Kirche trauert um Opfer des Selbstmordattentats in Pakistan

"Wir sind sehr, sehr traurig", sagte Msgr. Sebastian Shah im Gespräch mit "Kirche in Not"

München, (KIN Ös) | 255 klicks

Zwei Selbstmordattentäter sprengten sich vor einer 130 Jahre alten Kirche im Norden Pakistans in die Luft. Mehr als 80 Menschen kamen bei dem Attentat ums Leben. Wenige Stunden nach dem Anschlag veröffentlichten die katholischen Bischöfe Pakistans eine Verlautbarung, in der sie die Morde, zu denen es am vergangenen Sonntag in der anglikanischen Allerheiligen-Kirche gekommen war, verurteilte.

In der Verlautbarung erklärte Erzbischof Joseph Coutts von Karachi, Vorsitzender der Bischofskonferenz von Pakistan: „Der Anschlag auf unschuldige Männer, Frauen und Kinder während des Gebets in der Kirche ist ein schändlicher Akt der Feigheit.“ 

Während eines Gesprächs mit Kirche in Not am Montag (23. September) sagte Bischof Sebastian Shaw, Apostolischer Administrator der Erzdiözese Lahore: „81 Menschen wurden gestern zu Grabe getragen, der Zustand einiger Überlebender ist nach wie vor kritisch. Das war sehr, sehr bedrückend.“

Während laut offiziellen Angaben 81 Menschen ums Leben kamen – und die Zahl der Verletzten beläuft sich derzeit auf 146 – ist aus einigen christlichen Quellen im Lande zu hören, dass die Zahl der Toten letztendlich bei über 100 Menschen liegen könnte. 

Die Attentäter sprengten sich unmittelbar nach dem Sonntagsgottesdienst vor der Kirche im Bezirk Kohati Gate in Peshawar  in die Luft. 

Peshawar ist die Hauptstadt der Provinz Khyber Pakhtunkhwa, die man früher auch als Nordwest-Grenzprovinz bezeichnete, in der es zahlreiche Stützpunkte islamistischer extremistischer Gruppen gibt. Die militante Gruppierung Tahrik-e-Taliban Jandullah erklärte, sie habe die Anschläge als Vergeltungsmaßnahme für die Drohnenangriffe der USA verübt.

Hingegen wurde in einer Erklärung der führenden Talibangruppe Pakistans, Tahrik-e-Taliban Pakistan, klar zum Ausdruck gebracht, dass diese keinerlei Verantwortung für den Anschlag auf die Kirche übernimmt. In seiner Verlautbarung sagte Erzbischof Joseph Coutts, der Vorfall sei ein „Beweis“, dass „eine zunehmende religiöse und sektiererische Intoleranz… ein alarmierendes Ausmaß erreichen“. 

Er verlangte, dass die Regierung „sofortige Schritte ergreifen muss, um die Verantwortlichen für diesen Anschlag festzunehmen“ und forderte die Behörden auf, die Gebetsstätten aller religiösen Minderheiten zu schützen.

Bischof Sebastian Shaw erklärte, das ganze Land sei über die Todesfälle erschüttert. Gegenüber Kirche in Not sagte er: „Wir sind sehr, sehr traurig darüber. Alle Menschen – besonders die Christen – aber ich glaube, alle Menschen in Pakistan – sind sehr, sehr traurig wegen dieses Vorfalls. Jeder bringt seine Trauer darüber zum Ausdruck, dass es unschuldige Menschen waren.“ Pakistans Premierminister Nawaz Sharif verurteilte den Anschlag mit den Worten: „Terroristen haben keine Religion – und auf unschuldige Menschen zu zielen, widerspricht der Lehre des Islams und aller anderen Religionen.“ Nach dem Attentat wurde eine dreitägige Staatstrauer vom 23. bis 25. September angeordnet. Erzbischof Coutts gab bekannt, dass auch die kirchlichen Bildungseinrichtungen in dieser Zeit geschlossen bleiben werden.