Kommuniqué über das 8. Kolloquium des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog und der Organisation für Islamische Kultur und Beziehungen

Gemeinsame Werte hervorheben

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VATIKANSTADT, 23. November 2012 (ZENIT.org). - Der Päpstliche Rat für den Interreligiösen Dialog und die Organisation für Islamische Kultur und Beziehungen organisierten diese Woche (19. bis 21. November) in Rom ihr achtes gemeinsames Gesprächstreffen. Den Vorsitz führten Seine Eminenz Kardinal Jean-Louis Tauran, Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, und Seine Exzellenz Dr. Mohammad Bagher Korramshad, Präsident der Organisation für Islamische Kultur und Beziehungen.

Thema der Besprechungen war „Die Kooperation zwischen Katholiken und Muslimen zur Förderung der Gerechtigkeit in der heutigen Welt“. Vier Teilaspekte dieses Themas wurden im Verlauf des Treffens behandelt, wobei der katholische Standpunkt mit dem des schiitischen Islam verglichen wurde: 1.: Der Begriff der Gerechtigkeit; 2.: Gerechtigkeit für den Einzelnen; 3.: Gerechtigkeit für die verschiedenen Personengruppen der Gesellschaft; 4.: Gerechtigkeit für die gesamte Menschheitsfamilie.

Von katholischer Seite nahmen an dem Treffen teil:

S.E. Erzbischof Ramzi Garmou

S.E. Bischof Marcelo Sànchez Sorondo

Pater Miguel Ángel Ayuso Guixot

Msgr. Khaled Akasheh

Msgr. Prof. François Bousquet

Pater Dr. Damian Howard

Pater Prof. Cornelius Afebu Omonokhua

Prof. Vincenzo Buonomo

Prof. Dr. Dr.h.c. Rotraud Wielandt

Prof. Paolo G. Carozza

Prof. Ilaria Morali

Von muslimischer Seite nahmen an dem Treffen teil:

Dr. Mohammad Reza Dehshiri

Dr. Ali Mohammad Helmi

Prof. Hamidreza Ayatollahy

Hojatolislam Dr. Abdolhossein Khosropanah

Prof. Emad Afroogh

Hojatolislam Dr. Mostafa Boroujerdi

Dr. Seyedeh Mojgan Sakhaei

Mr. Gorban-Ali Pourmarjan

Mr. Siamak Borhani

Mr. Mohammad Hossein Mirzaaghaei

Das Kolloquium fand in einer entspannten Atmosphäre statt. Beide Seiten erklärten, sie seien sich der großen Herausforderungen unserer Zeit bewusst, besonders der Probleme der Wirtschaftskrise, der Umweltzerstörung, der Schwächung der Familie als Grundpfeiler der Gesellschaft und der Gefährdung des Weltfriedens. Die Teilnehmer nahmen zur Kenntnis, dass die beiden Religionen sowohl Berührungspunkte als auch Differenzen aufweisen, und konzentrierten sich auf die gemeinsamen Werte:

1. Unser gemeinsamer Glaube an den Einen Gott, der alles erschaffen hat, gibt jedem von uns eine ganzheitliche Auffassung von Gerechtigkeit. Die verschiedenen Anwendungssphären dieser Gerechtigkeit (persönliche, gemeinschaftliche, soziale, politische, wirtschaftliche, kulturelle und juristische Gerechtigkeit) sind nicht voneinander zu trennen.

2. Gerechtigkeit ist eine Tugend, die sowohl eine korrekte Ausübung der menschlichen Vernunft als auch eine Erleuchtung durch Gott voraussetzt. Gewissensfreiheit ist ein Wert, der in unseren Gesellschaften anerkannt und respektiert werden muss.

3. Gerechtigkeit ist ein dynamischer Begriff. Diese Eigenschaft erlaubt es ihr, sich den Herausforderungen einer sich verändernden Welt anzupassen.

4. Religiöse Führer, Institutionen und letztlich jeder einzelne Gläubige haben die Verantwortung, Ungerechtigkeit und Diskriminierung in all ihren Formen zu verurteilen und Gerechtigkeit auf der ganzen Welt zu fördern. Wir glauben, dass unsere Religionen die Kraft besitzen, die Menschen zum Aufbau einer Welt zu bewegen, in der Friede und Gerechtigkeit verwirklicht werden.

5. Wir teilen die Ansicht, dass im Namen der Gerechtigkeit in der heutigen Welt Muslime und Christen fortfahren müssen, ihr gegenseitiges Verständnis durch anhaltenden Dialog und Kooperation zu vertiefen.

6. Es ist wichtig, dass wir die Früchte unserer gegenseitigen Begegnung zu ernten wissen und sie den Menschen unserer beiden Glaubensgemeinschaften mitteilen, damit sie eine reale Wirkung in der Welt entfalten können.

Die Teilnehmer des Kolloquiums hatten die Freude und zugleich die Ehre, am Ende ihres Treffens von Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI. empfangen zu werden, der sie begrüßte und aufforderte, auf dem Weg eines aufrichtigen und fruchtbaren Dialogs fortzufahren.

Das nächste Kolloquium, dem ein Vortreffen vorangehen wird, wird in zwei Jahren in Teheran stattfinden.

[Übersetzung des englischen Originals von Alexander Wagensommer]