Klarer Tag

von Richard Dehmel (1863-1920)

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 256 klicks

Der Himmel leuchtet aus dem Meer;
ich geh und leuchte still wie er.

Und viele Menschen gehn wie ich,
sie leuchten alle still für sich.

Zuweilen scheint nur Licht zu gehn
und durch die Stille hinzuwehn.

Ein Lüftchen haucht den Strand entlang:
o wundervoller Müßiggang.

***

Richard (Fedor Leopold) Dehmel wurde am 18. November 1863 in Hermsdorf bei Wendisch Buchholz in der Mark Brandenburg geboren. Nach dem Abitur nahm Dehmel 1882 in Berlin ein Studium der Naturwissenschaften, Nationalökonomie und Philosophie auf, das er 1887 mit einer Promotion abschloss. Im Anschluss war er im Versicherungswesen, beim Zentralverband Deutscher Privater Feuerversicherungen, in Berlin tätig.

1893 zog Dehmel nach Hamburg, wo sein Freund Detlev von Liliencron (1844-1909) lebte. 1895 war Dehmel einer der Mitbegründer der Zeitschrift PAN und widmete sich fortan hauptberuflich der Schriftstellerei. Während des Ersten Weltkriegs diente Dehmel, der sich freiwillig gemeldet hatte, an der Front. Er sollte 1920, am 8. Februar, an den Folgen einer im Krieg zugezogenen Venenentzündung sterben.

Dehmels Gedichte, die auch von Kollegen wie Rainer Maria Rilke (1875-1926) oder Thomas Mann (1875-1955) geschätzt wurden, wurden von bedeutenden Komponisten wie Richard Strauss (1864-1949) , Arnold Schönberg (1874-1951) - „Verklärte Nacht“ aus dem Jahr 1899 - oder Kurt Weill (1900-1950) vertont.