Keine Weihnachtszeit in Oxford? Erzbischof Ravasi antwortet

Präsident des Päpstlichen Rates für die Kultur: Gleichgültigkeit fördert den Atheismus

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ROM, 4. November 2008 (ZENIT.org).- Die Entscheidung des Stadtrates von Oxford, jeglichen Hinweis auf Weihnachten zu unterlassen, sei ein Zeichen von Atheismus, der heutzutage von religiöser Gleichgültigkeit genährt werde, so ein hoher Vertreter des Vatikans.



Erzbischof Gianfranco Ravasi, Präsident des Päpstlichen Rates für die Kultur, äußerte sich zum Entschluss der englischen Stadt, von nun an alle Veranstaltungen am 25. Dezember und an den Folgetagen schlicht als „Winter Light Festival“ zu bezeichnen. Ziel sei es, so die Vertreter der britischen Stadt, die „übermäßige hohe“ Bedeutung zu vermindern, die dem wichtigsten christlichen Fest zum Nachteil anderer Religionen zukomme.

Sabir Hussain Mirza, Vorsitzender des muslimischen Rates von Oxford, erklärte diesbezüglich: „Ich bin höchst verwirrt. Christen, Moslems und die Angehörigen andere Religionen, alle warten sie auf Weihnachten.“

Erzbischof Ravasi erklärte gegenüber „Radio Vatikan“, dass der Wunsch hinter dieser Initiative Oxfords „nicht so sehr jener ist, einen Dialog zu fördern, um Übertretungen vorzubeugen, sondern vielmehr dieser, eine beinahe Auslöschung jeglicher Identität zu erreichen, unabhängig davon, welche Geschichte dahinter steht“.

Den wahren Dialog erreiche man „gerade mit Hilfe der Identitäten“, fuhr der Kurienerzbischof fort. „Daher bin ich der Meinung, dass es sich hier nicht nur um eine Extravaganz handelt, sondern vielmehr um eine bewusste Ablehnung – ich weiß nicht bis zu welchem Punkt – des Ganzen, das hinter einem liegt und das eigene Ich ausmacht“.

Während man in der Vergangenheit versucht habe, religiöse Symbole argumentativ zu bekämpfen, „ist diese Abneigung von heute oft eine Art graue Welle, ein Nebel. Dieses undefinierte Etwas, das hier eingeführt werden soll, ist die Charaktereigenschaft der heutigen Säkularisation“, erklärte der Erzbischof.

„Gott wird nicht mehr verneint. Er wird vollkommen ignoriert, und die Pastoraltätigkeit gestaltet sich komplexer denn je, denn einer Verneinung kann man mit Argumenten begegnen. Gegenüber diesem Versuch jedoch, eine farblose, geruchlose und geschmacklose Gesellschaft zu bilden, bleibt nur die Unmöglichkeit zu reagieren.“

Heute stehe man nicht mehr einem oft dramatischen, aber authentischen Atheismus von früher gegenüber. „Heute haben wir die Gleichgültigkeit. Diese Gleichgültigkeit legt sich über alles, eliminiert die Besonderheiten und nimmt vielleicht letztlich dem Mensch die Möglichkeit, sich wichtige Fragen zu stellen, wie es alle großen Religionen machen – fundamentale Fragen, die sich so im Nichts auflösen.“

Erzbischof Ravasi schätzt es nach eigenen Worten sehr, dass sich die Moslems dieser Initiative widersetzen. Dies zeige, dass auch sie sich der Gefahr bewusst seien, die der Versuch mit sich bringe, die eigene Identität auszulöschen.