Kommunikation und Sozialdoktrin

Die Verbreitung der Frohen Botschaft bewirkt den Fortschritt der Menschheit

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Von Antonio Gaspari

ROM, 18. Mai 2012 (ZENIT.org). - Der gesamten Realität des Universums liegt ein Informations- und Kommunikationsprozesses zugrunde. Es existiert Information physikalischer, chemischer, magnetischer oder nuklearer Art etc. Diese wird zwischen den Himmelskörpern ausgetauscht und schafft Verbindungen, aus denen die Realität des Universums  hervorgeht.

Von besonderer Bedeutung ist dieser Prozess für alle Lebensvorgänge. Information ist die Grundvoraussetzung für die Entstehung des Lebens und Kommunikation schafft die Bedingungen für dessen Wachstum und Gedeihen.  

Betrachten wir an dieser Stelle den Beginn des Lebens der menschlichen Spezies: Bereits unmittelbar nach der Befruchtung sendet die Eizelle Informationen an die umliegenden Zellen und an den Körper der Mutter aus und leitet so die Bedingungen für die Aufnahme und das Wachstum des zu einem Jungen oder Mädchen heranreifenden Lebewesens ein. Dies geschieht bereits, bevor Mutter und Vater von der Existenz ihres Kindes wissen. Information und Kommunikation sind zudem entscheidende Faktoren für die Entwicklung und den Fortschritt menschlicher Gemeinschaften.

Ein Blick auf die Geschichte zeigt, dass die Menschheit über eine hoch entwickelten Fähigkeit verfügt, Informationen zu sammeln und sie mit Hilfe zunehmend spezialisierter Instrumente weiterzugeben.

Alle großen Kulturen zeichneten sich durch die Hervorbringung kultureller Innovationen aus, die in die Geschichte eingingen. Ohne eine Entwicklung der Kommunikationsmittel wären die Durchführung und die Verbreitung ihre großen Projekte jedoch niemals gelungen. Daher ist die  Geschichte der Menschheit und deren Entwicklung untrennbar verbunden mit der Geschichte der Sammlung und der Weitergabe von Informationen.

In seiner Botschaft zum 45. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel  im Jahr 2011 schrieb Papst Benedikt in diesem Zusammenhang folgendes: „In einer digitalen Welt bedeutet Informationsübermittlung immer häufiger, sie in ein soziales Netzwerk einzugliedern, in dem das Wissen im Rahmen eines persönlichen Austauschs geteilt wird. (…) Diese Entwicklung hat zu einer Neubewertung des Kommunizierens geführt. Dieses wird vor allem als Dialog, Austausch, Solidarität und als Aufbau positiver Beziehung verstanden. (…) Die neuen Technologien ermöglichen die Begegnung von Menschen über räumliche und selbst kulturelle Grenzen hinweg und somit die Erschaffung einer  vollkommen neuen Welt potenzieller Freundschaften. Dabei handelt es sich um eine große Chance, (…) Wenn Menschen Informationen austauschen, teilen sie sich selbst, ihre Weltsicht, ihre Hoffnungen und Ideale mit“. 

Der Widerspruch unserer Zeit liegt darin, dass sie durch eine in der Menschheitsgeschichte bisher unerreichte technologische Entwicklung, durch einen maßlosen Reichtum an Wissen und Gütern, gekennzeichnet ist, aber keine Generation großer Politiker und keine große Spiritualität hervorgebracht hat.

Dieser Widerspruch wurde vom seligen Papst Johannes Paul II. folgendermaßen stigmatisiert: „Ist es angesichts der Lage der Menschheit übertrieben, von einer Kulturkrise zu sprechen? Wir beobachten große Fortschritte im Bereich der Technologie, doch diese gehen nicht immer mit einem spirituellen und moralischen Fortschritt einher.“ (Ansprache an die Teilnehmer an der Abschlusszeremonie der interreligiösen Begegnung am 28. Oktober 1999).

Der berühmte Soziologe Marshall Mac Luhan schrieb folgendes: „Wir erleben den Höhepunkt einer technologischen Renaissance, doch wo ist der Renaissancemensch geblieben?“. Wir bedienen uns unfassbarer Technologien. Man denke daran, dass uns heute ein flaches Kästchen aus Magnetsilizium, das Smartphone, jederzeit Zugriff auf die größte Bibliothek der gesamten Menschheitsgeschichte gewährt. Man kann seine Position auf dem Globus abrufen und Informationen über seien Umgebung erhalten. Eine Verbindung und Kommunikation mit Milliarden von Menschen auf dem Planeten in Realzeit ist möglich, und das ist längst nicht alles … Das sind Möglichkeiten, die ich mir als Kind nur in meine Phantasie ausmalte.

Vor dem Hintergrund dieses Reichtums bewirkt der utilitaristische Zugang dazu, dass die Massenmedien für bestimmte und oberflächliche Zwecke, zur Konditionierung der Kultur, für Machtkämpfe, zur Auferlegung freiheitsfeindlicher und defätistischer Ideologien verwendet werden und folglich die schlimmste Seite des Menschen zum Vorschein bringen.

Um zu erkennen, auf welcher Seite die Massenkommunikationsmittel stehen, ist es notwendig, deren Zweck zu kennen.  Ist das Ziel eine Konditionierung der Leser, so werden die verpackten und verkauften Nachrichten vorwiegend negativ sein und Katastrophen heraufbeschwören oder Empörung erwecken.

Bedauerlicherweise wird die Welt der Massenmedien von der zynischen Regel: „Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“ regiert. Der christlichen Lehre zufolge müsste folgende Regel gelten: „Gute Nachrichten sind schöne Nachrichten“.

Das Ziel der Kommunikation müsste die Sammlung und die Verbreitung alles Guten sein, das Tag für Tag getan wird. Auch die ausweglosesten Situationen lassen sich Menschen finden, die trotz ihrer Menschlichen Zerbrechlichkeit heldenhafte Werke der Liebe an den Bedürftigsten vollbringen. Darin offenbart sich die wahre Dimension des Menschen, die der Hoffnung auf eine bessere Welt Nahrung gibt. Wie der hl. Paulus sagte, „das Gute siegt über Bose“ und „wo jedoch die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade übergroß geworden“ (Röm 5,20).

Tatsächlich sind die sozialen Kommunikationsmittel an der Verbreitung von Information, Bildung und Kultur entscheidend beteiligt.

Nach der Sozialdoktrin ist es daher wichtig, sowohl den Betreiber als auch den Nutzern ein Gefühl ihrer Verantwortung dafür zu vermitteln, dass von den Massenkommunikationsmitteln „unter einer gewissenhaften Einhaltung der moralischen Gesetze“ die „Frohen Botschaft“ verbreitet wird, damit „ein Wachstum der modernen Gesellschaft bewirkt werden kann“.

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]