Kirche in Japan -geschätzt und gewürdigt

Interesse wird geweckt durch christliche Musik, Filme und Bräuche

| 1065 klicks

Von Piero Gheddo

ROM, 16. September 2011 (ZENIT.org). - Die Ausstrahlung der Kirche in der japanischen Gesellschaft ist bemerkenswert, obwohl die Zahl der Getauften (400.000 von 126 Millionen Einwohnern) gering ist. Die christliche Gemeinschaft bezeugt ein anderes Leben, das bewundert wird, auch wenn die Bekehrung zu Christus nicht einfach ist.

Pater Alberto Di Bello, seit 40 Jahren PIME Missionar (PIME - Pontificio Istituto Missioni Estere – Päpstliches Institut für Mission im Ausland) in Japan und Pfarrer in Shizuoka, einer Stadt unweit von Tokio, erzählte mir: „Nach dem Krieg gab es einen wahren Boom von Konversionen, danach sind es weniger geworden. Heute ist die Kirche viel bekannter als Sie vielleicht denken, angesichts der geringen Zahl der Katholiken. Die Zeitungen berichten häufig über das Christentum, von ihren Ideen, von Gebräuchen der Christen und von Bischöfen, wenn sie etwas Bemerkenswertes getan oder gesagt haben. Die katholischen Schulen sind sehr beliebt und respektiert. Dann gibt es den Papst und andere christliche Persönlichkeiten, die Schlagzeilen machen. Nach Japan kommen häufig Ausländer zu Hochzeiten und Beerdigungen und so beginnen Gespräche über Bräuche, es wird nach Erklärungen gesucht und ich werde gefragt: ‚Auch ich möchte das Christentum kennenlernen'. So beginnen die Kontakte.“

Eine grundlegende Verpflichtung der japanischen Priester und Katholiken ist es, Christus den Nicht-Christen zu bezeugen. „Die beste Gelegenheit sind die Beerdigungen“, berichtete Pater Albert. „Bei den 750 Christen meiner beiden Pfarreien habe ich in drei Jahren 22 Beerdigungen in meiner Pfarrei und 12 in der kleineren gehabt; es waren sechs bis sieben Taufen von Kindern christlicher Eltern und fünfzehn Taufen von Erwachsenen (in meiner früheren Gemeinde hatten wir 100 Taufen pro Jahr, davon viele Erwachsene). Auch in Japan ist es so, dass mehr Menschen sterben als geboren werden.“

Auf die Frage, wieso die Kirche in Japan eine Anziehungskraft besitze, antwortete der Missionar: „Ihnen gefällt die Musik sehr, die Gesänge, auch die Gregorianik. Wenn sie als Touristen christliche Länder besucht haben, vor allem Italien und den Papst, sind sie voller Bewunderung, erschüttert und sprechen darüber, nicht wenige wollen dann das Christentum kennenlernen. Biblische oder christliche Filme, die wiederholt im Fernsehen ausgestrahlt werden, wecken auch Interesse. Auch unsere kleinen Kirchen, die an öffentlichen Straßen geöffnet sind, werden hin und wieder von Nicht-Christen besucht und sie fühlen gleichsam eine göttliche Präsenz, eine Atmosphäre der Besinnung, des Gebets, der Brüderlichkeit und des Friedens.“

Auf die Frage, warum Beerdigungen Nicht-Christen anziehen, erklärte Pater Alberto: „Die Japaner pflegen den Ahnenkult, aber die Buddhisten haben keinen großen Beerdigungskult (sie sprechen Gebete, die sie nicht verstehen), sie begehen die Jahrestage der Verstorbenen. Unsere Hochzeiten und Beerdigungen sind feierliche Zeremonien, an denen viele teilnehmen. Es gibt Blumen, Rituale, Weihrauch, Musik, Prozessionen, Segnungen und in der Predigt sagen wir, dass der Verstorbene jetzt ein von uns verschiedenes Leben lebt, im Schoß Gottes, der Vater aller Menschen ist.  Unter anderem haben wir für die Beerdigungen und Hochzeiten wunderschöne Lieder, sowohl mit den Texten als auch mit Melodien, die in Japan komponiert worden sind. Das sind Lieder, die den Japanern gefallen und sie anrühren, auch aufgrund der schönen Texte. Zunächst sind Lieder aus dem Italienischen oder Französischen übersetzt worden, dann begann man, sie in Japan selber zu komponieren.“

Auf die Frage, welches die größten Schwierigkeiten seien, die den Japanern bei einer Konversion begegnen, antwortete Pater Alberto: „Im Allgemeinen kommt die erste Schwierigkeit sozusagen aus dem Grab der Familie. Jede Familie hat eine Grabstätte, wo die Asche all ihrer Toten liegt. In Japan ist die Feuerbestattung obligatorisch. Das Grab der Familie ist heilig, weil es mit dem Ahnenkult verbunden ist und die Familie vereint. Für jedes Familienmitglied ist es verpflichtend, sich um das Grab zu kümmern, sich beim Jahresgedächtnis zu Ehren der Verstorbenen am Grab zu versammeln, die Kosten für die Grabpflege zu übernehmen.

Das Grab ist über der Erde, wie bei uns, aber es enthält nicht den Sarg mit dem Verstorbenen, sondern die Urne mit der Asche der Verstorbenen. All dies verbindet die Familie mit dem Ahnenkult. Die Religion zu wechseln ist schwierig. Eine andere Schwierigkeit besteht darin, die Wahrheit des Christentums zu akzeptieren, zum Beispiel, dass Gott Person ist, dass Gott für uns am Kreuz gestorben ist und uns liebt. Wenn ein Katechumene die christlichen Geheimnisse oder die Bedeutung des Messopfers nicht verstehen lernt, kommt er einige Male, findet es nicht gut und geht wieder fort.“

„Meine Hauptaufgabe als Pfarrer ist es, die Menschen einzeln zu treffen, weil es gemeinsam schwierig ist. Einzelne Personen zu treffen lässt eine herzliche Beziehung wachsen, mit Liebe und in Geduld miteinander zu sprechen, zu erklären und auf Fragen zu antworten. Man könnte sagen, es ist wie ein Fischen mit der Angel, nicht mit dem Netz. Wir müssen alle möglichen Situationen nutzen, um uns bekannt zu machen und Menschen zu treffen, um den Samen der Güte, der Liebe, des Evangeliums auszusäen. Aus diesem Grund organisieren wir Konzerte, Begegnungen, Gruppen, Wallfahrten, Konferenzen, Kindergartenfeste. Zudem haben wir über eine Internetseite der Pfarrgemeinde Kontakte.“

„Der ausländische Missionar ist auch aus folgendem Grund wichtig: Japan ist eine Insel und hatte schon immer die Tendenz, sich zu verschließen. Die Präsenz ausländischer Missionare eröffnet viele Perspektiven. Ein Missionar ist schon aus diesem Grund zu schätzen. Mit meinen Gemeindemitgliedern haben ich bereits viele Wallfahrten nach Rom und nach Lourdes gemacht, an denen auch nicht-christliche Freunde teilgenommen haben.“

Pater Alberto fragte ich dann, ob es in Japan die vollständige Religionsfreiheit gebe. „Absolut“, antwortete er. „Die Kirche ist nicht diskriminiert, im Gegenteil, sie genießt Ansehen für ihren Beitrag zur Humanisierung des japanischen Volkes. Aber man kann auch sagen, dass die Japaner und die japanische Kirche uns etwas lehren.“

[ZENIT-Übersetzung aus dem Italienischen]