Kirche wird Moschee

Weihbischof Jaschke: Umwidmung nicht in unserm Sinne

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 837 klicks

In der Hansestadt Hamburg wird im Stadtteil Horn die ehemalige evangelisch-lutherische Kapernaum-Kirche in eine Moschee umgewandelt. Der neue Hausherr ist Daniel Abdin vom Islamischen Zentrum Al-Nour, der am 3. Oktober, dem „Tag der Deutschen Einheit“ und gleichzeitig auch „Tag der offenen Moschee“ das fertig umgewandelte Gebäude der Öffentlichkeit vorstellen will. Er hatte das stark sanierungsbedürftige und unter Denkmalsschutz stehende Gebäude des Architekten Otto Kindt (1909-2006) im Dezember vergangenen Jahres erworben. Es handelt sich um einen rautenförmigen Ziegelsteinbau mit einem markanten rechteckigen, 44 Meter hohen Turm. Die Kosten der Restaurierungsarbeiten werden auf eine Million Euro geschätzt. Das 2002 entwidmete Gebäude was zunächst an einen Hamburger Unternehmer verkauft worden, der hier altersgerechte Wohnungen und in der Kirche selber eine Kindertagesstätte einrichten wollte. Er hatte es im Dezember 2012 an den Verein Al-Nour weiterveräußert.

Der katholische Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke hat den Verkauf als „Missgeschick“ bezeichnet. „Die Umwidmung einer Kirche in eine Moschee ist nicht in unserem Sinn.“ Die Austauschbarkeit von Kirche und Christentum mit dem Islam entspreche nicht den Intentionen eines guten interreligiösen Dialogs.

Der Präsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover, Hans Ulrich Anke, äußerte sich ebenfalls kritisch gegenüber der Umwandlung. Die EKD setze sich dafür ein, dass Muslime in Deutschland ihre Religion frei ausüben könnten und dazu gehörten auch geeignete Gottesdiensträume. Doch die Umwandlung einer Kirche in eine Moschee sei kein angezeigter Weg. Eine Kirche solle immer Kirche bleiben.

Frank Schira, der kirchenpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion in Hamburg, appellierte an alle Beteiligten, über die Nutzung eines anderen Gebäudes als Moschee nachzudenken.

Die evangelische Bischöfin Kirsten Fehrs forderte einen „unaufgeregten Diskurs“, der „konsensorientiert und positiv“ gestaltet werden solle.

Helge Adolphsen, ehemaliger Pastor von St. Michaelis, des Hamburger „Michel“, und Ex-Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchenbautages sprach sogar von einem „Dammbruch".

Der Bundestagsabgeordnete Marcus Weinberg, Landesvorsitzender der CDU-Hamburg, kritisierte das Vorhaben ebenfalls: „Die Entscheidung des Al-Nour-Zentrums sehe ich sehr kritisch. Ich hoffe, dass das Bezirksamt Mitte hier unverzüglich aktiv wird und mit dem Verein über attraktive Gebäude-Alternativen spricht. Auch wenn an der rechtlichen Seite nichts zu beanstanden ist, bin ich der festen Überzeugung, dass dies wenig zu einem verbesserten Miteinander der Religionen und Kulturen beiträgt.“

Die EKD hat in einer Handreichung aus dem Jahr 2006 die Umwidmung einer Kirche in eine Moschee kritisch beurteilt. Ein solcher Schritt werde oftmals von vielen Christen nicht nur als ein persönlicher Verlust empfunden, sondern könne darüber hinaus auch zu Irritationen in der öffentlichen Wahrnehmung führen, heißt es.

Der Präses der Nordkirchen-Synode, der Grünen-Politiker Andreas Tietze äußerte gegenüber der „taz“, das Thema Verkauf der Kirche in Horn stehe in Gefahr, in „Islamophobie“ abzugleiten.

Die Deutsche Bischofskonferenz hat in ihren Leitlinien für den Verkauf von Kirchengebäuden festgelegt, dass die „kultische Nutzung“ durch nichtchristliche Religionsgemeinschaften „wegen der Symbolwirkung nicht möglich ist.“

Der Verein Al-Nour (arabisch = das Licht) engagiert sich nach eigenen Angaben seit 1993 für die Integration und den Dialog mit dem Christentum. Bisher nutzte die Organistion Al-Nour eine stillgelegte Garage im Stadtteil St. Georg als Gebetsraum. Der Vorsitzende Daniel Abdin kündigte sein Vorhaben als „Außen Kirche, innen Moschee“ an. Es werde ein „Mihrab“ eingerichtet, eine islamische Gebetsnische, welche die Gebetsrichtung anzeigt. Damit werde aus dem Gotteshaus wieder ein Gotteshaus.