Klon-Experimente in Großbritannien sind ethisch inakzeptabel und wissenschaftlich fragwürdig

Einem Wissenschaftler soll es gelungen sein, geklonte Mensch-Tier-Embryonen herzustellen

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NEWCASTLE/EDINBURGH/BERLIN, 2. April 2008 (ZENIT.org).- In Großbritannien soll es nach Medienangaben dem Wissenschaftler Dr. Lyle Armstrong von der Universität Newcastle gelungen sein, geklonte Mensch-Tier-Embryonen herzustellen und diese bis zu drei Tagen am Leben zu erhalten.



Die Forschungen waren von der zuständigen Behörde, der „Human Fertilisation and Embryology Authority“, genehmigt worden. Über den Gesetzestext, der solche Experimente in Zukunft im großen Stil ermöglichen könnte, wird im britischen House of Commons nicht vor Mai debattiert werden.

Kardinal Keith O'Brien, Erzbischof von Saint Andrews and Edinburgh, zeigte sich in der vergangenen Woche erschüttert angesichts dieser politischen Bestrebungen: „Es ist schwierig, sich einen einzelnen Gesetzestext vorzustellen, der die Heiligkeit und Würde des menschlichen Lebens umfassender angreifen würde als dieses Gesetz“, stellte er fest.

Anlässlich des Bekanntwerdens geklonter Mensch-Tier-Embryonen in Großbritannien hat sich in einer heute veröffentlichten Presseerklärung auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe zu Wort gemeldet. Der Berichterstatter für Bioethik und Gentechnik der CDU/CSU-Arbeitsgruppe Gesundheit und in der 14. und 15. Wahlperiode stellvertretender Vorsitzender der Enquete-Kommission „Ethik und Recht der modernen Medizin“ meldete auch mit Blick auf die Stammzelldebatte ernste Bedenken an.

„Die britischen Tier-Mensch-Klonexperimente sind in mehrfacher Hinsicht ethisch inakzeptabel und wissenschaftlich fragwürdig. Sie werfen auch Fragen im Kontext der aktuellen deutschen Stammzelldebatte auf. Wer garantiert etwa, dass nicht früher oder später die Forderung nach Import von Stammzellen aus solchen geklonten Mensch-Tier-Embryonen erhoben wird? Denn schließlich ist das Ziel der britischen Tier-Mensch-Klonexperimente die Herstellung neuer Stammzelllinien, so die Universität Newcastle auf ihrer Homepage.“

Das Klonen von Mensch-Tier-Embryonen, so unterstreicht Hüppe, verletze mehrere ethische Grenzen: „Es handelt sich um eigens zu Forschungszwecken hergestellte Embryonen (Forschungsembryonen), die nach dem britischen Gesetz spätestens nach 14 Tagen getötet werden müssen.

Die Embryonen werden durch Klonen nach dem Dolly-Verfahren hergestellt. Das Klonschaf Dolly verdankte sein Leben dem Transfer eines erwachsenen Zellkerns in eine Eizelle, deren Zellkern zuvor entfernt worden war. Dieser Klonembryo wurde von einer Leihmutter bis zur Geburt von Dolly ausgetragen.

Das neue Klon-Experiment überschreitet die Gattungs-Grenzen zwischen Mensch und Tier. Weil menschliche Zellkerne in zuvor entkernte Eizellen von Kühen verpflanzt wurden und weil die entkernten Kuh-Eizellen noch eine gewisse Menge Erbmaterial (so genannte mitochondriale DNA) enthalten, sind die erzeugten Embryonen teilweise menschlich und teilweise tierisch.“

Der Bundestagsabgeordnete wies darauf hin, dass es weltweit nie gelungen sei, aus mit menschlichen Eizellen geklonten menschlichen Embryonen („therapeutisches Klonen“) embryonale Stammzellen zu gewinnen. „Entsprechende Behauptungen einer koreanischen Gruppe um Woo-suk Hwang hatten sich vor zwei Jahren als der größte Forschungsbetrug der jüngeren Geschichte entpuppt“, fügte der Experte hinzu. „Das umstrittene therapeutische Klonen ist als wissenschaftliche Sackgasse aufgegeben.“

In diesem Zusammenhang erinnerte Hüppe daran, dass sich der Klon-Pionier Ian Wilmut, „Vater“ des Klonschafs Dolly und Inhaber einer britischen Lizenz zum Klonen menschlicher Embryonen, Ende November völlig vom Klonen und embryonalen Stammzellen abgewandt habe, um sich der ethisch unproblematischen Reprogrammierung erwachsener Zellen zu „induzierten pluripotenten Stammzellen“ (iPS-Zellen) nach dem Verfahren von Yamanaka zuzuwenden (vgl. ZENIT vom 19. November 2007).

„Nicht zuletzt befremdet, dass die britischen Klonforscher per Pressemitteilung etwas behaupten, das sie nicht mit einer wissenschaftlichen Publikation belegen, anhand derer ihre Fachkollegen die Stichhaltigkeit der Behauptung überprüfen und sachkundig diskutieren könnten“, so der Bundestagsabgeornete abschließend.

Die deutschen Politiker werden am 11. April in namentlicher Abstimmung über die Änderung des Stammzellgesetzes beschließen. Diese folgenschwere Entscheidung hat der Kölner Erzbischof Kardinal Meisner zum Anlass genommen, alle Verantwortlichen zum Schutz des Menschen aufzurufen. Sein Appell findet sich in der heutigen Ausgabe unter Dokumente.

Von Dominik Hartig