Kindgerechte Erziehung kennt das Prinzip Ehrfurcht

Impuls zur Aktion „Nazaret-Gebet“ 2009 der Wiener Berufungspastoral

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WIEN, 13. Februar 2009 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen den aktuellen Impuls zur Initiative Nazaret-Gebet 2009 der Berufungspastoral der Erzdiözese Wien.

Wer Kinder erzieht, der sollte sich nicht so sehr von eigenen Vorstellungen und Wünschen leiten lassen, sondern in erster Linie vom Willen Gottes. Das zeigt der Beitrag, den Hertha und Martin Schiffl von der Akademie für Familienpädagogik der Schönstatt-Bewegung verfasst haben. Ihre Gedanken sollen vor allem jenen Eltern als Ansporn dienen, die im Rahmen der Nazaret-Gebet-Initiative täglich den „Angelus“ für die Berufung ihrer Kinder beten.

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Dein Wille geschehe!

Zunächst ist also dem Leben in unseren Kindern, in unseren Schülern mit tiefer Ehrfurcht zu begegnen. Bei dem Kind handelt es sich um ein originelles Geschöpf Gottes, das es in dieser Form nur ein Mal gibt. Es hat seine Anlagen und Fähigkeiten und ein persönliches Ideal, das sich Gott ausgedacht hat. Da wird schnell klar: dass mein Sohn Arzt wird, weil ich einer bin, das ist gar nicht sicher. Oder dass meine Tochter die Matura machen muss, weil ich sie nicht gemacht habe, aber jetzt das Gefühl habe, dass es besser wäre, ich hätte sie gemacht, das muss nicht unbedingt im Plane Gottes stehen.

Die tiefe Ehrfurcht vor dem Leben in meinem Kind schützt mich davor, meine eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Sehnsüchte auf mein Kind zu übertragen.

„Lass alle Zeit an uns geschehen, was du hast für uns vorgesehen, wir kennen nur ein einzig Sehnen, führ uns nach deinen weisen Plänen." Dieses Gebet Josef Kentenichs gibt uns Erziehern einen guten Anhaltspunkt, worauf es ankommt: Gottes Wille möge geschehen, auch an unseren Kindern.

Erziehung heißt also Mitarbeit, dass Gottes Wille zur Entfaltung kommt in unserem Kind. Das bedeutet ja nicht mehr und nicht weniger, als dass sich in diesem Kind all das voll entfalten kann, was Gott vorgesehen hat. Das ist mehr als „Arzt werden" oder „die Matura machen" - viel, viel mehr!

„Dein Wille geschehe" beten wir auch im Vaterunser. Und wenn wir darüber nachdenken, schwingt wohl ein wenig Furcht mit: Was wird denn werden, wenn sein Wille geschieht? Habe ich dann noch die volle Kontrolle über mein Leben? Wird mir oder meinem Kind vielleicht sogar ein Leid widerfahren? Das „Sehnen" ist die Erlösung von der Furcht.

Darum betet Josef Kentenich: „Wir kennen nur ein einzig Sehnen." Wenn wir uns danach sehnen, dass Gott uns nach seinen weisen Plänen führt, dann kann aus der Furcht Ehrfurcht werden.

Fragen:
Wo nehme ich Gott wahr in meinen Kindern?
Wo versuche ich meine Kinder nach meinem Bild zu formen?