Kongregation für den Klerus an die Priester: „Das Gebet an erster Stelle“

Botschaft zum Tag der Heiligung der Priester

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ROM, 15. April 2008 (ZENIT.org).- Angesichts der Tatsache, dass der priesterliche Dienst und die Sendung der Kirche von der persönlichen Beziehung zu Christus abhängen, sind die Priester dazu aufgerufen, vor jegliches Handeln das Gebet zu setzen.



In einem Brief, der am 13. April in der italienischensprachigen Ausgabe des „Osservatore Romano“ erschien, richtet sich Kardinal Claudio Hummes, Präfekt der Kongregation für den Klerus, an alle Priester der Welt, um sie zur Vorbereitung des Weltgebetstages für die Heiligung der Priester einzuladen. Der Weltgebetstag wird am 30. Mai begangen, dem Fest des allerheiligsten Herzen Jesu.

Kardinal Hummes ermahnt in dem Schreiben dazu, in der Gewissheit der göttlichen Barmherzigkeit die „vollkommene und faszinierende Menschlichkeit Jesu“ zu betrachten, der jetzt lebendig sei und wirke. Deshalb habe das Gebet Vorrang vor dem Tun, da vom Gebet eine entscheidende Wirkung ausgehe. Die Sendung des Priesters sollte sich vom Gebet nähren, „von der persönlichen Beziehung jedes einzelnen mit Jesus, dem Herrn“.

Die Bedeutung des Gebetes wird vor allem angesichts der Gefahr des Aktivismus und des vorherrschenden Säkularismus betont. Als Zweites sollten Priester „in der Barmherzigkeit Gottes erfahren sein“, also gewissermaßen Experten in Sachen göttlicher Barmherzigkeit.

Das Priestertum sei nicht als eine unvermeidliche Verpflichtung anzusehen, „die mechanisch erfüllt werden könnte, möglicherweise in Verbindung mit einem klar festgelegten und konsequenten Pastoralplan“, sondern als „die Berufung, der Weg, die Art und Weise, durch die Christus uns rettet, uns gerufen hat und uns jetzt ruft, mit ihm zu leben“. Diese „heilige Berufung“ besitze nur ein einziges angemessenes Maß: „die Radikalität“, „die totale Hingabe“. Christus selbst verwirkliche sie Tag für Tag im Priester, und zwar durch dessen erneuerte und betende Entscheidung.

Das Geschenk des Zölibats sei in dieser Dimension der Radikalität und der vollen Gleichgestaltung mit Christus anzunehmen und zu leben. Jede andere Haltung hinsichtlich der Beziehung mit Christus laufe Gefahr, ideologisch zu werden.

Auch die teilweise außerordentliche Arbeitslast, die die heutige Zeit mit sich bringe, müsse den Priester dazu veranlassen, mit noch größerer Aufmerksamkeit seine priesterliche Identität zu pflegen, deren Wurzel allein in Gott liege. „In diesem Sinn müssen uns im Rahmen einer der Welt entgegengesetzten Logik gerade die besonderen Bedingungen des Amtes dazu drängen, den Ton unseres geistlichen Lebens anzuheben, um mit größerer Überzeugungskraft und Wirksamkeit unsere ausschließliche Zugehörigkeit zum Herrn zu bezeugen.“

Die Eucharistie ist, so heißt es in dem Dokument, der „Ort der Totalität“ schlechthin. Aus diesem Grund ermahnt Kardinal Hummes die Priester zur Treue gegenüber der täglichen Feier der Eucharistie und der Anbetung des eucharistischen Herrn. Auch hierbei handle es sich nicht um eine bloße Erfüllung einer Pflicht, sondern um „ein absolut persönliches Bedürfnis, das so wahrgenommen wird wie das Atmen, wie das Licht für unser Leben“, als einziger angemessener Grund für ein erfülltes priesterliches Dasein.

Aus der Beziehung mit Jesus, die im Gebet genährt wird, entspringe die Notwendigkeit zur Mission, die zum Wesen der Kirche selbst gehöre und die Identität des Priesters mitpräge. Die Heiligkeit, um die der Priester jeden Tag bittet, dürfe nicht in einer sterilen und abstrakten individualistischen Auffassung bestehen. Sie sei notwendigerweise die Heiligkeit Christi, die für alle anziehend sei. Dies zeige sich konkret im Volk, das dem Priester anvertraut ist, und in der Verantwortung, ihm beizustehen.

Wesentliche Unterstützung für die priesterliche Berufung sei das unverzichtbare Fundament des gesamten Priesterlebens: Maria, die den Priester ständig unter das Kreuz Jesu zurückführe, damit er zusammen mit ihr die unendliche Liebe Gottes betrachte.

Abschließend wird in dem Brief an das Gebet für die Priester erinnert. Eine ewige eucharistische Anbetung überall auf der Welt sei geboten, damit Gott immerfort angebetet, gelobt und gepriesen werde und damit man seine Bitten vor ihn hintrage und Wiedergutmachung leiste.

Ziel dieser Initiative ist es, eine ausreichende Zahl von Berufungen zum Priesterberuf zu wecken und in einer Art „geistlichen Mutterschaft“ all jene zu begleiten, die bereits zum Priestertum berufen worden sind, damit sie Jesus und den Brüdern immer besser dienen.