Kirchenmusik braucht vatikanische Institution zu ihrer Erhaltung

Forderung des Präsidenten des Päpstlichen Instituts für Kirchenmusik

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VATIKAN, 20. Mai 2003 (ZENIT.org).-Die liturgische Musik ist für die Kirche von großer Bedeutung, doch gibt es seltsamerweise keine vatikanische Institution, die sich ihrer annimmt. Der Präsident des Päpstlichen Instituts für Kirchenmusik, Valentino Miserachs Grau ist der Meinung, dass die "Einrichtung einer solchen Stelle wünschenswert sei".



"Der Maestro" der Erzbasilika Santa Maria Maggiore, dessen Domkapitel er auch angehört, plädiert für eine Einrichtung zur Erhaltung der Kirchenmusik.

Miserachs erklärte dies nach seiner Rückkehr aus Spanien Zenit gegenüber, wo er anlässlich des 100. Jahrestages des Motu Proprio "Inter Solicitudines" des heiligen Papstes Pius X. einige Vorträge gehalten hatte.

Bisher ist die Kirchenmusik in keinem vatikanischen Dikasterium Gegenstand einer Institution geworden, wie dies zum Beispiel für die Kultur, die Medien, die Bildung und die Kulturgüter des Vatikans geschehen war.

Derzeit obliegt es der Kongregation für Gottesdienst und Sakramentenordnung, in dieser Materie zu entscheiden, obgleich auch andere Kongregationen dabei beteiligt sind, wie jene für das katholische Bildungswesen, die Kultur, die Bischöfe und andere, denn die Kirchenmusik erstreckt sich über ganz verschiedene ekklesiologische, disziplinäre, theologische und liturgische Bereiche.

Es sind eigentlich die Bischofskonferenzen, die konkret damit betraut sind und daher auch Texte edieren und liturgischen Gesang zusammenstellen und herausgeben.

"Die Kirchenmusik ist nicht nur eine ästhetische Angelegenheit, sondern sie betrifft zutiefst das Leben der Kirche: Lex orandi lex credendi (wie ich bete, so glaube ich auch)", zitiert Miserachs mahnend.

In der dogmatischen Konstitution "Sacrosanctum Concilium" des Zweiten Vatikanischen Konzils heißt es in Kapitel 6, dass die Musik nicht nur schmückendes Beiwerk sei, sondern auch und vor allem Ausdruck des Gebets.

In diesem Sinne erwähnt der katalonische Kirchenmusiker auch diese Konstitution und erinnert daran, dass "es zwar positiv war, populäre Formen der Kirchenmusik als Eingehen auf die moderne Sensibilität zu fördern, doch ohne dabei den ehrwürdigen gregorianischen Choral noch die klassische Polyphonie weniger zu achten".

Tradition und Erneuerung in der Kirchenmusik war auch schon der Gedanke, der im Jahre 1903 dem Motu Proprio des heiligen Papstes Pius X. über die Kirchenmusik zugrunde lag.

Der Komponist Miserachs meint auch, es sei notwendig, den gregorianischen Choral zu erhalten: "Gregorianisch ist universell, ein Instrument der Katholizität. Der Komponist Lluis Mollet, ein Landsmann von mir, pflegte immer zu sagen, dass der Choral und das Volksrepertoire eben deshalb anonym sind, weil sie vom Himmel kommen".

Miserachs ist Präsident des Päpstlichen Instituts für Kirchenmusik, dessen Aufgabe es ist, Studenten auszubilden, die nach Rom kommen, um die Kirchenmusik des Westens zu studieren und diese zu orientieren und zu beraten.

Es gibt verschiedene Ausrichtungen - Gregorianik, Komposition, Chorleitung, Musikwissenschaft und Musikforschung. Die Studenten stammen aus der gesamten Weltkirche. Immer mehr kommen aus Osteuropa und Korea, zunehmend auch aus afrikanischen Ländern.

Miserachs steht dem Institut seit 1995 vor, ist Priester und Komponist zugleich und war fünf Jahre lang Organist in Sankt Peter. Er hat über 2000 Werke verfasst und neben anderen Auszeichnungen den Orden "Alfons X. der Weise" bekommen.