Kirche im Einsatz gegen HIV und AIDS in Afrika

Tagung der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben in Addis Abeba

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BONN, 22. Juni 2012 (ZENIT.org/PM DBK). -Heute endet in Addis Abeba (Äthiopien) die viertägige internationale Konferenz „HIV und AIDS in Afrika. Lehren aus den Antworten der katholischen Kirche“. Seit Montag beraten Bischöfe und Experten aus sechs afrikanischen Ländern und Deutschland über kirchliche Strategien und Programme im Umgang mit der Immunschwächekrankheit, wie man auf der Webseite der Deutschen Bischofskonferenz nachlesen kann. Ihr sind seit den 1990er Jahren bereits Millionen von Afrikanern zum Opfer gefallen. Ganze Gesellschaften drohen ausgehöhlt zu werden.

Grundlage der Tagung ist eine breit angelegte Studie der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz, die im Auftrag der Bischöflichen Kommission Weltkirche durchgeführt wurde. Die Forschergruppe, zu der Mitarbeiter des Instituts für Weltkirche und Mission (Frankfurt am Main), des Missionsärztlichen Instituts Würzburg und von Missio Aachen gehören, haben in den zurückliegenden Jahren die kirchliche Arbeit zu HIV/AIDS in Äthiopien, Malawi und Sambia untersucht. In diesen Ländern – wie überall in Afrika – ist die katholische Kirche stärker als alle anderen religiösen und gesellschaftlichen Gruppen in der Betreuung der Kranken aktiv. Die neue Studie, die 2013 veröffentlicht werden soll, belegt, dass der ganzheitliche Ansatz der Kirche als tragfähig und richtungweisend angesehen werden darf. Er integriert medizinische, soziale, psychologische und pastorale Aspekte. Eine besondere Rolle spielen dabei die basisnahen Dienste; sie werden von Kirchengemeinden oder katholischen Dorfgemeinschaften mit professioneller Unterstützung der Diözesen organisiert. Von wachsender Bedeutung für das kirchliche HIV/AIDS-Engagement sind die ökumenische und die interreligiöse Kooperation.

Bei der Tagung in der äthiopischen Hauptstadt wurden auch die Schwierigkeiten der kirchlichen Arbeit dargestellt. Die Gesundheitsdienste und die pastoralen Angebote sind oft nicht ausreichend verzahnt. Des Weiteren besteht eine große Abhängigkeit von internationalen Geldgebern. Auf Seiten der katholischen Organisationen wird ein -verglichen mit anderen- unzureichender Zugang zu auswärtigen Finanzmitteln festgestellt.

Die katholische Kirche hat in den vergangenen beiden Jahrzehnten wesentlich dazu beigetragen, dass in den afrikanischen Gesellschaften die Stigmatisierung und Ausgrenzung von Menschen mit HIV und AIDS abgebaut werden konnte. Doch bleibt in diesem Bereich ebenso wie bei anderen Fragen von Mentalität und kultureller Tradition noch viel zu tun. Die Stärkung der Frauen, die oft den sexuellen Wünschen der Männer ausgeliefert sind, eine Veränderung männlicher Rollenbilder und die Überwindung der althergebrachten Praxis der Eheschließung bereits in sehr jungen Jahren sind einige der Themen, die bei der Tagung erörtert wurden. Die Kirche sieht sich aufgerufen, auch weiterhin auf ein gesellschaftlich-kulturelles Klima hinzuarbeiten, das Ansteckungen mit dem HI-Virus vermeiden hilft. Dazu gehört auch die sexualethische Unterweisung der Gläubigen. Abstinenz und Treue sind entscheidende Bausteine einer Präventionsstrategie gegenüber HIV/AIDS. Die Tagung hat aber auch herausgearbeitet, dass diese Empfehlungen nicht genügen, wenn einer der beiden Ehepartner infiziert ist. Zudem ist die Kirche mit der Lebenswirklichkeit vor allem junger Leute konfrontiert, die sich oft nicht in der Lage sehen, vollständig abstinent zu leben.

Zu den Ergebnissen der Tagung äußert sich Weihbischof Hans-Jochen Jaschke (Hamburg), der die Deutsche Bischofskonferenz in Addis Abeba vertrat: „Viele Beiträge aus Wissenschaft und Praxis machen deutlich: Armut, fehlende Gesundheitsvorsorge und unzureichende Bildungschancen sind weiterhin starke Antriebskräfte für die Verbreitung der Epidemie in Afrika. Hier leistet die Kirche wichtige und unverzichtbare Arbeit. Auch steht sie im Dienst der Menschen und eines gelingenden Lebens, wenn sie darauf beharrt, dass echte Liebe mit Enthaltsamkeit und Treue verbunden ist. Die Kirche weist Menschen aber nicht zurück und lässt sie nicht allein, wenn sie diesem hohen Ideal nicht oder noch nicht entsprechen. Aus den Beiträgen der Konferenzteilnehmer wurde ersichtlich: Die kirchliche Arbeit braucht eine klare und verständliche Botschaft. Sie muss immer auch dem einzelnen Menschen gerecht werden.“