Kirche in Not-Präsident kritisiert die Trennung der Volksgruppen in Bosnien-Herzegowina

Verhängnisvolle Auffassung von Frieden

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KÖNIGSTEIN, 6. August 2012 (ZENIT/KIN). - Der geschäftsführende Präsident von „Kirche in Not“, Johannes Freiherr Heereman, hat den Versuch kritisiert, Konflikte in Bosnien-Herzegowina durch eine Trennung der Volksgruppen zu lösen. Das sei „eine verhängnisvolle Auffassung von Frieden“, sagte der Präsident, der soeben von einer Reise durch alle katholischen Diözesen des Landes zurückgekehrt ist.

Noch immer seien zahlreiche Dörfer zerstört und verwaist, in denen vor dem Bosnienkrieg (1992-95) katholische Kroaten gelebt hatten. Öffentliche Hilfsgelder kämen vor allem den nicht-katholischen Volksgruppen zugute. Die Rückkehr der im Krieg vertriebenen katholischen Kroaten werde mehrheitlich weder von der nationalen noch der internationalen Politik gewünscht und gefördert. „Ich habe den Eindruck, dass die meisten Politiker sich das Problem vom Halse schaffen wollen, indem sie die Volksgruppen nach Möglichkeit trennen“, so Heereman. „Frieden können die Volksgruppen aber nur zusammen erreichen. Sie müssen dabei unterstützt werden, Wege der Versöhnung zu finden.“

Es sei beeindruckend, so der Präsident weiter, wie stark sich die katholische Kirche in der Gesellschaft trotz ihrer geringen Mitgliederzahl für Frieden und Versöhnung einsetze. Vorbildlich sei beispielsweise die Jugendarbeit, die Mädchen und Jungen der verschiedenen Volksgruppen zusammenbringe. Dadurch werde ein konstruktiver Beitrag zu einer friedlicheren Gesellschaft geleistet. 

Auch in den katholischen karitativen Einrichtungen werde nicht auf die ethnische und religiöse Zugehörigkeit der Hilfsbedürftigen geachtet, sondern im Geiste christlicher Nächstenliebe Versöhnungsarbeit geleistet. „Es hat mich sehr beindruckt, wie liebevoll alte und schwerstbehinderte Menschen betreut werden, von denen mancherorts nur wenige katholisch sind. Wo die Kirche sich den Ärmsten ungeachtet ihrer Herkunft zuwendet, da gibt sie ein lebendiges Glaubenszeugnis“, unterstrich der Präsident von „Kirche in Not“.

Die Kirche bedürfe jedoch auch 17 Jahre nach Ende des Krieges dringend der Unterstützung aus dem Ausland. Viele Kirchen, Pfarrhäuser, Klöster und andere Einrichtungen seien noch immer zerstört. Zudem bemühe sich die Kirche nach Kräften, rückkehrenden Kriegsflüchtlingen dabei zu helfen, ihre Häuser und ihre Dörfer wieder aufzubauen. Es werde auch in Zukunft sehr viel Hilfe benötigt, betonte Heereman.

Trotz aller Bedrängnis und ihrer wirtschaftlichen Not sei die Kirche in Bosnien-Herzegowina jedoch „keine ängstliche Kirche“, sie zeichne sich durch ein „starkes Gottvertrauen“ aus.

„Kirche in Not“ unterstützt die katholische Kirche in Bosnien-Herzegowina regelmäßig. Im vergangenen Jahr hat das internationale katholische Hilfswerk der Kirche in dem südosteuropäischen Land mit 844.000 Euro geholfen.

Von den 835.000 Katholiken, die vor dem Krieg in Bosnien-Herzegowina lebten, sind nur 450.000 übrig geblieben. Die Hälfte der Bevölkerung bekennt sich heute zum Islam, rund 31 Prozent gehören der Serbisch-Orthodoxen Kirche an, 10 Prozent sind katholisch. Der Rest wird anderen Religionsgemeinschaften zugerechnet.