Kenntnis der lateinischen Sprache

Würde der Messfeier verlangt nach mehr als nur der Erfüllung von Mindestanforderungen

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 270 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie und Studiendekan der Theologischen Fakultät am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet eine Leserfrage zur lateinischen Messe.

Frage: Bei einem Dekanatstreffen unseres Bistums waren Priester anwesend, die die Feier der lateinischen Messe in Pfarreien übernommen haben. Dabei wurde die Frage gestellt, wie lange es generell dauern würde, bis man nach Absolvierung eines Latein-Kurses, verstehen würde, was man betet. In der Antwort hieß es, man müsse die Worte nicht unbedingt verstehen, sondern sie nur korrekt aussprechen. Ist denn eine Messe gültig, wenn der Zelebrant nicht versteht, was er sagt? -- W.O., Worcester, Massachusetts, USA.

P. Edward McNamara: Vielleicht sollte man unterscheiden zwischen der Frage, wie tief das Verständnis sein muss, damit aus dem Gottesdienst ein echter Akt der Verehrung wird und der Frage, welche Mindestanforderungen für die Gültigkeit der hl. Messe zu stellen sind.

Diese Thematik ist vom Lehramt nicht detailliert behandelt worden, es gibt aber zwei Texte, die uns helfen können, hierauf eine Antwort zu finden.

Der erste Text stammt aus der Instruktion „Redemptionis Sacramentum“ und bezieht sich auf den Ritus in der ordentlichen Form sowie auf Konzelebrationen mit internationaler Beteiligung. Dort wird ein allgemeines Prinzip in Bezug auf die Sprachkenntnis formuliert:

„113. Wenn mehrere Priester bei der Messe konzelebrieren, soll für den Vortrag des eucharistischen Hochgebetes eine Sprache verwendet werden, die allen konzelebrierenden Priestern und dem versammelten Volk bekannt ist. Wo es vorkommt, dass einige Priester dabei sind, die die Zelebrationssprache nicht kennen, so dass sie die ihnen zukommenden Teile des eucharistischen Hochgebetes nicht geziemend vortragen können, sollen sie nicht konzelebrieren, sondern gemäß den Normen in Chorkleidung an der Feier teilnehmen.“

Der zweite Text stammt von einer Instruktion, welche die Kommission Ecclesia Dei herausgegeben hat, die die Aufsicht über den Ritus in der außerordentlichen Form führt und die verschiedene Normen, die Papst Benedikt XVI. in dem Apostolischen Schreiben „Summorum Pontificum“ erließ, weiter entwickelt hat. Was die Anforderungen betrifft, welche die Priester erfüllen müssen, heißt es dort wie folgt:

„20. In Bezug auf die Frage nach den notwendigen Voraussetzungen dafür, dass ein Priester für „geeignet“ gehalten werden kann, um in der forma extraordinaria zu zelebrieren, ist Folgendes zu beachten:“

„a. Jeder Priester, der nach Kirchenrecht nicht daran gehindert ist, muss als geeignet betrachtet werden, die heilige Messe in der forma extraordinaria zu feiern.“

„b.Bezüglich des Gebrauchs der lateinischen Sprache ist eine grundlegende Kenntnis erforderlich, die es erlaubt, die Worte richtig auszusprechen und deren Bedeutung zu verstehen.“

„c. Bezüglich der Vertrautheit mit dem Ablauf des Ritus sind jene Priester als geeignet zu vermuten, die von sich aus in der forma extraordinaria zelebrieren wollen und diese bereits früher verwendet haben.“

Diese beiden Dokumente gehen offensichtlich davon aus, dass man zumindest die Fähigkeit besitzt, den Text auszusprechen und seine Bedeutung zu verstehen.

Das heißt, dass der Priester im Großen und Ganzen versteht, was er sagt, aber nicht die gesamte Grammatik in all ihren Nuancen beherrschen muss.

Was den Ritus in der ordentlichen Form angeht, sollte der Konzelebrant zumindest wissen, wie man die Worte ausspricht, die von allen Priestern mitgesprochen werden. Selbst wenn er die Sprache, in der die Feier stattfindet, nur in geringem Maße kennt, kennt er doch die gleichen Texte in seiner Muttersprache und kann daher für gewöhnlich dem Sinn folgen. Wenn er selbst diese Mindestanforderung nicht erfüllt, sollte er, wie es in der Instruktion heißt, davon abstehen und nicht konzelebrieren.

Da es bei der Feier in der außerordentlichen Form keine Konzelebrationen gibt, sind dort die Anforderungen hinsichtlich der Kenntnis der lateinischen Sprache höher. So sollte man zum Beispiel als Priester fähig sein, die allgemeine Bedeutung der Gebete, Lesungen und Präfationen zu verstehen. Man sollte auch fähig sein, dort die korrekten grammatischen Formen einzufügen, wo der Text wegen verschiedener Namen (Päpste, Bischöfe, Tagesheilige) variieren kann.

Wenn man die korrekte Aussprache ausreichend kennt, sich jedoch in Bezug auf andere Sprachelemente eher unsicher fühlt, könnte man dennoch zelebrieren, indem man sich vorher mithilfe einer guten Übersetzung vorbereitet. Andernfalls wartet man besser so lange, bis man die Mindestanforderungen erfüllt und die Sprache besser beherrscht.

Unter Berücksichtigung der Debatten, die unter Theologen geführt werden, können wir also mithilfe dieser Dokumente sagen, dass die Mindestanforderung für die Gültigkeit der Messfeier darin besteht, dass die Worte bei der Wandlung korrekt ausgesprochen werden und deren Bedeutung im Allgemeinen verstanden wird. Man sollte annehmen können, dass ein Priester dieses korrekte Verständnis besitzt.

Eine korrekte Aussprache ist jedoch kein absolutes Kriterium, wenigstens solange sich durch Fehler oder undeutliche Aussprache kein neuer Sinn ergibt. Ein Priester, dessen Sprechfähigkeit zum Beispiel aufgrund einer Krankheit behindert sein sollte, könnte immer noch gültig die hl. Messe feiern, solange er weiß, was er trotz unklarer Worte aussprechen möchte. In den letzten Lebensjahren Papst Johannes Pauls II. verstanden viele seine Worte oftmals nicht, doch zweifelte niemand die Gültigkeit seiner Messfeier an.

Aufgrund ihrer Würde und ihres hohen Werts als gottesdienstlicher Akt verlangt die Messfeier jedoch nach mehr als nur der Erfüllung der Mindestanforderungen für ihre Gültigkeit. Man sollte die Sprache, in der die Feier stattfindet, wirklich in angemessener Weise verstehen. Auch aus pastoraler Sicht und aufgrund ihres öffentlichen Charakters sollte der Priester den Text nicht nur korrekt aussprechen, sondern verkünden können, indem er den richtigen Tonfall, die Pausen und die Betonung verwendet, die den Sinn des Texts als Gebet weitergeben.

Eine solche Verkündigung und Auffassungsgabe sind für die Priester und Gläubigen hilfreich und führen dazu, dass das Gebet verinnerlicht werden kann, dass es Teil des eigenen Lebens wird und es verändert.

Übersetzt von P. Thomas Fox LC aus dem englischen Originalartikel http://www.zenit.org/en/articles/knowledge-of-latin