bistum Fulda zur Verfügung gestelltes Original]