Kongo: Eine traurige Bilanz der Vertreibung

800.000 Menschen mussten aufgrund von Gewalt aus ihrer Heimat fliehen

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KINSHASA/D.R. KONGO, 10. Juli 2009 (ZENIT.org).- Nachrichten über das Leiden der Lokalbevölkerung im Osten der Demokratischen Republik Kongo rütteln jetzt von Neuem die Weltgemeinschaft auf. Bewaffnete Gewaltakte haben seit Beginn dieses Jahres rund 800.000 Menschen – 350.000 in Nord-Kivu und 450.000 in Süd-Kivu – aus ihren Häusern und Dörfern vertrieben.

Der Koordinierungsausschuss für Humanitäre Angelegenheiten der Vereinten Nationen (OCHA) bestätigte, dass die Gewalttätigkeit vor allem auf die andauernden militärischen Operationen gegen die Demokratischen Befreiungskräfte Ruandas (FDLR) zurückzuführen sei.

Sie ist auch Folge der Übergriffe der FDLR und der kongolesischen Streitkräfte (FARDC) gegen die Zivilbevölkerung. Was die Streitkräfte betrifft, so schieben sich die regulären Truppen der 10. Militärregion von Süd-Kivu und die direkt an der Operation Kimia II beteiligten Truppen gegenseitig die Verantwortung dafür zu. Nach OCHA-Angaben wird die versäumte Lohnzahlung des Militärs seitens des Staates die Soldaten der kongolesischen Streitkräfte zu weiteren Erpressungen gegenüber der Zivilbevölkerung zwingen, um auf diese Weise für sich und ihre Familien sorgen zu können.

Nach Berichten der Vereinigung „Frieden für den Kongo“, die von Missionaren, die im Kongo arbeiten, errichtet wurde, und die die humanitäre Organisation Cluster Santé in Bukavu (Hauptstadt der Provinz Süd-Kongo) zitiert, wurden im ersten Trimester 2009 3.424 Fälle sexueller Gewalt verzeichnet, von denen 1.335 in Gesundheitszentren behandelt wurden. Das berichtete die Päpstliche Nachrichtenagentur Fides.

Im Norden und Süden von Kivu führen die kongolesischen Streitkräfte zusammen mit dem ruandischen Heer und der Unterstützung der Blauhelme der VN-Mission im Kongo (MONUC) eine Reihe von militärischen Operationen gegen die FLDR durch, die wiederum mit Vergeltungsaktionen an der Zivilbevölkerung darauf antworten.

Nach „Frieden für den Kongo“ ist es für die Überwindung der Gewaltspirale notwendig, dass das Hutu-Volk im allgemeinen und die ruandischen Hutu-Flüchtlinge in der DRK im besonderen einschließlich der FLDR als Bewegung nicht weiterhin beschuldigt werden. Dabei muss eine klare Unterscheidung zwischen Zivilbevölkerung und bewaffneter Gruppierung gemacht werden, zwischen ruandischen Hutu-Flüchtlingen und jener engeren Personengruppe, die von den ruandischen und internationalen Behörden wegen ihrer Verwicklung in der ruandischen Völkermord von 1994 gesucht wird.

Ein weiterer Schritt könnte darin bestehen, die FLDR zu überzeugen, die Waffen niederzulegen und die Umschichtung in andere Gebiete der DRK zu akzeptieren, so wie von der kongolesischen Regierung und der internationalen Gemeinschaft vorgegeben, die für Hilfe und Sicherheit sorgen und ihnen den Flüchtlingsstatus gewähren müssten. Auch in einer solchen Diaspora-Situation hätten die FLDR-Mitglieder noch immer die Möglichkeit, sich mit gewaltlosen Mitteln für einen politischen Wandel der Verhältnisse in Ruanda einzusetzen, was ihnen in Zukunft eine friedliche Rückkehr in ihre Heimat ermöglichen könnte.