Kirche als Institution darf nicht vom Glauben getrennt werden

Redebeitrag von Kardinal Marc Ouellet PSS, Präfekt der Kongregation für die Bischöfe

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VATIKANSTADT, 19. Oktober 2012 (ZENIT.org). - Während der 15. Generalkongregation der Bischofssynode am Dienstag, dem 17. Oktober, sprach Kardinal Marc Ouellet über das ekklesiologische Verständnis der katholischen Kirche und ihren Auftrag, die ganze Menschheit zu vereinen.

[Wir veröffentlichen den zusammengefassten Redebeitrag in einer Arbeitsübersetzung des Heiligen Stuhls:]

Angeregt von den Abschnitten 37 bis 40 des Instrumentum laboris möchte ich die Gelegenheit nutzen zu bekräftigen, dass die neue Evangelisierung untrennbar verbunden ist mit der Gemeinschaft der Kirche. Diese Gemeinschaft charakterisiert die Sendung der Kirche, das heißt die Sendung „Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit“ zu sein und wird das eindrücklichste Merkmal des Zeugnisses, das die Gläubigen ihren Zeitgenossen geben können.

Ein Aspekt der Erneuerung der Gemeinschaft in der Kirche betrifft die Beziehung zwischen ihrer charismatischen Dimension und ihrer hierarchischen Dimension. Gerade die charismatische Dimension ist eine der wertvollsten Errungenschaften der katholischen Ekklesiologie des Zweiten Vatikanischen Konzils, auch wenn es deren ekklesiologischen Status noch zu präzisieren gilt. Diese Dimension kommt insbesondere im geweihten Leben zum Ausdruck, das für die Bischöfe eine wertvolle Ressource und eine Herausforderung darstellt.

In den Beziehungen zwischen Hierarchie und geweihtem Leben hat sich nicht geringes Unbehagen gezeigt: manchmal aufgrund einer gewissen Unkenntnis der Charismen und ihrer Rolle in der kirchlichen Sendung und Gemeinschaft; in anderen Fällen, weil einige geweihte Personen dazu neigen, dem Lehramt zu widersprechen. Aus diesem Grund möchte ich die Aufmerksamkeit auf das Dokument Mutuae Relationes lenken, das seit Ende der 1970er Jahre einen Dialograhmen für die Beziehungen zwischen Bischöfen und Ordensleuten bietet und eine Aktualisierung verdienen würde angesichts der außerordentlichen Entwicklung der charismatischen Dimension der Kirche in den letzten Jahrzehnten. Dort ist zu lesen: „Es wäre ein großer Irrtum, das Ordensleben von den kirchlichen Strukturen unabhängig zu machen - und noch schlimmer wäre es, sie gegeneinander auszuspielen -, als könnten sie als zwei voneinander unabhängige Realitäten existieren, die eine charismatisch, die andere institutionell; während beide Elemente, das heißt die geistlichen Gaben und die kirchlichen Strukturen, eine einzige, wenn auch komplexe Realität bilden (vgl. LG 8)“ (MR 34).

Die neue Evangelisierung kann deshalb eine weitere Stärkung in der Erneuerung der Beziehungen zwischen den Bischöfen und den Gottgeweihten finden.