Kirche fordert von Pakistans Präsidenten: „Schützen sie die religiösen Minderheiten!“

Religionsfreiheit ist absolute Priorität

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LAHORE, 10. September 2008 (ZENIT.org).- „Schützen sie die religiösen Minderheiten“, lautet die Botschaft der pakistanischen Bischöfe an den neuen Präsidenten des Landes, Asif Ali Zardari, dessen Amtseinführung jetzt bevorsteht.

Der Vorsitzende der pakistanischen Bischofskonferenz und der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden, Erzbischof Lawrence John Saldanha, forderte in seinem Schreiben an den neuen Staatschef zudem die Garantie der Bürgerrechte für Christen.

Der 70-jährige Saldanha, der auch Erzbischof von Lahore, der zweitgrößten Stadt Pakistans ist, hat von der Regierung in Islamabad mehr Schutz und gleiche Rechte für die Christen gefordert. Dem neuen pakistanischen Präsidenten Asif Ali Zardari sicherten die Bischöfe ihre volle Unterstützung zu.

Christen machen in Pakistan lediglich eine kleine Minderheit von rund 1,5 Prozent an der zu weit über 90 Prozent islamischen Bevölkerung aus. Sie erleiden zahlreiche Diskriminierungen und werden immer wieder zur Zielscheibe von Gewalttaten. Die Kirche in Pakistan verlangt Gewissensfreiheit, Religionsfreiheit und die Freiheit, diese auszuleben, erklärte Saldanha im Gespräch mit „Radio Vatikan“.

Ein pakistanisches Komitee überlegte im Jahr 2007 die Einführung eines neuen Gesetzes zum Verbot von Apostasie. Sollte dieses Gesetz eingeführt werden, müssten muslimische Männer im Fall einer Glaubensabkehr mit der Todesstrafe, muslimische Frauen mit lebenslänglicher Haft rechnen. Zudem würden sie auch das Sorgerecht für ihre Kinder sowie jegliches Eigentum verlieren.

Schuld an der wachsenden Polarisierung seien vor allem der steigende Terrorismus und Extremismus, erklärte der Würdenträger. Schon seit langem hat sich die katholische Kirche gegen den islamischen Religionszwang an Schulen ausgesprochen.

In seinen Ausführungen forderte der Vorsitzende der Pakistanischen Bischofskonferenz angesichts des Analphabetismus, den Unterrichtsstandard an Grundschulen zu verbessern, um dem islamistischen Extremismus wirksam entgegenzutreten. Die Kirche leiste große Arbeit auf dem Bildungssektor, obwohl sie von Seiten der Regierung keine Unterstützung bekomme.

Pakistan hat heute rund 156 Millionen Einwohner, 96 Prozent davon sind Moslems. Die Christen machen nur 2,3 Proent der Gesamtbevölkerung aus. Ihr größtes Problem ist die Macht der islamischen Geistlichen und islamischer Gruppen, die aus Pakistan einen rein islamischen Staat machen und alle islamischen Gesetze im Sinne der Sharia einführen wollen (zum Beispiel die Steinigung bei Ehebruch, die Handabtrennung bei Diebstahl und die Todesstrafe bei Abfall vom Islam und Gotteslästerung). Der Druck, den diese Gruppen auch auf die Regierung ausüben, hat die Änderung oder Abschaffung des Blasphemiegesetzes und die Gleichstellung von Muslimen und Nichtmuslimen bisher verhindert.