"Kirche in Not" hilft den Flutopfern in Bosnien-Herzegowina und Serbien

"Das Leid verbindet die Menschen"

Wien, (KIN Ös) | 312 klicks

Ein „unvorstellbares Ausmaß der Verwüstungen“ beklagte Pater Simo Marsic, Jugendseelsorger in der Erzdiözese Sarajevo und der Rektor des Jugendpastoralzentrums „St. Johannes Paul II.“ in Sarajevo, im Gespräch mit dem internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“.  Es sei jedoch „beeindruckend zu sehen, wie sehr die Menschen – seien sie Katholiken, Orthodoxe oder Muslime -  durch das Leid verbunden werden“. Es habe sofort eine große und echte Solidarität unter der Bevölkerung eingesetzt. Es werde dabei kein Unterschied zwischen den Angehörigen der verschiedenen Volksgruppen und Religionsgemeinschaften gemacht, obwohl es 21 Jahre nach dem Ende des Krieges noch immer viele Spannungen gebe.  Diese seien angesichts der Flut „vergessen“. Es sei „eine Gnade Gottes, dass die Menschen in dieser schweren Situation Mauern überwinden, die zwischen den Volksgruppen und Religionen bestehen“. 

Alle Mitarbeiter des Jugendpastoralzentrums unterstützten seit Beginn der Überschwemmungen die Caritas bei der Verteilung der Hilfsgüter. Viele Menschen hätten sich das Ausmaß der Katastrophe nicht vorstellen können und hätten sich geweigert, ihre Häuser zu verlassen. Für viele, die bereits im Krieg ihr Hab und Gut verloren haben, sei es besonders schwer gewesen, ihre Häuser zurückzulassen. „Die Erinnerungen an den Krieg waren an diesen Tagen wieder in den Köpfen der Menschen“, so Masic.

Insgesamt stehe ein Drittel des Landes unter Wasser, die Hälfte der Bevölkerung sei von den Überschwemmungen betroffen. Besonders groß sei nun die Gefahr durch Erdrutsche. „In einigen Orten sind bis zu 200 Häuser durch Schlammlawinen bedroht.  Viele Häuser sind schon vollkommen zerstört worden“, berichtete er. Dazu komme die Gefahr durch freigeschwemmte Landminen, die schwer einzuschätzen sei, sowie eine höhe Seuchengefahr durch verwesende Tierkadaver. Eine ähnliche Flutkatastrophe habe es in Bosnien zuletzt vor ca.120 Jahren gegeben.

„Es ist noch nicht abzusehen, wie stark die Zerstörungen sind, von denen Kirchen und kirchliche Gebäude betroffen sind“, erklärte Marsic. Es seien alle 40 katholischen Pfarreien mit ca.60.000 Gläubigen der Erzdiözese Sarajevo betroffen. Dabei sei es jedoch auch zu schönen Momenten gekommen. So sei in einem Ort eine Heiligenfigur aus einer Kirche geschwemmt worden. Ein Moslem habe sie in einer Straße gefunden und sie zurückgebracht, weil er wusste, dass sie aus einer katholischen Kirche stammte. „Die Not schweißt die Menschen enger zusammen“, betonte der Priester.

Für die Flutopfer in Bosnien-Herzegowina wie im benachbarten Serbien gewährt „Kirche in Not“ Hilfen in Höhe von 100.000 Euro. Die Erzdiözese Vrhbosna in Sarajevo erhält 50.000 Euro, die ebenfalls betroffene Diözese Banja Luka in Bosnien und die Erzdiözese Belgrad in Serbien je 25.000 Euro.