"Konflikte gehören zum Leben; wichtig ist nur, wie man damit umgeht"

Die Worte des Papstes beim Regina Caeli

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 493 klicks

Auch heute zeigte sich der Heilige Vater am Fenster seines Arbeitszimmers, um mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern wie gewohnt das sonntägliche Regina Caeli zu beten.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach der Papst die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren.

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[Vor dem Regina Caeli]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Die heutige Lesung aus der Apostelgeschichte lässt uns erkennen, dass schon in der Urkirche Spannungen und erste Meinungsverschiedenheiten auftraten. Konflikte gehören zum Leben; wichtig ist nur, wie man damit umgeht. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Einheit der christlichen Gemeinde durch die Zugehörigkeit zu einem selben Volk und Kulturkreis, dem jüdischen, begünstigt worden. Doch als das Christentum, das nach dem Willen Jesu für alle Völker bestimmt ist, sich dem griechischen Kulturkreis öffnete, fiel diese Einheit weg und so entstanden die ersten Schwierigkeiten. Unzufriedenheit machte sich breit, Beschwerden wurden laut; es gingen Gerüchte von Begünstigungen und ungleicher Behandlung um. Genau wie in unseren Pfarrgemeinden! Die Hilfe, die die Gemeinde den Bedürftigen zukommen ließ – den Witwen, Waisen und den Armen ganz allgemein – erschien manchen als eine privilegierte Behandlung der Christen jüdischer Abstammung gegenüber den anderen.

Angesichts dieser Streitigkeiten nahmen die Apostel die Sache selbst in die Hände. Sie beriefen eine Versammlung ein, an der auch alle Jünger beteiligt waren, und sprachen gemeinsam über die Probleme. Alle. Denn Probleme kann man nicht lösen, indem man so tut, als gebe es sie nicht. Diese ehrliche Konfrontation zwischen den Hirten und der Gemeinde ist etwas Schönes. Sie einigten sich auf eine Teilung der Aufgaben. Die Apostel machten einen Vorschlag, der von allen angenommen wurde: Sie würden sich künftig um das Gebet und den Dienst am Wort kümmern, während sieben Männer, die Diakone, den Dienst an den Tischen der Armen zugeteilt bekamen. Diese sieben wurden nicht etwa deshalb gewählt, weil sie erfahrene Geschäftsmänner waren, sondern weil sie ehrlich waren, von gutem Ruf und voll des Geistes und der Weisheit; und sie wurden von den Aposteln durch das Auflegen der Hände für ihren Dienst geweiht. So gelangte die Urgemeinde, ausgehend von ihren Spannungen und Beschwerden, von jenen Gerüchten über Privilegien und ungleiche Behandlung, zu einer Lösung. Durch offenen Meinungsaustausch, durch Gespräch und Gebet: So löst man Konflikte innerhalb der Kirche. Durch Meinungsaustausch, Gespräch und Gebet. Mit der Gewissheit, dass Geschwätz, Neid und Eifersüchteleien uns niemals zur Eintracht, zur Freundschaft und zum Frieden führen werden. Auch in diesem Fall hat der Heilige Geist den wiedergefundenen Einklang gekrönt, und daran erkennen wir, dass wir dem Heiligen Geist die Führung überlassen müssen, damit er uns zur Eintracht, zur Freundschaft und zur Achtung vor den unterschiedlichen Begabungen jedes Einzelnen führt. Habt ihr das verstanden? Kein Geschwätz, kein Neid und keine Eifersüchteleien! Verstanden?

Möge die Jungfrau Maria uns helfen, dass wir immer fügsam gegenüber dem Heiligen Geist bleiben, damit wir lernen, uns gegenseitig zu schätzen und immer tiefer im Glauben und in der Nächstenliebe zusammenfinden, mit einem offenen Herzen für die Bedürfnisse unserer Brüder.

[Nach dem Regina Caeli]

Liebe Brüder und Schwestern!

Schwere Unwetter haben weite Teile des Balkans getroffen, vor allem in Serbien und Bosnien. Während ich die Opfer der Überschwemmungen dem Herrn anvertraue, drücke ich denen, die in diesen Stunden Angst und Leid erleben, meine persönliche Nähe aus. Lasst uns gemeinsam zur Muttergottes für diese Brüder und Schwestern beten, die in so großer Schwierigkeit sind.

Ave Maria…

In Iaşi, Rumänien, wurde gestern Bischof Anton Durcovici seliggesprochen, ein Märtyrer des Glaubens. Ein eifriger und mutiger Hirte, der vom kommunistischen Regime verfolgt wurde und im Gefängnis starb; er verhungerte und verdurstete, im Jahr 1951. Zusammen mit unseren Brüdern und Schwestern in Iaşi und in ganz Rumänien wollen wir Gott für dieses leuchtende Beispiel danken!

Ich grüße euch alle, Einwohner der Stadt Rom und Pilger; Familien, Pfarrgruppen, Vereine und Schulen…

Ganz besonders begrüße ich die Schüler der katholischen Schulen von Madrid und Pamplona, jene aus Mexiko und aus Colombes in Frankreich, die Jugendlichen der Schule „Nostra Signora della Neve“ in Genua und die Kinder des Zentrums „Volto Santo“ in Bari.

Ich grüße die Delegationen der Städte Perth (Australien) und Vasto (Italien), die seit 25 Jahren Partnerstädte sind; die Gläubigen aus Tombolo, Grezzena, Cerignola, San Biagio, San Fiorano, Parabita, Patù, Bronte, Cassino und Dogana; den Chor aus Brindisi, den Seniorenverein aus Locara, die „Kleine Bruderschaft Emmaus“ aus San Benedetto del Tronto, die Jugendlichen aus Lodi und aus Atri.

Ich ermutige die Freiwilligen-Vereine, die aus Anlass des „Tages der Krebskranken“ gekommen sind: Ich bete für euch, für die Kranken und ihre Familien. Betet ihr auch für mich!

Euch allen wünsche ich einen schönen Sonntag. Gesegnete Mahlzeit und auf Wiedersehen!