Kirchenbau-Projekt in Tarsus: Kardinal Meisner bittet türkischen Ministerpräsidenten um Unterstützung

Anlass ist das Paulus-Jahr 2008/2009

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KÖLN/ANKARA, 12. März 2008 (ZENIT.org).- Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat den türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan um Unterstützung gebeten, in Tarsus eine Kirche zu bauen. Das berichtet die Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln in ihrer Ausgabe vom 7. März. Anlass ist das von Papst Benedikt XVI. ausgerufene Paulus-Jahr 2008/2009. Der Völkerapostel wurde vor 2000 Jahren in Tarsus geboren.



Kardinal Meisner hält es nach Angaben des Erzbischöflichen Ordinariats zudem für denkbar, in der Geburtsstadt des Apostels Paulus das dortige, vom Staat konfiszierte Museum wieder seiner frü¬heren Nutzung als Kirche zuzuführen.

Meisner weist in einem Brief an den türkischen Regierungschef vom 14. Februar darauf hin, dass das Festjahr zum 2000. Geburtstag des Apostels Paulus, das am 28. Juni beginnen wird, tausende Pilger aus der ganzen Welt in Tarsus zusammenströmen lassen werde. Er selbst, so der Kardinal, werde im Herbst mit einer Delegation der Deutschen Bischofskonferenz die Paulusstadt aufsuchen.

Bei seinen Überlegungen beruft sich Kardinal Meisner auf das in der türkischen Verfassung garantierte Recht auf freie Religionsausübung. Darüber hinaus würde eine Geste des guten Willens in Tarsus von der gesamten Weltchristenheit dankbar vermerkt und speziell in Köln auch die Beziehungen zu der hier lebenden türkischen Kommunität verbessern.

Bei seinem Besuch in Köln Anfang Februar hatte Ministerpräsident Erdogan seine Unterstützung für die Baupläne in Tarsus zugesagt. Laut einer Pressemitteilung der Stadt Köln hatte er geäußert: „Sobald die Kirche mit diesem Wunsch auf mich zukommt, werde ich mich dafür aussprechen – auch gegen meine Opposition.“ Bereits im Juli des vergangenen Jahres hatte Kardinal Meisner im gleichen Sinne den Dialogbeauftragten der Türkisch-Islamischen Union (DITIB), Bekir Alboga, brieflich gebeten, sich als Zeichen des guten Miteinanders gemeinsam für den Bau einer Kirche in Tarsus einzusetzen.

Im Gespräch mit ZENIT hatte der Apostolische Vikar von Anatolien, Bischof Luigi Padovese, Anfang Februar darauf hingewiesen, dass das Paulus-Jahr unter anderem eine „exzellente Gelegenheit“ darstelle, um mit den religiösen und politischen Verantwortlichen der Türkei ins Gespräch zu kommen. Auch die Ökumene werde davon profitieren, hatte der Vorsitzende der Türkischen Bischofskonferenz bekräftigt. Orthodoxe Würdenträger seien an der Durchführung des Projektes beteiligt, darunter der ökumenische Patriarch Bartholomaios I. Die türkischen Autoritäten seien grundsätzlich am Projekt interessiert, hätten aber bis zum damaligen Zeitpunkt eine Anfrage betreffend den Bau einer Kirche zu Ehren des heiligen Paulus in Tarsus nicht beantwortet.