Kinder helfen Kinder: Von kleinen Missionaren und den Initiativen des Kindermissionswerkes in Österreich

Interview mit Guido Fitz, Referent des Päpstlichen Kindermissionswerkes in Österreich

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WIEN, 11. Januar 2008 (ZENIT.org).- Nicht nur große Theologen und Seelsorger wie Papst Benedikt XVI. haben ein missionarisches Gespür, sondern sogar die Kinder, „die in ihrer Fröhlichkeit und Offenherzigkeit oft unbeschwerter als Erwachsene sind“.

Guido Fitz, Referent des Kindermissionswerkes in Österreich, erklärt im vorliegenden ZENIT-Interview, warum gerade die Jüngsten unter uns das Zeug dazu haben, missionarisch zu wirken und spontan zu helfen. Außerdem geht Fitz auf die Entstehung und die Inititiativen des Päpstlichen Kindermissionswerks ein, an denen sich jede junge Frau und jeder junge Mann beteiligen kann.

ZENIT: Papst Benedikt hat alle Gläubigen dazu eingeladen, wie der Stern von Bethlehem zu sein und das Leben ihrer Mitmenschen hell zu machen, indem sie sie zu Christus führen. Auch die Kinder, die von Natur aus froh sind und gerne lachen, hat er dazu ermutigt, missionarisch zu wirken und ihren Altersgenossen zu helfen. Haben Kinder tatsächlich einen Sinn für Mission? Wie kann man in ihnen missionarisches Feuer entfachen?

Guido Fitz: Kinder sind sehr offen und feinfühlig für die Situation anderer Menschen in dieser Welt. Sie haben einen natürlichen Sinn für Mission, da sie in ihrer Fröhlichkeit und Offenherzigkeit oft unbeschwerter als Erwachsene sind.

Das „Du“ hat bei Kindern einen sehr großen Stellenwert. Wenn sie zum Beispiel Leid erkennen, möchten sie spontan helfen. Der Glaube spielt dabei eine zentrale Rolle, und Kinder lassen sich schnell und gerne mit dem Feuer der göttlichen Liebe entfachen!

Sie sind für die Gnade ungemein empfänglich, man muss sie nur mit der Liebe Gottes und mit dem Gebet in Berührung bringen, und schon strahlen sie - wie der Stern von Bethlehem. Von dieser Haltung der Kinder kann man viel lernen!

ZENIT: Das Päpstliche Kindermissionswerk ist aufgrund von ganz konkreten Notsituationen in Afrika und China in Frankreich entstanden. Könnten Sie ein wenig auf Gründung, Geschichte und die gegenwärtige Situation dieses Werkes eingehen?

Guido Fitz: Im 19. Jahrhundert förderte Charles August Marie de Forbin-Janson, Bischof von Nancy (Frankreich), aufgrund der Grausamkeiten, die in jener Zeit vor allem an Kindern weltweit verübt wurde, die Anbetung des Kindes Jesu als missionarisches Anliegen. Daraus entstand eine große missionarische Bewegung, die sich von Frankreich aus auf ganz Europa ausweitete.

Am 19. Mai 1843 wurde dann offiziell das „Werk der Heiligen Kindheit“ gegründet, kurz Kindermissionswerk genannt. Dieses hat heute Niederlassungen in 110 Ländern und will das Missionsbewusstseins unter den Kindern und deren Hinführung zu einer gelebten geistigen Gemeinschaft mit ihren oft geschundenen Altersgenossen wecken. Das Motto lautet: „Kinder helfen Kindern.“

Durch ihre materielle, aber vor allem spirituelle Unterstützung werden die Kinder Teil des Erlösungswerkes Christi, weil sie auch an seinen Leiden und seiner Erlösung Anteil nehmen.

ZENIT: Was sind die vorrangigen Ziele der Kindermission heute? Welche konkreten Initiativen und Pläne gibt es diesbezüglich?

Guido Fitz: In Österreich ist das Kindermissionswerk eines der vier Werke, die als „Päpstliche Missionswerke in Österreich“, kurz „Missio“ genannt, bekannt sind. Um die eben genannten Ziele zu erreichen, versuchen wir einerseits, die Kinder direkt anzusprechen, andererseits aber auch die Menschen, die mit Kindern zu tun haben, also die Eltern, Pädagogen, Pfarren, Kindergärten usw. Zum Beispiel bieten wir pädagogische Medien für alle an, die mit Kindergruppen arbeiten, und Materialien, die Informationen zu den „Ländern des Südens“ und thematische Schwerpunkte enthalten.

Sehr beliebt ist auch unser Kinderjahrbuch, in dem neue Erfahrungen christlicher Nächstenliebe erlebbar werden.

In unserem Missio-Magazin „alle welt“ gibt es auch eine Comic-Beilage für Kinder mit dem Titel „Globi“. Übrigens kommen wir auch gerne zu Gruppenstunden oder in Schulklassen, um die Kinder persönlich zu informieren.

ZENIT: Woher kommen die Kinder, die sich an dieser Form von Mission beteiligen? Und was ist mit denen, die sich noch beteiligen wollen? Wie alt sollten sie sein; welche Voraussetzungen und Fähigkeiten müssen sie mitbringen?

Guido Fitz: Alle können sich beteiligen und mitmachen. Altersbeschränkungen gibt es nicht, und es sind auch keine Voraussetzungen und Fähigkeiten notwendig. Wichtig ist nur die Bereitschaft, sein Herz zu öffnen.

Wir versuchen, mit Kindergärten, Schulen und vor allem auch Pfarren (Kindergruppen, Firmlinge…) Kontakt zu halten. Über die Leser der „alle welt“ und verschiedene geistliche Bewegungen erreichen wir auch viele Familien.

Ein schönes Beispiel für diese bunte Vielfalt an „kleinen Missionaren“ war der Besuch des Papstes in Österreich, wo wir nicht nur mit fast 100 Schülern Material zum dramatischen Thema „Kindersoldaten“ in Wien verteilen konnten, sondern auch mit der großen Aktion 2007 „Auf Jesus schauen – Kinder malen dem Papst“ hunderte Kinder für die Mission und den Papstbesuch begeistern konnten.

Die Werke der Kinder haben dann den Heiligen Vater begeistert, der sich für diese mit einem wegweisenden Schreiben an die Kinder des Kindermissionswerkes bedankt hat.

ZENIT:
Wo kann man sich zum Kindermissionswerk anmelden?

Guido Fitz: Am einfachsten per Mail: kindermissio@missio.at, oder auch direkt bei mir unter +43 1 513 77 22 / 69. Informationen gibt es auch auf der Homepage Kinder helfen Kindern und im Missio-Magazin alle welt.

[Das Interview führte Dominik Hartig]