Kirche in Norwegen

Bischof Grgic schildert Herausforderungen und Probleme der Diasporasituation bei Bischofssynode

| 929 klicks

VATIKANSTADT, 13. Oktober 2012 (ZENIT.org). - Am 13. Oktober stellte Bischof Grgic von Tromsø, Norwegen, während der 9. Generalkongregation der Bischofssynode die Arbeit und die Lage der Kirche in Norwegen in seiner deutschen Ansprache vor.

[Wir veröffentlichen den Wortlaut der Rede:]

Hintergründe und Voraussetzungen für die Neu-Evangelisierung im Bereich der Nordischen Bischofskonferenz

Die katholische Kirche in den nördlichen Ländern – Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden – ist eine ganz kleine Minderheit und hat so weder die Vor- noch die Nachteile, die die Kirche in traditionellen und überwiegend katholischen Gebieten oft hat. Trotz der zahlenmä0igen und gesellschaftlich geringen Bedeutung ist unsere Kirche aber eine wachsende Kirche. Neue Kirchen werden gebaut oder angekauft, neue Pfarreien errichtet, nicht-lateinische Riten kommen hinzu, es gibt relativ viele Konversionen und Erwachsenentaufen, es gibt Berufungen zum Priestertum und zum Ordensleben, die Zahl der Taufen übersteigt bei Weitem die der Sterbefälle und Austritte, und der sonntägliche Gottesdienstbesuch ist relativ hoch.

In Teilen der Gesellschaft besteht ein großes Interesse an Glaube und Spiritualität, sowohl bei Nichtgläubigen, die die Wahrheit suchen, als auch bei engagierten Christen anderer Konfessionen, die Vertiefung und Bereicherung im religiösen Leben anstreben. Es ist auch auffallend, dass verhältnismäßig viel kontemplative Ordensgemeinschaften in den letzten Jahren ihre Häuser errichtet haben.

Die Weitergabe des Glaubens ist oft durch die großen Abstände erschwert. Unsere Priester müssen viel reisen – manchmal bis zu 2000 Kilometer im Monat -, um unsere Gläubigen, die in den entferntesten Ortschaften wohnen, zu besuchen und mit ihnen die Gottesdienste zu feiern. In den Wintermonaten ist das sehr anstrengend.

Von großer Wichtigkeit, aber oft auch sehr schwierig, ist es, engagierte und gut gebildete Katecheten zu finden.

Eine weitere Herausforderung besteht darin, den Glauben an Kinder und Jugendliche weiterzugeben. Oft ist es schwer, die Kinder und Jugendlichen, aber auch ihre Eltern zur Teilnahme am Religionsunterricht zu motivieren. Vielen Eltern fehlt die Begeisterung, manchmal aber auch die Voraussetzung, besonders in den Mischehen, selbst ihren Kindern den Glauben weiter zu vermitteln.

Für die Einführung Erwachsener in den Glauben entsteht in mehreren Ländern ein eigentlichen Katechumenat, der gut angenommen wird. Oft bedarf es aber auch der Weiterentwicklung.

In unserer individualistischen Gesellschaft ist die persönliche Seelsorge sehr wichtig, um die Herzen der Menschen zu berühren. Vor allem die Priester müssen ein Gespür für die Lage, die Nöte und die Fragen der Menschen zeugen und in großem Masse sammelnde Personen sein. Die Gemeinden müssen im selben Sinne einladend und offen sein, so dass alle – Immigranten, Zugezogene und Kirchenfremde – sich willkommen fühlen.

Weitere zu entwickelnde Bereiche für die Neuevangelisierung sind die Medien, nicht zuletzt das Internet und die Verlage. In allen Ländern gibt es Zeitschriften, in einigen auch gut funktionierende Informationsdienste und die Herausgabe von Büchern.

Trotz der geschilderten Schwierigkeiten und Herausforderungen sind unsere Diasporagemeinden lebendige Glaubensgemeinschaften.