Keine Zeit mehr zum Zweifeln

Impuls zum 3. Sonntag der Osterzeit

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 20. April 2012 (ZENIT.org). - Nach seiner Auferstehung ist der Herr des öfteren erschienen, mal einer Person, mal mehreren und auch einmal fünfhundert Menschen auf einmal. Nie aber dem ganzen Volk und nie eine längere Zeit hindurch.

Was darüber hinaus bei den Auferstehungsberichten immer wieder auffällt, ist, dass die Menschen ihn sehen und dennoch manchmal zweifeln. Eigentlich unbegreiflich: wenn sie ihn sehen, sollte es doch keinen Zweifel mehr geben.

Auch an diesem dritten Sonntag der Osterzeit heißt es im Evangelium: „Sie konnten es vor Freude immer noch nicht glauben“ (Lk 24,43), und das nachdem Jesus sie aufgefordert hatte, seine Hände und Füße zu berühren.

Schon am Ostertag fiel uns auf, dass selbst Maria Magdalena, die ihn so sehr liebte, ihn zunächst nicht erkannte. Erst als er sie bei ihrem Namen rief „Maria!“, da fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Wir haben vielleicht gedacht, dass dies daran lag, dass Magdalena die Augen voller Tränen hatte und deshalb nicht deutlich sah.

Für das zögerliche Verhalten der Jünger mag es mehrere Gründe geben. Zunächst einmal ist es für die Menschen der Antike unvorstellbar, dass einer von den Toten aufersteht. Die Jünger selbst haben mehrfach gerätselt: was meint Jesus damit, er werde am dritten Tag von den Toten auferstehen? Die Apostel waren offensichtlich sehr handfeste Männer, denen es nicht im Traum eingefallen wäre, eine nicht wirkliche Auferstehung Jesu herbeizufantasieren. Etwa so: Im Bewusstsein der Urgemeinde lebte Jesus weiter, „die Sache Jesu geht weiter“. Solche Gedankengänge lagen den ersten Christen absolut fern.

Offensichtlich ist das äußere Aussehen des Herrn anders als vorher. Papst Benedikt XVI. sagt: der Auferstehungsleib ist gerade nicht eine wieder belebte Leiche. Man müsste sagen: er ist derselbe, aber doch anders. Er hat nun Eigenschaften, die der materielle Leib des Menschen sonst nicht hat: so steht Jesus z.B. vor den Jüngern, obwohl die Türen verschlossen sind. Letztlich ist aber der verklärte Leib des Auferstandenen ein Geheimnis.

Das Sonntagsevangelium berichtet außerdem: „Darauf öffnete er ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift“ (Lk 24,44). Und er öffnet sie auch uns.

Für uns, die wir an seine Auferstehung glauben, auch wenn wir ihn nicht gesehen haben, ist dieses Geheimnis der neuen Leiblichkeit Jesu von entscheidender Bedeutung, denn seine Auferstehung ist auch unsere Auferstehung. Wenn es stimmt, dass jeder Christ das Leben Christi noch einmal lebt, dann ist es ja nur logisch, dass wir es mit allen Konsequenzen tun. In unserer Zeit, wo der christliche Gaube vielfach angefochten und manchmal auch offen bekämpft wird, ist es wichtig, dass wir uns vor Augen halten: wenn ich als Christ gelegentlich Widerspruch ertragen muss, so weiß ich, dass ich in guter Gesellschaft bin, denn er hat es ja vorausgesagt: „Haben sie mich verfolgt, werden sie auch euch verfolgen“ (Joh 15,20).

Dennoch ist das Leben des Christen nicht immer nur ein Verfolgtwerden. Im Gegenteil. Die beglückendste Osterbotschaft, die der Herr durch Maria Magdalena den Aposteln und uns mitteilen lässt, ist diese: „Gehe zu meinen Brüdern und sag ihnen: ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.“ (Joh 20,17) Zum ersten Male bezeichnet Jesus die Jünger als seine Brüder. Früher hatte er noch gesagt: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte, denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut, ihr seid meine Freunde“ (Joh 15,15). Hier ist die Grundlage für das Schönste an unserem Glauben: wir sind Kinder Gottes. Gott, der Allmächtige, ist mein Vater – was sollte mir denn passieren? Er ist ja ein Vater, der seine Kinder liebt. Brüder und Schwestern Jesu Christi sind wir. Und unser Lebensziel ist das gleich wie das Jesu Christi: aufzusteigen zum Vater.

Allerdings, wie unsere Welt eben ist, bis dahin ist noch viel zu tun. Aber auch darin sind wir wieder mit dem Herrn eng verbunden, wir sollen seine Boten sein, das weiterführen, was er begonnen hat: „Wer euch hört, der hört mich; wer euch ablehnt, lehnt mich ab“ (Lk 10,16). Oder noch deutlicher bei seinem Abschied von dieser Welt: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet allen das Evangelium!“ Selbst bei diesem Höhe- und Schlusspunkt seines irdischen Lebens heißt es noch: „Einige aber hatten Zweifel“ (Mt 28,19).

Aber irgendwann – am besten jetzt – ist der Zeitpunkt gekommen, wo man die Zweifel hinter sich lassen sollte. Das Ziel ist sehr hoch, und es ist herrlich, außerdem ist es erreichbar: es geht um unser Einswerden mit Christus, oder, wie Paulus das ausdrückt: „Ein anderer Christus, Christus selbst“ sollen wir werden und sein Schicksal teilen.

Beenden wir die Zweifel!

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“.