Keine Ökumene ohne Petrus

Interview mit Christoph Kardinal Schönborn

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VATIKAN, 28. Mai 2001 (ZENIT.org-AVVENIRE).- Der Erzbischof von Wien kehrt mit realistischem Vertrauen von diesem Konsistorium zurück. Der 56-jährige Dominikaner ist einer der großen Theologen der Katholischen Kirche (er war hauptsächlich für deutsche Fassung des neuen Katechismus verantwortlich). "Für mich war diese Kardinalsversammlung ein großer Trost", so der Kardinal.



Eminenz, warum sind Sie so zuversichtlich nach diesem außerordentlichen Konsistorium, das der Papst einberufen hat?

Kardinal Schönborn: Ein Journalist hat mich gefragt, ob de Zukunft der Kirche nach diesem Ereignis etwas deutlicher ist. Ich habe ihm geantwortet, dass die Zukunft der Kirche in den Händen Gottes liegt, der sie sicher steuert und uns Mut macht. Der Papst zeigt uns durch sein Beispiel und sein Wort, dass wir keine Angst zu haben brauchen. Sicherlich gibt es viele Gründe, wachsam und sogar besorgt zu sein angesichts verschiedener Situationen, aber wir brauen keine Angst zu haben.

Was hat sich in diesem Konsistorium ereignet, dass sie mit einem solchen Vertrauen daraus hervorgehen?

Kardinal Schönborn: Mir hat sehr gefallen, was Kardinal Sepe über das Heilige Jahr gesagt hat. Wir Bischöfe nehmen vielleicht nicht ernst genug, dass es ein tief gläubiges christliches Volk gibt. Das Heilige Jahr hat diese Intensität christlichen Lebens zu Tage gebracht, und das gibt uns Hirten Mut und lädt uns gleichzeitig zur Umkehr ein. Wir müssen diese Einladung nur annehmen.

Wie?

Kardinal Schönborn: Ich denke vor allem daran, wie viele Kardinäle doch die Heiligkeit hervorgehoben haben, denn die Mission hängt vom christlichen Leben ab und das wiederum bedeutet Union mit Gott, Gemeinschaft mit Christus, Selbsthingabe. Mission heißt vor allem Zeugnis geben im Leben.

Laut Massenmedien war das Hauptthema angeblich die Kollegialität, das Verhältnis der Bischöfe zum Papst.

Kardinal Schönborn: Natürlich wurde auch über Kollegialität gesprochen, aber mehr noch über die Rolle des Papstes. Ich kehre von diesem Konsistorium mit einem deutlicheren Bewusstsein zurück. Christus hat seiner Kirche im Petrusamt eine große Gnade verliehen. Ohne ihn wären alle Anstrengungen der Ortskirchen isoliert und politischem, sozialem und wirtschaftlichem Druck ausgesetzt. Zweifelsohne stärkt die Universalkirche die Ortskirchen durch das Petrusamt.

Einige Kardinäle wollten, dass die Vorgangsweise eines der Instrumente der Kollegialität einer Revision unterzogen wird, und zwar die Synode.

Kardinal Schönborn: Das hat aber meiner Ansicht nach nichts mit Kollegialität zu tun. Der Versuch, die Vorgangsweise der Synode nach dreißig Jahren zu verbessern, ist doch wohl eher eine Formfrage als eine Frage nach ihrem Wesen. Das Wesen besteht selbstverständlich darin, dass wir die Kollegialität in Einheit mit dem Nachfolger Petri leben, und das gibt uns Kraft.

Kollegialität und Primat führen zu einem anderen Konsistoriumsthema, nämlich zur Ökumene. Gibt es da Neuigkeiten?

Kardinal Schönborn: Aus dem Konsistorium geht vor allem ein Bewusstsein hervor, das heißt, die Einsicht, dass Ökumene Petrus und das Papstamt braucht, der uns einen konkreten Bezugspunkt bietet im Verhältnis mit den anderen christlichen Konfessionen.

Wie hat man auf dem Konsistorium das Verhältnis der Kirche zur Welt beurteilt?

Kardinal Schönborn: Man hat von Katechese gesprochen, um eine Alternativkultur zu der heute herrschenden hervorzubringen. In diesem Sinne, glaube ich, kann die Liturgie eine privilegierte Rolle einnehmen, denn sie ist wohl das schönste Werk, welches die christliche Kultur hervorgebracht hat. In ihr findet man den Sinn und die Nähe zu Gott und der Menschen untereinander.