„Komm, Herr Jesus!“ Christen ersehnen nicht das Ende der Welt, sondern das Ende jeder Ungerechtigkeit

Wiederkunft des Herrn und ewiges Leben - Zwölfte Paulus-Katechese von Papst Benedikt XVI.

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ROM, 12. November 2008 (ZENIT.org).- Wenn der Christ betet „Komm, Jesus!“, so betet er nicht für das Ende dieser Welt, sondern vielmehr für das Ende jeder Ungerechtigkeit, das Ende der Ablehnung Gottes und jeglicher Gewalt. Das erklärte Papst Benedikt XVI. heute vor rund 15.000 Pilgern, die an seiner Generalaudienz teilnahmen.

Benedikt XVI. verwies im Rahmen seiner Katechese auf Ungerechtigkeiten und Gewalt. Die Situation der Flüchtlinge in Darfur und in Nord-Kivu schloss er in sein Gebet ein. Christus möge zu den Drogenkonsumenten kommen, betete der Papst, und „zu den Reichen, die Gott vergessen haben“. Aber auch zu den Menschen, für die er zum Unbekannten geworden sei.

„In diesem Sinne beten wir mit dem heiligen Paulus: ‚Maranà, thà! – Komm, Herr Jesus!’ Und beten wir darum, dass Christus heute in unserer Welt wirklich gegenwärtig sei und sie erneuere.“

In Forsetzung seiner Katechesenreihe über die Theologie und Spiritualität des Völkerapostels Paulus betonte der Papst unter dem Thema „Wiederkunft des Herrn und das ewige Leben“, dass ein Christ hoffnungsvoll die Wiederkehr Jesu erwarten dürfe. Diese Haltung, die in ihm innere Freiheit angesichts der Ängste der Welt schaffe, lasse jedoch seine Verantwortung gegenüber den Schwestern und Brüdern wachsen.

Papst Benedikt betrachtete diesmal die „neue Perspektive“, die durch die Auferstehung eröffnet worden sei. Diese Perspektive artikuliere sich in der „Erwartung der Wiederkunft des Herrn“, in der „Beziehung zwischen der Gegenwart und der Zukunft, wenn Christus das Reich dem Vater übergeben wird“.

In seinem um das Jahr 52 geschriebenen ersten Brief an die Thessalonicher spricht Paulus von der „parousia“, der „Wiederkunft“ Christi. Mit seiner lebendigen Betonung und in symbolischen Bildern trage Paulus dort „eine einfache Botschaft“ vor: „Am Ende werden wir immer mit dem Herrn sein“, was heiße, dass unsere Zukunft eine Zukunft mit Christus sei. Als Gläubige seien die Christen bereits jetzt mit dem Herrn vereint, und die Zukunft sei bereits angebrochen.

Im zweiten Brief an die Thessalonicher spreche Paulus dann von negativen Ereignissen, die dem Endereignis vorangingen. Der Apostel betone, dass man sich von dem Gefühl, die Wiederkunft Christi stehe unmittelbar bevor, nicht täuschen lassen dürfe. Denn vor der Wiederkunft komme es zur „Apostasie“, das heißt zum Glaubensabfall. Die Gestalt, die die christliche Tradition später den „Antichristen“ nennen würde, habe Paulus nicht näher erklärt, so der Papst.

Benedikt XVI. bekräftigte, dass die Erwartung Christi nicht vom Engagement in dieser Welt befreie, sondern vielmehr Verantwortung beinhalte, ja die Verantwortung für die Arbeit in dieser Welt soagr wachsen lasse. Der Verweis auf das Gleichnis von den Talenten, in dem der Herr fragt: „Habt ihr Früchte gebracht?“, betone, dass die Erwartung seiner Wiederkunft die Verantwortung für diese Welt umfasse.

Diese Haltung habe Paulus gehabt, als er im Gefängnis auf jenes Urteil gewartet habe, das seinen Tod bedeuten würde. „Er denkt an seine Zukunft mit dem Herrn, aber auch an seine Gemeinde.“ Paulus habe keine Angst vor dem Tod, da dieser vollständige Einheit mit Christus bedeute. Er wisse sich im Einklang mit der Gesinnung Jesu, der nie für sich selbst, sondern immer für die Menschen gelebt habe. Dies werde zu seinem Lebensprogramm: ein Leben für Christus und damit für die Erneuerung der Welt.

Was die Grundhaltungen des Christen hinsichtlich der letzten Dinge angeht, betonte Benedikt XVI.: Zunächst sei die Gewissheit zu nennen, „dass Jesus auferstanden ist“. Mit dem Vater sei er für immer mit uns: „ Keiner ist stärker als Christus.“ Christen könnten deshalb sicher und frei von jener Angst vor bösen Geistern leben, die in der damaligen Welt weit verbreitet gewesen seien. Auch heute würden Missionare neben den positiven Inhalten der Naturreligionen mit diesen Ängsten konfrontiert, so der Papst.

Zweitens müsse die Gewissheit gegeben sein, „dass Christus mit mir ist und in Jesus die künftige Welt schon begonnen hat“. Es handle sich dabei um die „Gewissheit der Hoffnung“, dass die Zukunft trotz aller aktuellen Angst nicht im Dunkeln liege.

Dass der Richter, der zurückkehren werde, „gleichzeitig Richter und Heiland“ sei, bedeute eine dritte Gewissheit: Gott habe uns unsere Talente gegeben; aus diesem Grund „tragen wir Verantwortung für die Welt und die Brüder in Christus“. Wir lebten dies aber „in der Gewissheit seiner Barmherzigkeit“. Weil Christus der gute Richter sei, „können wir seiner Güte sicher sein und mit großem Mut voranschreiten“.

Der letzte „etwas schwierige“ Punkt, mit dem sich Benedikt XVI. auseinandersetzte, betraf jene Situation, in der sich Paulus befand, als er am Ende des zweiten Briefs an die Korinther ein Gebet wiederholt, das in den ersten christlichen Gemeinden in Palästina entstanden ist: „Maranà, thà! – Komm, Herr Jesus!“ Auch wir dürften so beten, erklärte der Heilige Vater. Allerdings habe es den Anschein, dass es für den Menschen von heute schwierig sei, für das Ende der Welt zu beten. Wir dürften so beten, da wir nicht das Ende der Welt, sondern das Ende der ungerechten Welt wollten. Wir wünschten uns, „dass die Welt grundlegend verändert wird, dass Gerechtigkeit und Frieden herrschen, ohne Gewalt, ohne Hunger.“ All dies könne nur durch die Gegenwart Christi geschehen.

„Komm auf deine Weise, und erneuere die Welt von heute“, betete der Heilige Vater. „Komm auch in unsere Herzen. Komm, und erneuere unser Leben! Komm in unser Herz, damit wir selbst Licht Gottes werden können, deine Gegenwart.“