KONFLIKTE IN AFRIKA KOCHEN ÜBER IN LÄNDERN MIT CHRISTLICH-MUSLIMISCHER MISCHBEVÖLKERUNG

Die Auswirkungen der Angriffe vom 11. September ziehen weitere Kreise

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ABUJA, Nigeria, den 20. Oktober 2001 (ZENIT.org).- Während die Aufmerksamkeit der Welt auf die Ereignisse in Zentralasien und auf den Nahen Osten gerichtet ist, kochen Konflikte zwischen Christen und Moslems in Nigeria und Sudan über.



Am letzten Wochenende starben mehr als 200 Menschen in Nordnigeria bei Zusammenstößen, die von Protesten gegen die Kampfmaßnahmen der USA in Afghanistan ausgelöst worden waren. Reuters berichteten am 14. Oktober, dass sich die Unruhen in der Stadt Kano ereigneten, als rivalisierende mohammedanische und christliche Banden aufeinander losgingen. Eines der schlimmsten Kampfgebiete war der Zangon-Bezirk außerhalb des Stadtzentrums, einer mohammedanischen Hochburg mit einer bedeutenden christlichen Minderheit. Die fliehen mussten, waren die Christen.

Nigeria, Afrikas volkreichste Nation mit mehr als hundertzwanzig Millionen Menschen, leidet unter ständigen Konflikten zwischen Christen und Moslems seit der Einführung der Scharia, des islamischen Gesetzes, durch einige Bundesstaaten im Norden des Landes.

In Kano, so berichteten Führer der Christlichen Vereinigung Nigerias, seien im letzten Monat sieben Kirchen niedergerissen, sechs in Brand gesetzt, und einige andere zur Schließung gezwungen worden. Das meldete das Oktoberbulletin der Agentur “Compass Direct”.

Laut Gabriel Ojo, dem Pfarrer der ‚Ersten Baptisten-Kirche‘ in Kano, “wurden viele private Wohnungen und Läden, die Christen gehörten, und auch Autos, niedergebrannt oder zerstört”. Insgesamt 54 Kirchen wurden Abrissbescheide der Staatsregierung zugestellt. Zwanzig Kirchengebäude wurden in der Zeit vom 6. – 13. Juli in Kano von der staatlichen Behörde für Umweltplanung und Umweltschutz niedergerissen, nachdem diese behauptet hatte, die Kirchen entsprächen nicht den Umweltgesetzen.

“Compass Direct” meldete auch, dass Nigerias präsidialer verfassungsmäßiger Kontrollausschuss der nigerianischen Bundesregierung geraten habe, der Einführung des islamischen Gesetzes in den nördlichen Staaten Einhalt zu gebieten. Der Abschnitt 10 der Verfassung von 1999, der die Annahme irgendeiner Religion als offizielle Religion durch die Regierung auf jeder Ebene verbiete, müsse beibehalten werden, verlangt der Bericht des Ausschusses.

Der Ausschuss wies darauf hin, dass die Annahme der Scharia die Nigerianer veranlasst hat, sich zu fragen, ob gegen Teile der Verfassung verstoßen worden sei. Er erklärte, die Nigerianer glaubten, dass die Religionsfreiheit ein fundamentales Recht und deutlich in der Verfassung verankert sei.

Der Bericht betonte, dass von der nigerianischen Regierung jede Anstrengung unternommen werden müsse, um ein gemeinsames Einvernehmen zwischen den Anhängern der beiden Religionen - Christentum und Islam - herbeizuführen. Der Ausschuss ermutigte die nigerianische Bundesregierung, deutlich zum Ausdruck zu bringen, “dass die Religionsfreiheit ein verfassungsmäßiges Recht ist und deshalb Staat und Religion getrennt sein müssen."

Leiden im Sudan dauert an

Inzwischen hört im Sudan der Bürgerkrieg zwischen den Regierungsstreitkräften des Nordens und den Christen und Animisten im Süden nicht auf, Leiden zu verursachen. Die Ausgabe der Zeitschrift “New Republic” vom 22 Oktober zitiert einen christlichen Bezirkskommissar, Malual Kon, der die sudanesische Regierung anklagte “ihre Kinder zu lehren, dass die Tötung eines Nichtmoslems ein Schlüssel zum Paradies sei.”

Der Artikel erwähnte besonders, dass der Sudan einen sicheren Zufluchtsort für zahlreiche islamische terroristische Gruppen zur Verfügung gestellt habe: für die Abu Nidal-Organisation, die libanesische Hisbollah, die palästinensische islamische Jihad-Organisation, für die Hamas und Algeriens Islamische Heilsfront. Er habe auch den Attentätern, die 1995 versucht hätten, den ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak zu töten, Schutz gewährt.

Im April 1996 habe das US-Außenministerium einen Diplomaten der sudanesischen UNO-Gesandtschaft ausgewiesen, der Beziehungen zu Verschwörern hatte, die planten, das UNO-Gebäude und die Tunnel unter dem New Yorker Hafen in die Luft zu sprengen. Osama bin Laden habe zwischen 1991 und 1996 im Sudan seinen Wohnsitz gehabt.

Die Vereinten Nationen, so heißt es, verhängten 1996 in drei unterschiedlichen Resolutionen Sanktionen gegen Khartum. Und 1997 verhängte in einer Durchführungsverordnung Präsident Bill Clinton noch härtere kommerzielle und finanzielle Strafen.

Die sudanesische Regierung habe jedoch die Angriffe auf das Welthandelszentrum verurteilt, und als Belohnung habe der Sicherheitsrat der UNO am 28. September für die Aufhebung von Auslandsreisebeschränkungen für sudanesische Diplomaten gestimmt, nachdem die Vereinigten Staaten ihren Widerstand gegen die Beendigung der fünf Jahre alten Sanktionen aufgegeben hätten. Dies seien Sanktionen, die nichts mit weiter gehenden Sanktionen zu tun hätten, die einseitig von den Vereinigten Staaten auferlegt worden und noch in Kraft seien, berichteten Reuters am 28. September.

Die “Financial Times” berichtete am 27. September, dass wegen der Kooperation des Khartum-Regimes an dem von den USA geführten Kampf gegen den Terrorismus, die Vereinigten Staaten von Plänen Abstand genommen hätten, Rebellen im kriegsgeschüttelten Sudan stärker zu unterstützen.

Unter Druck der Bush-Regierung hätten republikanische Führer im Repräsentantenhaus Pläne über eine Abstimmung über das Sudan-Friedensgesetz abgesetzt, das die Hilfe für die Rebellen im südlichen Sudan verstärkt und ausländische Firmen, die mit dem Sudan Geschäfte tätigten, bestraft hätte.

Aber die “Neue Republik” klagte die sudanesische Regierung an, mit ihrem alten Verhalten fortzufahren. Weder habe Khartum seit dem 11. Sept. seine Sklaven freigelassen noch habe es ihm beliebt, an der Erklärung vom Mai 1994 und deren Prinzipien fest zu halten, über welche die regionalen Staaten eine Tagesordnung für den Friedensprozess festgesetzt hatten. Überdies habe die sudanesische Regierung fast zwei Wochen, nachdem das Welthandelszentrum zusammengestürzt sei, das südliche Dorf Kargoc, ein ziviles Ziel, das meilenweit von dem nächsten militärischen Standort entfernt liege, bombardiert.

Michael Rubin, Korrespondent der “New Republic”, der Kargoc besucht hat, bezeugte, dass eine der Bomben Bäume nahe einer Kirche zerfetzt hatte, die voller Kinder war, die dort die Sonntagspredigt hörten. Und am 4. Oktober habe der sudanesische Vizepräsident Ali Osman Taha vor einer Brigade von Mujahedin-Kämpfern, die in den südlichen Sudan abgesandt wurden gesagt, “der Jihad ist unser Weg, wir werden ihn nicht aufgeben, und wir werden sein Banner hoch halten."

Dass die aktive Christenverfolgung andauert, wird durch Berichte von “Compass Direct” in seinem Oktober Bulletin bestätigt. Besonders bemerkenswert ist der Fall eines sudanesischen Studenten, der vom Islam zum Christentum konvertierte und der von der Sicherheitspolizei in Khartoum im September hart geschlagen und gefoltert wurde.

Mohammed Saeed Mohammed Omer, 26 Jahre alt, berichtete “Compass Direct”, dass sein Onkel gerade drei Tage, bevor er verhaftet wurde, gedroht hatte ihn zu töten. Sicherheitsbeamte ergriffen Omer am 22. September, als er von einem Termin bei einem Pfarrer des Ortes zurückkam. “Er wurde gefoltert und geschlagen," berichtete “Compass Direct”, “und er verlor drei Fingernägel. Sie wurden ihm mit Beißzangen herausgezogen”. Der Konvertit wurde, so wird berichtet, von der Sicherheitspolizei gezwungen, Papiere zu unterschreiben, in denen er versprach, nie wieder eine Kirche oder eine christliche Versammlung zu besuchen.

Ein Bericht des UNO-Forschungsinstituts für Soziale Entwicklung vom 30. August stellte fest, dass die heutige Sklaverei im Sudan und anderswo im nördlichen Afrika “tief in der arabischen und mohammedanischen Vorherrschaft verwurzelt ist”.

In seiner jüngsten Intervention an die Bischofssynode in Rom wies Erzbischof John Onaiyekan von Abuja, Nigeria, darauf hin, dass die Katholische Kirche in jüngster Zeit bemerkenswerte Bemühungen zum Dialog mit dem Islam unternommen habe. Er betonte allerdings auch, dass es eine Anzahl islamischer Staaten gebe, “die nach wie vor religiöse Intoleranz und Fanatismus zur Grundlage ihrer Staatspolitik machen”.

“Wenn ein Staat einigen seiner Bürger das elementare Menschenrecht der Religionsfreiheit und die Gleichheit vor dem Gesetz verweigert, ist er dann nicht des Staatsterrorismus schuldig"? fragte Erzbischof Onaiyekan. Er erwähnte besonders die Fälle Nigerias und des Sudan.

Der Islam ist nicht der einzige Faktor hinter diesen Auseinandersetzungen. Rassenkonflikte und politische und wirtschaftliche Rivalitäten spielen hier auch eine Rolle in Nigeria und im Sudan. Aber die Christenverfolgung in einer Reihe islamischer Länder - Pakistan, Indonesien, Saudi-Arabien – ist ein schlimmes Beispiel von Intoleranz.