Kirchliche Gerichte leisten Wahrheits- und Liebesdienst

Msgr Antoni Sankiewicz, Dekan des Gerichtshofs der Römischen Rota, zieht Bilanz

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ROM, 31. Januar 2006 (ZENIT.org).- Ein Jahr nach der Veröffentlichung von \"Dignitas connubii\" (\"Die Würde der Ehe\"), jener Instruktion, in denen Leitlinien zum Ehe-Nichtigkeitsverfahren dargelegt werden, zog Msgr Antoni Sankiewicz, Dekan des Gerichtshofs der Römischen Rota, am Samstag positive Bilanz und bezeichnete die diesbezüglichen Arbeiten an den kirchlichen Gerichten als einen Wahrheits- und Liebesdienst.



Anlässlich der jedes Jahr stattfindenden Audienz des Papstes für die Mitglieder der Rota erklärte der Priester, dass die am 25. Januar 2005 vom Päpstlichen Rat zur Interpretation von Gesetzestexten veröffentlichten Bestimmungen die Eheprozesse nicht komplizierter und die Erklärung der Nichtigkeit einer Ehe nicht unmöglich machten, sondern dass sie vielmehr eine wirksame \"Hilfe für die Richter und diejenigen darstellen, die an den kirchlichen Gerichten arbeiten. Das Gerichtsverfahren in Sachen Ehe-Nichtigkeit ist nicht nur ein Wahrheitsdienst, sondern auch ein Liebesdienst\", versicherte der Dekan.

Am 1. Januar 2004 wurden seinen Aussagen zufolge am Gerichtshof der Römischen Rota 1063 solcher Ehe-Nichtigkeitsverfahren geprüft, am 31. Dezember seien es 1054. Im Laufe des genannten Jahres wurden 246 Eheverfahren in Rom vorgebracht (163 aus Europa, 73 aus Amerika sowie 10 aus Asien).

\"Die Richter fällten 289 Urteile, von denen 141 einen endgültigen Charakter besaßen. Bei einem dieser Urteilssprüche handelt es sich um ein Strafverfahren, hat also nicht mit einem Ehe-Nichtigkeitsverfahren zu tun, da sich der Gerichtshof auch mit anderen Angelegenheiten befasst. In den 140 Urteilessprüchen, die sich auf Eheprozesse beziehen, wurde 69 Mal die Nichtigkeit der Ehe festgestellt und 71 Mal der bestehende Ehebund.\" Ein Viertel aller Verfahren konnte eine kostenlose Abwicklung in Anspruch nehmen, sagte Msgr Sankiewicz.

Gemäß der Instruktion \"Dignitas connubii\", die nur für die Gerichte der lateinischen Kirche Gültigkeit besitzt, liegt das Recht, über die Annullierung von Ehen im Fall von Staatsoberhäuptern zu entscheiden, allein \"in der Kompetenz des Bischofs von Rom\".

Kirchliche Gerichte lösen keine Ehen auf, sondern untersuchen, \"ob eine Ehe wirklich bestanden hat\", erklärte Kardinal Julián Herranz, Präsident des Päpstlichen Rates zur Interpretation von Gesetzestexten bei der Vorstellung des Dokuments im Februar des vergangenen Jahres. \"Das ist der Unterschied zu den staatlichen Gerichten in Ländern, in denen Scheidung erlaubt ist: Diese suchen nämlich nach der Auflösung einer Ehe. Man verwechselt das oft. Kirchliche Gerichte erklären die Nichtigkeit einer Ehe. Sie müssen sich der Wahrheit über die Ehe sicher werden, ob es also im Moment der Eheschließung einen Fehler gegeben hat, der diese Ehe ungültig macht, und ob deshalb die Ehe tatsächlich nicht existiert hat.\"