Kinderbibel in 140 Ländern und 172 Sprachen

Jubiläums-Exemplar für Angola

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Von Karl-Georg Michel

MÜNCHEN, 18. Juni 2012 (ZENIT.org/KIN). - Seit 1979 verschenkt „Kirche in Not“ Kinderbibeln. Das internationale katholische Hilfswerk will damit Kindern weltweit die Heilige Schrift in ihrer Muttersprache nahebringen. Jetzt hat das Projekt eine Auflage von 50 Millionen Exemplaren erreicht.

„Das Jubiläums-Exemplar ist in Angola erschienen, in der Sprache Ubundu“, freut sich Maria Zurowski. Die Mitarbeiterin von „Kirche in Not“ ist für das Kinderbibel-Projekt verantwortlich. Die Kinderbibel wurde bislang in 140 Ländern verteilt und in 172 Sprachen übersetzt. Für das Jahr 2012 sind weitere Neuausgaben geplant, zum Beispiel in den Sprachen Chol in Mexiko, Kikuyu in Kenia und Sesotho in Südafrika.

„Sie können sich nicht vorstellen, was es bedeutet, das Wort Gottes in der Muttersprache lesen zu dürfen, in der Sprache, in der wir beten und weinen“, zitiert Frau Zurowski aus dem Dankbrief eines Bischofs aus Afrika. Damit kommt die kulturstiftende Bedeutung des Projekts zum Ausdruck. In vielen Sprachen ist die Kinderbibel das einzige überhaupt verfügbare Buch. Kinder lernen mit ihr lesen und schreiben – was auch für viele Erwachsene gilt. „Nach einem harten Arbeitstag unter der sengenden Sonne sahen wir, wie einer der Arbeiter am Abend auf einem Stein saß und laut buchstabierend aus der Kinderbibel in Kinyarwanda vorlas. Können Sie sich die Freude vorstellen, die uns dieser Anblick bereitet hat?“, berichtet eine Ordensschwester aus Muhanga.

Der Ort liegt in Ruanda, wo Kinyarwanda gesprochen wird. Knapp eine halbe Million Kinderbibeln hat „Kirche in Not“ dort bislang verschenkt. In Kirundi, der Sprache des Nachbarlandes Burundi, liegt eine ähnlich hohe Auflage vor. Das sind zwei Beispiele für Länder, denen das kirchliche Hilfswerk mit der Kinderbibel auch Frieden und Versöhnung bringen will. Immer wieder wurden die beiden Nachbarstaaten von einer Welle grausamer Gewalt geradezu überrollt – mit hunderttausenden Toten.

Für die Menschen in Burundi und Ruanda oder auch in dem von einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg geplagten Angola ist deshalb gleich eines der ersten Bilder aus der Kinderbibel wichtig. Es zeigt die Folgen des Brudermords von Kain und Abel. Entsetzt blickt Kain auf seinen Bruder Abel zurück, den er eben erschlagen hat. Gebückt geht er weg, den Knüppel noch in der Hand. Da wird schon beim Hinsehen deutlich: Er hat etwas ganz Furchtbares getan.

„Pater Werenfried van Straaten, der Gründer unseres Werkes, war von der Idee der tätigen Nächstenliebe begeistert“, erzählt Maria Zurowski. Er habe die Bibel verschenkt, „damit in den Herzen der Kinder das Bild Jesu lebendig wird.“ Und die Kinderbibel spricht tatsächlich auch in Bildern zu den Menschen: Sie ist mit 80 Motiven illustriert – ganz ähnlich wie die farbigen Fenster in den Kathedralen der Gotik mit ihren Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament. Heute wie damals sind Bilder die Sprache der Ärmsten der Armen.

Diese Illustrationen sind aus der Arbeit mit Straßenkindern entstanden. Weil viele Kinder und Jugendliche in den Slums von Lima, der Hauptstadt Perus, weder lesen noch schreiben konnten, griff die Sozialarbeiterin Schwester Conchita Gomez zu Farbe und Pinsel. Während ihr Kinder und Jugendliche beim Malen zuschauten, entstanden Motive nach Erzählungen aus der Bibel. Schwester Conchita – die auch unter ihrem Künstlernamen Miren-Sorne Gomez bekannt ist – hat die Bibel mit den Augen der Kinder gemalt. Bunte, lebensfrohe Zeichnungen sind daraus geworden.

„Die Illustrationen und der einfache, klare Text sind für die Kinder sehr anziehend. Sie greifen deshalb gern zur Bibel, lesen sie und erläutern den Text jüngeren Geschwistern“, schreibt eine Ordensschwester und Sozialarbeiterin aus Brasilien an „Kirche in Not“. Viele der von ihr betreuten Kinder leben auf der Straße. „Vielleicht lieben sie deshalb vor allem die biblische Geschichte vom verlorenen Sohn“. Das Bild zu diesem Gleichnis ist auf der Titelseite der Kinderbibel abgebildet.

Wer die Bibel kennt, weiß: Dieses Gleichnis spricht das Grundvertrauen, die Hoffnung eines jeden Menschen an. Was auch immer gewesen sein mag: „Der Vater“, so heißt es im Text der deutschen Fassung der Kinderbibel, „hatte Mitleid mit seinem Sohn, lief ihm entgegen und umarmte ihn“, als er nach seinem zügellosen Leben wieder den Weg nach Hause gefunden hatte. „Genau das wollen wir mit der Kinderbibel verschenken: Das Vertrauen auf einen Gott, der die Menschen liebt“, sagt Maria Zurowski. „Die Kinder erhalten damit eine tragende Kraft für ihr ganzes Leben“, meint sie. „Das ist das Beste, was wir ihnen überhaupt geben können.“

„Die Menschen sind viel besser, als wir denken“, sei Pater Werenfried überzeugt gewesen. „Sie warten nur auf das brennende Wort, das ihr Herz entflammt.“ Auf seinen vielen Reisen in die entferntesten Gegenden der Welt sei ihm die Idee gekommen, die Kinder mit einer reich bebilderten Bibel in ihrer Muttersprache zu beschenken, blickt die „Kirche-in-Not“-Mitarbeiterin auf die Entstehung des Projekts Kinderbibel zurück.

Ende der 1970er-Jahre hat Pater Werenfried das Projekt den lateinamerikanischen Bischöfen vorgestellt. Die Vereinten Nationen hatten 1979 zum „Jahr des Kindes“ ausgerufen. Und so präsentierte Pater Werenfried zu Beginn dieses Jahres den Bischöfen Südamerikas auf ihrer Konferenz im mexikanischen Puebla einen ersten Entwurf. Sie waren von dieser Unterstützung für ihre pastorale Arbeit begeistert und bestellten spontan die ersten 1,2 Millionen Kinderbibeln.

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Die Kinderbibel kostet in der Taschenbuch-Ausgabe 2,50 Euro. In deutscher Sprache ist sie für 50 Cent auch als Mini-Kinderbibel im praktischen „Hosentaschen“-Format erhältlich.
Ab sofort gibt es bei Kirche in Not auch ein „Glaubenspaket Kinderbibel“: Es enthält neben der Kinderbibel auch ein Puzzle, ein Hör- und Malbuch, Bibelgeschichten im Quadrat sowie das Bibelstickeralbum mit Sammelaufklebern. Das Glaubenspaket kostet 15,00 Euro (zzgl. Versandkosten). Es ist hier erhältlich.