Kommentar von Pater Bernd Hagenkord SJ zum "Medienhype in Limburg"

Keine medial inszenierten Opferhandlungen

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 731 klicks

Pater Bernd Hagendkord SJ kommentierte am Sonntag, dem 13. Oktober, den Medienhype um den Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst. Die Medien konzentrierten sich darauf, so der Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, jedes Detail aufzubereiten und breit zu treten. Die Kirche befinde sich in einer Glaubwürdigkeitskrise; deshalb seien Ehrlichkeit, Transparenz und das Übernehmen von Verantwortung gefragt und nicht medial inszenierte Opferhandlungen.

„Gottes teurer Diener“ ist der Titel des neuen Spiegel. Seit Tagen hören wir dauernd Neues aus Limburg, die großen Medien werden nicht müde, jede Einzelheit und jeden Vorwurf einzeln zu benennen. Quasi im Stundentakt wurden die Meldungen aktualisiert, kommt Bischof Tebartz-van Elst nach Rom, kommt er nicht, Kameras wurden am Flughafen aufgebaut, Listen im Internet veröffentlicht, mit Titeln wie „Protzbischof“ das Urteil gleich vorweg genommen und mit dem Vergleich zu Papst Franziskus ein medial schön aufzubereitender Kontrast geschaffen.

Die Geschichte um den Limburger Bischof hat zwei Enden. Das eine Ende ist Transparenz, Offenheit und Verantwortung. Ohne das kommt das Bistum und kommt der Bischof nicht aus der Situation heraus. Was auch immer beim Bau des Bischofshauses und beim Flug nach Indien vorgefallen ist, Ehrlichkeit und Transparenz sind notwendige Schritte. Und natürlich, Verantwortung zu übernehmen. Vor allem anderen muss das immer wieder klar gemacht und betont werden.

Das zweite Ende ist aber die Übertreibung, den wir im Augenblick medial beobachten. Medien verstärken Prozesse, das ist Teil des Lebens. Aber wenn man sich nur noch gegenseitig zitiert, wenn überteuerte Badewannen wichtiger sind als Koalitionsgespräche in Berlin oder Tote vor Lampedusa, dann stimmt da was nicht.

Wenn wir die Transparenz und die Verantwortung einfordern, und es gibt wenige Katholiken, die das nicht wollen, dann hilft es nicht, ein Spektakel zu inszenieren. Und genau das wird gerade inszeniert. Die Frage lautet immer „cui bono“, wem hilft es? Der Wahrheit, Aufklärung und der Übernahme von Verantwortung? Wenn ich an diesem Wochenende durchs Internet blättere, dann habe ich den Eindruck, dass wir diese Perspektive bereits verloren haben. Von diversen Eintragungen bei Facebook mal ganz zu schweigen. Hier wird nur noch getrieben. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich sehe die Vorwürfe nicht als Ergebnis einer Medienkampagne. Aber die Kirche steckt in einer Glaubwürdigkeitskrise, immer noch. Da helfen keine medial inszenierten Opferhandlungen, sondern — ich wiederhole — Transparenz und das Übernehmen von Verantwortung. Das ist das einzige, was mich im Augenblick an der Debatte interessiert.