Kirche und Kommunikation: Kontroversen in „Dialog und Freundschaft“ verwandeln

Seminar für kirchliche Medienmitarbeiter an der Päpstlichen Universität Santa Croce in Rom

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ROM, 29. April 2008 (ZENIT.org).- Kontroversen, die in den Medien ausgetragen werden, sollten genutzt werden und echten Dialog und wahre Freundschaft fördern, bekräftigte Professor Marc Carroggio am 28. April bei der Eröffnung des insgesamt sechsten Journalismus-Seminars für kirchliche Medienmitarbeiter der Päpstlichen Universität Santa Croce in Rom.



Das Seminar dauert bis Mittwoch und widmet sich dem Thema „Kirchliche Kommunikation und Streitkultur“ („Church Communication & The Culture Of Controversy“).

„Man könnte sagen, dass dem Journalismus Konflikte gefallen“, erklärte Carroggio. „Ihm gefallen Diskussionen. Ohne eine gewisse Dosis Konflikt kann es weder eine ‚talk show’ noch eine politische Debatte geben, die imstande wäre, einen Sendeplatz in den Zeiten der höchsten Einschaltquoten zu ergattern“, so Carroggio vor rund 300 Seminarteilnehmern.

„Es ist notwendig darauf zu achten, wie man selbst aus scheinbar negativen Situationen Nutzen ziehen kann“, fügte der Fachmann hinzu. Kontroversen stifteten Verwirrung, führten zu Spannungen und würden Gesprächspartner dazu veranlassen, die Vorschläge der anderen Seite zurückzuweisen. Und es gelte, zwischen Krise und Kontroverse zu unterscheiden.

„Krisen und Kontroversen weisen Analogien auf. Beide haben einen negativen Charakter und sind öffentlich: Sie werden über die Kommunikationsmittel ausgetragen und erreichen eine große Anzahl von Menschen, die auf dem Gebiet, das zur Diskussion steht, keine Experten sind.“

Während Krisen aus Ereignissen hervorgingen, die mit einem Kontrollverlust einhergingen – „eine Naturkatastrophe, ein Unfall, ein Korruptionsfall oder ein Bankrot“ –, gehe es bei Kontroversen um unterschiedliche Vorstellungen, Werte und Vorschläge. „Man diskutiert über das, was gut und schlecht ist: Euthanasie, Experimente mit Tieren, Familienpolitik, Gesetze zu bioethischen Fragen. In Kontroversen treten Prinzipien und verschiedene Sichten der Welt gegeneinander auf“, erläuterte der Professor.

„Eine Krise bricht rasch und unerwartet herein. Eine Kontroverse dagegen ist in gewisser Hinsicht vorhersehbar.“ Aus diesem Grund müsse auf eine Krise rasch reagiert werden, denn schließlich wolle man den möglichen Schaden so weit wie möglich minimieren. „Eine Kontroverse lässt mehr Kontrolle zu. Sie erfordert eine überlegte, weitsichtige Kommunikationsarbeit.“

Um seine Erörterungen zu veranschaulichen, kam Carroggio auf Benedikt XVI. zu sprechen, der sich als Theologe wie auch später als Kardinal und Papst – gegen seinen Willen – in unterschiedliche Diskussionen hineingezogen gesehen habe.

„In diesen Zeiten der Medienkontroverse hat er nie diese friedliche Gelassenheit verloren, die ihn auszeichnet. Er ist seiner Methode treu geblieben: Vernünftiger Dialog, positive Darlegung der eigenen Gesichtspunkte, kristallklare Botschaften, größtmögliche Liebenswürdigkeit.“

Der Papst agiere, wie es jede Pressestelle tun sollte: „den Versuch zu unternehmen, die medial ausgeschlachteten Kontroversen in eine maieutische Bemühung zu verwandeln, aus der Dialog und Freundschaft hervorgehen können. Bei allen Diskussionen gewinnt man Freunde. Es gibt heute immer mehr Intellektuelle unter den Nichtchristen, die dem Papst interessiert zuhören.“

Benedikt XVI. ist nach den Ausführungen von Professor Carroggio ein sehr gutes Beispiel dafür, dass Kontroversen und Diskussionen – wenn sie gut geführt werden – nicht mehr sind als das andere Gesicht der Bedeutsamkeit des Diskussionsgegenstandes.

Die Seminarteilnehmer werden in diesen Tagen verschiedene Fallbeispiele analysieren, darunter die Kommunikationsarbeit, die den Kampf der Gemeinschaft Sant’Egidio gegen die Ausbreitung der Immunschwäche Aids begleitet hat, oder die Entwicklung von www.spqn.com, des katholische Podcast-Netzwerks, das die meisten Publikumspreise gewonnen hat.

Der Kongress führt Wissenschaftler, Verantwortliche von diözesanen Pressestellen und Pressesprecher von Bischofskonferenzen aus mehr als 60 Ländern in Rom zusammen.

Von Miriam Díez i Bosch; Übertragung ins Deutsche von Dominik Hartig