Kolumbien: Bischöfe fordern Freilassung aller Entführten

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BOGOTA, 6. Juli 2007 (ZENIT.org).- Die Kolumbianische Bischofskonferenz hat die „bedingungslose Freilassung“ aller entführten Personen in dem südamerikanischen Land gefordert. In einem öffentlichen Schreiben fordern die Hirten zudem die Regierung zur Unterzeichnung einer humanitären Vereinbarung auf.



Die kolumbianischen Oberhirten haben sich mit ihrem Schreiben dem öffentlichen Aufruf von Papst Benedikt XVI. angeschlossen, der am Sonntag während der Ansprache zum traditionellen Angelusgebet den Blick der Weltöffentlichkeit auf das Problem der Entführungen gelenkt hatte.

„Aus Kolumbien kommt die traurige Nachricht der brutalen Ermordung von elf regionalen Abgeordneten des Departements Valle del Cauca, die seit mehr als fünf Jahren in den Händen der ‚Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens‘ waren“, mahnte der Papst. „Während ich für ihr Seelenheil mein Gebet erhebe, schließe ich mich dem tiefen Schmerz der Familienangehörigen und der geliebten kolumbianischen Nation an, die erneut vom Bruder mordenden Hass in Trauer gestürzt wird.“ Der Heilige Vater appellierte, dass „sofort jede Entführung aufhöre und all diejenigen ihren Lieben zurückerstattet werden, die noch immer Opfer von solch unzulässigen Formen von Gewalt sind“.

Nirgendwo in der Welt werden so viele Menschen entführt wie in Kolumbien. Im Schnitt sind es 3.000 jährlich. Täter sind dabei die verschiedenen Guerillaorganisationen, die rechtsextremen Paramilitärs oder gewöhnliche Kriminelle. Im Land hat sich eine regelrechte „Entführungsindustrie“ entwickelt.

„Wir verurteilten diesen neuerlichen Angriff gegen das Leben, für den wir alle verantwortlich sind, und weisen ihn zurück“, schreiben die kolumbianischen Bischöfe in ihrem kürzlich vorgelegten Schreiben. „Die Entführung ist eine der bösartigsten Formen von Gewaltausübung, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das nicht nur die Person des Entführten selbst trifft, sondern auch seine Angehörigen und seine Umgebung, kurz gesagt, das ganze Land. Angesichts dieser tiefen Verachtung des Lebens verkünden wir noch einmal dessen heilige Natur, weil es von Gott selbst kommt.“

Die kolumbianischen Bischöfe proklamieren und verteidigen in dem Dokument „die unveräußerliche Würde und die unveräußerlichen Rechte der menschlichen Person, darunter die der Freiheit in ihren unterschiedlichen Ausprägungen“. Und deshalb fordern sie „die bedingungslose Freilassung aller entführten Männer und Frauen“.

Die Hirten erneuern darüber hinaus ihr Angebot, bei der Übergabe der Leichen der ermordeten Abgeordneten und des Majors Guevara Castro, der bereits am 28. Januar 2006 in Gefangenschaft gestorben war, als Vermittler zu fungieren. Diese Übergabe sie ein „ein Imperativ der Menschlichkeit, der den Schmerz und die Trauer der Verwandten teilweise lindert“.

In ihrem Schreiben bitten die Bischöfe „die Bundesregierung um die Umsetzung einer humanitären Vereinbarung, der allen, die ungerechterweise ihrer Freiheit beraubt worden sind, die sichere und heile Rückkehr in ihr Zuhause erlaubt“. Die Guerilleros werden diesbezüglich dazu angehalten, dem Aufruf des kolumbianischen Volkes nachzukommen. „Wir sind bereit und darauf bedacht, diese Vereinbarung zu vermitteln“.

Während einer gemeinsamen Heiligen Messe in der Kathedrale von Bogota erbaten die Bischöfe zusammen mit den Gläubigen von Jesus Christus, dem Friedensfürst, das Geschenk des so sehr ersehnten Friedens.