Kongo: Westliche Regierungen tragen Mitverantwortung für humanitäre Katastrophe

P. Schonecke fordert Neuausrichtung der Afrikapolitik Deutschlands

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AACHEN, 21. Januar 2009 (ZENIT.org).- Der Leiter des Netzwerkes Afrika-Deutschland, Pater Wolfgang Schonecke, hat nach Angaben des katholischen Missionswerkes der Kirche in Deutschland, Missio, die Bundesregierung aufgefordert, ihre Afrikapolitik zu korrigieren. Angesichts der Konflikte im Kongo müsste sichergestellt werden, dass keine Entwicklungshilfegelder in den Bürgerkrieg fließen. „Eine verantwortliche Kongopolitik muss Ruanda, dessen Haushalt zur Hälfte aus Entwicklungshilfe bestritten wird, klar machen, dass militärische Interventionen im Nachbarland Kongo nicht geduldet werden."

Nach Einschätzung von Schonecke werde nur ein Umdenken der internationalen Gemeinschaft die Grundlagen für eine dauerhafte Lösung des Kongo-Konflikts bieten können. Wolfgang Schonecke, langjähriger Afrikamissionar, äußerte sich in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Forum Weltkirche".

In seinem Beitrag Vielleicht ist Gott tot - Der Krieg im Kongo prangert der Ordensmann, der über viele Jahre in der Region der Großen Seen tätig war, das fragwürdige Verhalten der internationalen Gemeinschaft in Bezug auf den Kongokonflikt an. Zwar wären westliche Regierungen sehr schnell bereit, im Rahmen der humanitären Hilfe den Opfern des Konfliktes notwendige Unterstützung zu geben. Vordringliche Maßnahmen zur Lösung des Konfliktes seien derzeit nicht in Sicht, so die Benennung der Hauptverantwortlichen; die Entwaffnung der Milizen und Rebellenorganisationen; die Unterbindung der finanziellen Unterstützung dieser Organisationen sowie die internationale Kontrolle von Rüstungsexporten in die Konfliktregion.

Schonecke kritisiert, dass verschiedene Regierungen ihre Eigeninteressen verfolgten, um ihren Zugang zu den Rohstoffen im Kongo zu sichern. „Damit tragen sie eine Mitverantwortung für die humanitäre Katastrophe in der Region der Großen Seen", so Schonecke. Mit Worten der kongolesischen Bischofskonferenz betont Schonecke: „Die Welt hat von einem friedlichen Kongo mehr als von einem Kongo im Krieg." Erst wenn sich diese Einsicht auch auf internationaler Ebene durchsetzt, sieht der Ordensmann eine Chance für einen dauerhaften Frieden in der Konfliktregion.